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Zu Gast im olympischen Musterland

Pyeongchang. Die IOC-Führung um Präsident Thomas Bach tagt im südkoreanischen Pyeongchang, Gastgeber der Winterspiele 2018. Nikolaj Stobbe

(sid) Ob Korruptionsskandal, Doping-Krise oder die Aufregung um die Münchner U-Bahn: Für Präsident Thomas Bach sind die jüngsten Probleme des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) beim Besuch in Pyeongchang weit entfernt. Stattdessen reißen in Südkoreas Gastgeberstadt der Winterspiele 2018 die positiven Nachrichten nicht ab.

Bach selbst trug dazu bei, dass sich Pyeongchang knapp ein Jahr vor dem Start der ersten Winterspiele in Südkorea im günstigen Licht präsentierte. Bei der Besichtigung des olympischen Dorfes lobte der deutsche IOC-Chef gestern den Stand der Vorbereitungen. "Die Entwicklung ist sehr gut. Wir haben großen Fortschritt gesehen", sagte der 63-Jährige.

Der deutsche IOC-Präsident stattete dem Athletendorf im Beisein von Sportlern einen Besuch ab. US-Skeleton-Pilotin Katie Uhlaender testete in den Appartements Bett und Küche und sprach von einer "familiären Atmosphäre". Wie das IOC mitteilte, seien alle Wohnungen für die Zeit nach den Spielen bereits an private Investoren verkauft.



Auch die Evaluierungskommission des IOC zog nach der Besichtigung der Wettkampfstätten eine positive Bilanz. "Pyeongchang bietet den besten Athleten der Welt im kommenden Jahr auf Eis und Schnee hochkarätige Veranstaltungsorte", sagte die Kommissions-Vorsitzende Gunilla Lindberg.

Wie Lindberg weiter erklärte, habe man seit dem letzten Besuch an den Wettkampfstätten deutliche Fortschritte gesehen und von den Athleten der 17 Testveranstaltungen ein gutes Feedback erhalten. "Dies kombiniert mit zwei erstklassigen olympischen Dörfern wird die Spiele für die Teilnehmer unvergesslich machen", meinte die Schwedin.

Heute und am Freitag trifft sich die Regierung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), die Exekutive, um den Stand der Vorbereitungen weiter abzuklopfen. Dabei wird auch das zukünftige Bewerberverfahren heiß diskutiert. Bach hatte kritisiert, dass es beim bisherigen Prozedere zu viele Verlierer gebe.

Nach wie vor steht im Raum, dass am 13. September bei der IOC-Session in Lima/Peru die Sommerspiele 2024 und 2028 an die einzig verbliebenen Bewerber Paris und Los Angeles in einem Zuge vergeben werden. Viele IOC-Mitglieder wehren sich jedoch, weil sie sich auch in ihren Wahlmöglichkeiten eingeschränkt fühlen. Bach muss hier allmählich eine Lösung finden.

Auch die Korruptionsaffäre um den ehemaligen Weltklassesprinter und hohen IOC-Funktionär Frankie Fredericks wird Fragen aufwerfen. Nachdem dubiose Zahlungen an den früheren Weltmeister kurz vor der Vergabe der Spiele 2016 an Rio bekannt geworden waren, trat der viermalige Olympiazweite von seinen Ämtern zurück.

Wie sensibel die Äußerungen des Präsidenten in der Olympiadebatte bereits verfolgt werden, zeigte am Mittwoch die Reaktion auf eine Aussage von Bach. "Ohne Olympische Spiele hätte München vielleicht heute noch keine U-Bahn", hatte der IOC-Chef bezüglich der Spiele von 1972 dem "Münchner Merkur" gesagt.

Das jedoch war nicht der Fall. Der damalige Oberbürgermeister Jochen Vogel stellte umgehend klar, dass Olympia 1972 die Entwicklung der U-Bahn beschleunigt habe, "aber U- und S-Bahn wären auch ohne Olympia gekommen".