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Peinliche Pleite gegen die Dominikanische Republik
WM-Desaster schockt deutsche Basketballer

 Mit hängendem Kopf verlässt Dennis Schröder das Feld. Der NBA-Star ist mit der deutschen Basketball-Nationalmannschaft bei der WM in China vorzeitig gescheitert – ein Debakel von historischem Ausmaß.
Mit hängendem Kopf verlässt Dennis Schröder das Feld. Der NBA-Star ist mit der deutschen Basketball-Nationalmannschaft bei der WM in China vorzeitig gescheitert – ein Debakel von historischem Ausmaß. FOTO: dpa / Swen Pförtner
Shenzhen. Durch das überraschende 68:70 gegen die Dominikanische Republik ist das Nationalteam bereits in der Vorrunde ausgeschieden. sid

Dennis Schröder wollte nicht reden. Wortlos schlich der selbsternannte Anführer eine Stunde nach der Schlusssirene zum Bus, kein Satz zum Desaster, keine Erklärung, nichts. Die Enttäuschung saß tief. Nach einer Blamage gegen Außenseiter Dominikanische Republik sind die deutschen Basketballer um den hochgelobten NBA-Profi bei der Weltmeisterschaft in China gescheitert, durch das 68:70 (39:37) am Dienstag im zweiten Gruppenspiel gegen das Team aus der Karibik ist die Zwischenrunde unerreichbar und auch Olympia in größter Gefahr.

„Ich bin wahnsinnig enttäuscht. Wir sind mit anderen Erwartungen hierhin gefahren. Wir haben nicht abgeliefert. Das ist großer Mist“, sagte Ingo Weiss, Präsident des Deutschen Basketball-Bundes (DBB), nach der zweiten Niederlage im zweiten Spiel sichtlich angefressen. Zwar könne das Team „auf Topniveau mitreden“, es sei aber eher „von anderen hoch eingeschätzt worden“. Eine Diskussion um Bundestrainer Henrik Rödl werde es nicht geben.

Rödl wählte derweil weniger harte Worte. „Das ist natürlich eine bittere Pille“, sagte der 50-Jährige nach der Pleite in Shenzhen. Mit seiner Mannschaft ging der Trainer nicht wirklich ins Gericht: „Wir haben extrem hart gearbeitet. Es war ein superknappes Spiel gegen einen unangenehmen Gegner.“



Was nach Betriebsunfall klingt, könnte große Folgen haben. Durch den unerklärlichen Aussetzer geht es nach der Vorrunde in der Platzierungsrunde um die Positionen 17 bis 32 in Shanghai mit Spielen gegen Kanada und den Senegal weiter. Endgültig perfekt war das Scheitern, als Frankreich am Nachmittag wie erwartet Jordanien mit 103:64 schlug. Das DBB-Team hatte zum Auftakt ein 74:78 gegen die Franzosen kassiert.

Erstmals verlor eine deutsche Auswahl ihre ersten zwei Spiele bei einer WM. Das Team mit vier NBA-Profis war nicht bereit für die Aufgabe gegen den Weltranglisten-18. Es hakte an allen Ecken und Enden. „Unsere Körpersprache war nicht so, wie sie ein sollte“, sagte Maodo Lo und suchte erfolglos nach Erklärungen. „Keine Ahnung, es ist ein richtiges Desaster.“

In China werden sieben Direkttickets für Olympia vergeben, Deutschland bekommt keins davon. 16 weitere Teams schaffen es aber zu einem Qualifikationsturnier. Reicht es auch dafür nicht, muss der DBB hoffen, als eines von zwei europäischen Teams per Nominierung dafür zugelassen zu werden.

Trotz des ernüchternden ersten Viertels gegen Frankreich, in dem eine deutsche Mannschaft erstmals in der WM-Geschichte nur vier Punkte verbuchte, vertraute der Nationalcoach gegen die Dominikanische Republik der Startformation vom Auftakt. Doch es holperte wie im ersten Spiel. Daniel Theis erzielte nach 140 Sekunden die ersten Punkte gegen die sehr physisch agierenden Spieler des Karibikstaats. Der gegen Frankreich noch enttäuschende Profi der Boston Celtics war in dieser Phase die erste Option des DBB-Teams. Es lief besser, doch die Unsicherheit blieb.

Der Gegner bereitete den Deutschen trotz einer miserablen Dreierquote größte Probleme. Gerade unter den Körben agierte Rödls Team schwach. Auch in der zweiten Hälfte fehlte die Struktur weiter völlig. Die Deutschen leisteten sich viel zu viele Fehler und spielten ohne echte Überzeugung. Es blieb bis zum Ende eng, Danilo Barthel hatte beim Stand von 68:70 kurz vor der Schlusssirene mit einem Dreier die Chance zum Sieg, doch der Ball ging nach Zuspiel von Topscorer Schröder (20 Punkte) weit vorbei. Dann wurde es auf der deutschen Bank ganz still.