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Tennis in Wimbledon
Zverev hat keine Lust mehr zu lernen

 Ein trauriger Alexander Zverev verlässt nach seiner unglücklichen Fünfsatz-Niederlage den Platz an der Church Road.
Ein trauriger Alexander Zverev verlässt nach seiner unglücklichen Fünfsatz-Niederlage den Platz an der Church Road. FOTO: dpa / Steven Paston
London. Hamburger Tennis-Jungprofi bereitet sich nach seinem unglücklichen Wimbledon-Aus jetzt auf die US-Hartplatzsaison vor.

(sid) Alexander Zverev hat die Lehrjahre satt. „Wir reden immer darüber, dass ich aus jeder Niederlage lerne“, sagte der 20 Jahre alte Hamburger nach seinem Aus im Achtelfinale von Wimbledon gefrustet: „Irgendwann habe ich keine Lust mehr zu lernen.“ Geduld gehört offensichtlich nicht zu den Stärken von Deutschlands größter Tennis-Hoffnung.

Nachdem Zverev erstmals die zweite Woche bei einem Grand-Slam-Turnier erreicht hatte, wollte er auch den nächsten Schritt erzwingen – das Duell im Viertelfinale mit seinem Kindheitsidol Roger Federer. Gegen Vorjahresfinalist Milos Raonic war Zverev über weite Strecken der bessere Spieler und verlor dennoch 6:4, 5:7, 6:4, 5:7, 1:6. „Es gibt keine Statistik, in der ich schlechter war als er“, haderte Zverev: „Ich hatte genug Chancen, das Match zu gewinnen.“ Vor allem beim Aufschlag des Kanadiers, einem der gefürchtetsten Schläge auf der Profitour. Obwohl Zverev viele Geschosse entschärfte, verwertete er nur drei von 17 Breakbällen, sein sechs Jahre älterer Kontrahent nutzte dagegen fünf von acht. Es ist das Lehrgeld, das der jüngere der Zverev-Brüder trotz aller Veranlagung und Frühreife auf dem Tennis-Court noch zahlen muss. Lehrgeld, das auch andere Größen wie Roger Federer oder Novak Djokovic einst zahlen mussten.

Aufmuntern konnten Zverev solche Vergleiche jedoch nicht. Der Ehrgeiz treibt ihn an, jede Niederlage, egal gegen wen, ist eine zu viel. Immerhin: „Wenn ich verliere, muss jeder gegen mich über die lange Distanz gehen“, sagte Zverev trotzig. Bereits bei den Australian Open in Melbourne hatte er Rafael Nadal in den fünften Satz gezwungen. „Aber ich möchte natürlich anfangen, solche Matches zu gewinnen“, sagte er.



Weil es ihm nicht schnell genug gehen kann, kehrt Zverev schon am Montag in Florida auf den Trainingsplatz zurück, um sich auf die US-Hartplatzsaison mit dem Höhepunkt bei den US Open vorzubereiten. Für ihn gilt es, im Saisonendspurt möglichst viele Punkte zu sammeln, die er für sein großes Ziel braucht: die Qualifikation für die ATP-WM in London.

Während Zverev in der Pressekonferenz mit seinem Ausscheiden haderte, stemmte sich Rafael Nadal gegen die nächste Wimbledon-Enttäuschung. Allerdings vergeblich: Nach 4:48 Stunden hatte der 34 Jahre alte Luxemburger Gilles Muller die große Überraschung geschafft und den zweimaligen Titelträger in einem an Spannung kaum zu überbietenden Krimi mit 6:3, 6:4, 3:6, 4:6, 15:13 aus dem Turnier geworfen. „Ich bin einfach nur glücklich, dass es vorbei ist. Ich hatte schon Angst, dass wir am Dienstag zurückkommen müssen“, sagte Muller, nachdem er seinen fünften Matchball bei einbrechender Dunkelheit verwandelt hatte. „Es war nicht mein bestes Match, und ich habe gegen einen sehr unangenehmen Gegner gespielt“, sagte Nadal tief enttäuscht: „Ich habe bis zum letzten Ball gekämpft, aber er hat klasse gespielt.“ Der Mallorquiner war nach seinem historischen zehnten Titel in Roland Garros mit großen Erwartungen nach London gereist.

Bei den Frauen hat gestern die Spanierin Garbine Muguruza das Halbfinale erreicht. Einen Tag nach ihrem Sieg gegen Angelique Kerber gewann die 23-Jährige gegen die Russin Swetlana Kusnezowa mit 6:3, 6:4. Auch Venus Williams hat mit ihrem 100. Wimbledon-Sieg das Halbfinale erreicht. 20 Jahre nach ihrem Debüt setzte sich die fünfmalige Turniersiegerin gegen die French-Open-Gewinnerin Jelena Ostapenko aus Lettland mit 6:3, 7:5 durch.

„Ich liebe die Herausforderung und den Druck, daher stecke ich noch immer so viel Mühe und Zeit ins Training“, sagte Williams, nachdem sie Ostapenko, die bei ihrem Wimbledon-Debüt gerade geboren war, nicht hatte zur Entfaltung kommen lassen. Dabei galt die frühere Juniorensiegerin nach ihrem Titelgewinn in Paris auch als Anwärterin auf den Erfolg im Londoner Südwesten.