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Vielleicht für immer ein Königlicher

Madrid. Bis 2022 läuft der neue Millionen-Vertrag des deutschen Fußball-Nationalspielers Toni Kroos bei Real Madrid: Der gebürtige Greifswalder kann sich sogar vorstellen, bei den Königlichen seine Karriere zu beenden. sid

Toni Kroos wollte keine Fehler machen. Nicht an diesem Tag, der ein "besonderer ist für mich". Und deshalb grüßte er mit einem fröhlichen "Buenos tardes a todos" in die Runde, sprach dann aber lieber auf Deutsch weiter. Über seine Gefühle, über Real Madrid , über seinen bis 2022 verlängerten Vertrag, der im Jahr mit angeblich 20 Millionen Euro brutto honoriert wird.

Das Spanische zu verstehen, versicherte er, "klappt schon ganz gut. Auch das Sprechen fällt mir immer leichter", vor allem, wenn es um Fußball gehe. "Aber gerade an so einem Tag will man auch nichts Falsches sagen, wenn man sich nicht 100 Prozent sicher fühlt." Er werde aber bald mal ein Interview auf Spanisch im vereinseigenen Fernsehen geben.

Da saß Kroos also, gekleidet in einen dunkelblauen Anzug, weißes Hemd, dunkelblaue Krawatte. Er sah aus und klang wie ein Geschäftsmann, der gerade das Geschäft seines Lebens abgeschlossen hat. Umgerechnet 2283 Euro pro Stunde wird er bis zum Ende seines Sechsjahres-Vertrages kassieren. Bei Real wird er hinter Cristiano Ronaldo zum bestverdienenden Spieler: Der Portugiese bekommt angeblich 18 Millionen netto pro Jahr.



Aber über Geld redet man nicht. Deshalb sagte Kroos vor allem, wie wunderbar das alles sei bei Real. "Ich bin sehr glücklich beim besten und größten Verein der Welt", versicherte er. Er habe schon zwei tolle Jahre in Madrid gehabt, nun hoffe er, "dass ich noch viele weitere habe". Es sollen sechs werden, er habe sich das gewünscht, der Verein habe sich das gewünscht. Ob er vielleicht für immer bei Real Madrid bleiben werde, wollten die Spanier wissen. Vielleicht gehe er bei Real in Rente, erwiderte Kroos, wenn der neue Vertrag auslaufe, sei er ja schon 32 Jahre alt. Und weil er mal "auf einem absoluten Top-Niveau aufhören will", müsse er sich schon überlegen, ob und wie es nach 2022 weitergehe, denn das Top-Niveau "kann ich mir mit 36 nicht mehr vorstellen".

Zunächst aber genießt er eine Wertschätzung, die ihresgleichen sucht. "Ich habe mich vom ersten Tag in Madrid sehr wohl gefühlt", erzählte Kroos, "und ich bin sehr froh, dass Real es mehr als genauso gesehen hat". Vor zwei Jahren sahen sie beim FC Bayern alles ein bisschen anders - ein Irrtum.

Neben Kroos saß ein stolzer Emilio Butragueno, Ikone der Königlichen, Direktor für internationale Beziehungen des Clubs. Kroos werde bewundert, sagte "El Butre" (der Geier) mit ein wenig Pathos in der Stimme. Ein Kommentator des Vereins-Senders sagte: "Kroos ist der unsichtbare Meister, der Chef im Schatten." Und: "Er ist so unauffällig, aber so immens wichtig wie der Reis in der Paella."