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2. Fußball-Bundesliga
Ein Publikumsliebling soll der Retter sein

 Sportdirektor Boris Notzon (links) glaubt, mit Jeff Strasser den perfekten Mann als neuen Trainer des FCK verpflichtet zu haben.
Sportdirektor Boris Notzon (links) glaubt, mit Jeff Strasser den perfekten Mann als neuen Trainer des FCK verpflichtet zu haben. FOTO: dpa / Joachim Ackermann
Kaiserslautern. Der 1. FC Kaiserslautern hat den Luxemburger Jeff Strasser als neuen Trainer verpflichtet. Folgt jetzt die Wende?

Jeff Strasser genoss die emotionale Rückkehr in seine frühere Heimat und beschwor sogleich die alten Geister des legendären Betzenbergs. „Ich appelliere an alle Fans, die Mannschaft so bedingungslos zu unterstützen, wie sie mich unterstützt haben“, sagte der neue Trainer des Fußball-Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern bei seiner Vorstellung gestern. Beim FCK, für den Strasser während der aktiven Zeit 106 Spiele bestritt und bei dem er 2015 ein Praktikum absolvierte, unterzeichnete der Luxemburger einen Vertrag bis 2019. „Wieder beim FCK zu sein“, sagte Strasser sichtlich bewegt, „ist wie nach Hause zu kommen. Ich habe mich auf dem Betze immer sehr wohlgefühlt.“

Ob das als Trainer aber genauso sein wird? Es darf bezweifelt werden. Der viermalige Meister und zweimalige DFB-Pokalsieger befindet sich nach dem 0:5 (0:4) am Montagabend bei Union Berlin in der tiefsten Krise der Vereinsgeschichte. Mit gerade einmal zwei Punkten aus acht Spielen belegen die Roten Teufel den letzten Tabellenplatz. Der Absturz in die Amateurligen dürfte bei einem Abstieg nicht zu verhindern sein, da der FCK sich die 3. Liga wohl nicht leisten könnte.

Um in die Erfolgsspur zurückzukehren und den „Betze“ wieder zum Beben zu bringen, das glauben zumindest die Verantwortlichen, ist Strasser die perfekte Lösung. „Werte, für die Jeff als Spieler stand, sind die Werte des FCK. Das kann er der Mannschaft vermitteln, davon sind wir überzeugt“, sagte Sportdirektor Boris Notzon.



Strasser, der 2016 die DFB-Lizenz unter anderem mit den Bundesliga-Trainern Julian Nagelsmann und Domenico Tedesco erwarb, war als beinharter Abwehrspieler ein leidenschaftlicher Kämpfer gewesen. Auch deshalb avancierte er zum Publikumsliebling. „Er weiß ganz genau, welche Eigenschaften am Betzenberg gefragt sind. Er kennt den Verein, das Umfeld und viele der handelnden Personen und hat die Betze-Tugenden als Spieler selbst auf den Platz gebracht“, sagte Notzon, der sich bei der Suche nach einem neuen Trainer eigentlich noch hatte Zeit lassen wollen.

Ursprünglich sollte Interimstrainer Manfred Paula das Team morgen Abend gegen den Tabellenvorletzten SpVgg Greuther Fürth (18.30 Uhr/Sky) betreuen. Nach der Entlassung von Norbert Meier und dem Debakel in Berlin musste er handeln – das sahen auch FCK-Legenden so. „Die Zeit läuft dem FCK davon“, sagte 54er-Weltmeister Horst Eckel und ergänzte: „Das 0:5 spricht eine deutliche Sprache. Es ist mehr als ein Warnschuss, so darf es nicht weitergehen.“ Andreas Brehme, 1990 Weltmeister mit der DFB-Auswahl und von 2000 bis 2002 Trainer auf dem Betzenberg, hat für seinen ehemaligen Verein indes nur noch wenig Hoffnung. „Das Berlin-Spiel war ein Armutszeugnis. Der FCK kommt kaum über die Mittellinie“, sagte er: „Es gibt gar keine Leidenschaft und Zweikampfstärke mehr.“

Strasser soll das ändern. Bei CS Fola Esch begann er 2010 als Spielertrainer, seit 2012 ist er nur als Cheftrainer tätig gewesen. In dieser Zeit wurde Strasser 2013 und 2015 luxemburgischer Meister und 2017 Ligapokalsieger. „In vielen Gesprächen hat uns Jeff davon überzeugt, dass er fachlich und menschlich zu 100 Prozent zu uns passt. Wir sind überzeugt, dass wir gemeinsam mit Jeff den FCK wieder nach oben bringen werden“, erklärte Notzon.