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Fußball
Die Mitstreiter wollen Werder hängen lassen

 Werder-Fans halten vor Spielbeginn ihre Schals hoch. Bei Risikospielen muss der Verein für die Sicherheitskosten aufkommen.
Werder-Fans halten vor Spielbeginn ihre Schals hoch. Bei Risikospielen muss der Verein für die Sicherheitskosten aufkommen. FOTO: dpa / Carmen Jaspersen
Frankfurt. Der deutsche Profifußball befasst sich an diesem Dienstag mit der Übernahme der Polizeikosten. Bremen wird wohl der Verlierer sein. sid

Beim Geld hört die Freundschaft auf – selbst im edlen Kempinski. Wenn sich die Vereins-Verantwortlichen an diesem Dienstag im Nobelhotel vor den Toren Frankfurts treffen, wird es mit der Solidarität im deutschen Profifußball wieder einmal nicht weit her sein. Alles deutet darauf hin, dass die anderen Vereine ihren Mitstreiter SV Werder Bremen hängen lassen werden. Die Hanseaten müssen die Kosten für Polizeieinsätze bei sogenannten Risikospielen voraussichtlich alleine tragen.

Schließlich haben die Abstimmungen bei den zurückliegenden Teilversammlungen der Bundesliga und der 2. Liga ergeben, dass die anderen Klubs eine Beteiligung an den Auslagen ablehnen. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hatte im September die Gebührenbescheide des Landes Bremen für vier Partien des Bundesligisten Werder in Höhe von 1,17 Millionen Euro mit großem Widerwillen beglichen.

Die Hälfte der Gesamtsumme wurde Werder gleich in Rechnung gestellt. Wer die anderen 584 000 Euro bezahlen soll, war bisher noch ungeklärt. Es gab zwei Varianten: Die Kosten werden auf alle Profivereine umgelegt oder Werder muss auch die andere Hälfte begleichen. Nun sieht es sehr nach letzterem aus – auch wenn Werder sich mit Händen und Füßen dagegen wehrt.



„Wir werden uns, wenn nötig, auch mit juristischen Mitteln dafür einsetzen, dass nicht 100 Prozent und auch nicht 50 Prozent der Kosten an uns weiterbelastet werden“, hatte Clubchef Hubertus Hess-Grunewald vergangene Woche angekündigt – und noch einmal die Wettbewerbsverzerrung zu Ungunsten der Norddeutschen angeprangert.

Die kämpferische Haltung der Werder-Verantwortlichen kommt nicht von ungefähr. Schließlich hat Bremens Innensenator Ulrich Mäurer bereits deutlich gemacht, dass er weitere Rechnungen schicken wird. Drei Bescheide in Höhe von 1,12 Millionen Euro sind bereits in Arbeit – ganz abgesehen von Gebühren für kommende Partien.

Dass diese Praxis rechtens ist, hatte das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig Ende März festgestellt – sehr zum Unwillen des SV Werder und der DFL. Man habe zwar „den juristischen Fingerzeig bekommen, dass es grundsätzlich möglich ist, eine solche Gebühr zu erheben“, sagte Hess-Grunewald: „Aber kein Richter dieser Welt hat gesagt, dass es eine gute Idee ist.“

Der Bremer Innensenator Mäurer sieht das ganz anders. „Es geht um die Frage der Gerechtigkeit und der vernünftigen Erwägung des Gemeinwohls“, äußerte der Politiker. Und andere Bundesländer könnten diese Ansicht bald teilen. Am Tag nach der DFL-Versammlung treffen sich die Innenminister in Lübeck. Dort wird sich zeigen, welche Länder Bremen folgen könnten. Rheinland-Pfalz ist schon ganz dicht davor, Hamburg und das Saarland denken noch nach.

Mäurer und sein rheinland-pfälzischer Kollege Roger Lewentz fordern nach wie vor die Einrichtung eines Fonds durch den Profifußball. Das lehnen die meisten Klubs, die es nicht einsehen, für die Fanprobleme ihrer Konkurrenten zahlen zu müssen, aber ab. Die Kompromiss-Verweigerung wie die fehlende Solidarität mit Werder sehen allerdings auch ein wenig nach Kalkül von Seiten des Profifußballs aus. Durch die „Opfer-Rolle“ Werders wird Druck auf die anderen Länder-Regierungen ausgeübt, damit die ihre bei den Wählern beliebten Fußball-Aushängeschilder nicht auch zur Kasse bitten – und damit im Wettbewerb benachteiligen. Noch ist offen, wer in diesem Kampf zwischen Politik und Fußball als Sieger vom Platz geht.