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Fußball
Videobeweis sorgt für eine Revolution

Zürich. Die Regelhüter des Weltfußballs entscheiden über die Aufnahme ins Regelwerk. Die Statistik spricht dafür.

Die Regelhüter des Weltfußballs, also die Vertreter des International Association Football Boards (IFAB), treffen an diesem Samstag in Zürich eine wegweisende Entscheidung. Nach mehreren Monaten Testphase dürfte der Videobeweis in die Fußball-Regeln aufgenommen werden. Die SZ beantwortet die wichtigsten Fragen.

Wer oder was ist eigentlich das International Football Association Board?

Das IFAB wurde bereits 1886 von den britischen Fußball-Verbänden gegründet, die sich als Hüter und Entwickler der Fußball-Regeln verstanden. Der erst später gegründete Weltverband Fifa wurde 1913 in das Gremium integriert. Die vier britischen Verbände aus England, Wales, Schottland und Nordirland haben je einen Sitz, die Fifa stellt vier stimmberechtigte Vertreter, die jedoch traditionell en bloc abstimmen. Für Änderungen im Regelwerk sind mindestens sechs von acht Stimmen notwendig. Lange galt das IFAB gerade unter der Führung des damaligen Fifa-Chefs Joseph Blatter als konservativ. Mittlerweile zeigt man sich beim IFAB unter dem neuen Fifa-Chef Gianni Infantino aber für Änderungen offen.



Was entscheidet das IFAB jetzt?

Nach fast einem Jahr intensiven Probelaufs beraten die Regelhüter über die Ergebnisse der Testphase des Videobeweises in vielen Ländern. Letztlich geht es darum, ob die Möglichkeit des Videobeweises in die Fußball-Regeln aufgenommen wird oder nicht. Die heftigen Diskussionen in der Bundesliga werden bei der Sitzung in Zürich nur eine Randerscheinung sein, wenn überhaupt. Strittige Einzelfälle sind aus Sicht der Entscheider ärgerlich, aber in der Summe aller Eingriffe der Video-Schiedsrichter marginal. Bislang sind technische Hilfsmittel jenseits der Torlinientechnik im Regelwerk nicht vorgesehen.

Wo liegen die Tücken des Videobeweises?

Der Videobeweis ist das große Aufreger-Thema der laufenden Bundesliga-Saison: Wirrwarr für die Fans, Unklarheit bei den Spielern und erboste Trainer wie Funktionäre. Die Entscheidungen der Video-Referees aus einem Kellerraum in Köln wirkten nicht stringent. Auch beim Confederations Cup ging schon vieles Durcheinander, als Schiedsrichter und Videoassistenten sich offenbar sprachlich nicht verständigen konnten. Wichtig ist eine klare Beschränkung auf vier Spielszenen: Torentscheidung, Rote Karte, Abseits und Spielerverwechslung sowie die klare Beschränkung auf einen Eingriff des Videoassistenten bei offensichtlichen Fehlentscheidungen.

Was spricht überhaupt für den Videobeweis?

Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge warb diese Woche nochmals für den Videobeweis. Er mache das Spiel „besser, seriöser und fairer“. Die Statistiken des IFAB geben ihm recht. 98,8 Prozent aller Entscheidungen seien korrekt, hieß es in einer Zwischenauswertung. Auch Infantino pocht auf das Argument einer höheren Gerechtigkeit, doch möglicherweise gibt es auch monetäre Aspekte. Fifa-Marketingchef Philippe Le Floc’h deutete beiläufig an, dass man mit Technologieunternehmen in Gesprächen über eine Vermarktung der Technikentwicklung sei.

Wird der Videobeweis zur Pflicht?

Davon ist nicht auszugehen. Der Einsatz von Videoreferees wäre in vielen Ländern personell wie strukturell schwierig umzusetzen. Vermutlich wird das IFAB ein generelles Ja für die technische Hilfe aussprechen, die Umsetzung dann aber den einzelnen Verbänden überlassen. So könnte Fifa-Chef Infantino sein Projekt bei der WM zum Einsatz bringen, Skeptiker wie Uefa-Boss Aleksander Ceferin hingegen für die Champions League die weiteren Entwicklungen abwarten.

Wann fällt die Entscheidung über einen WM-Einsatz?

Das dürfte schnell gehen. Auf der (noch nicht veröffentlichten) Agenda des Fifa-Councils am 15. und 16. März in Bogota steht das Thema.

Wie verhält sich der deutsche Fußball in der Frage?

Der DFB musste im Testlauf ordentlich nachjustieren. Schiedsrichter-Leiter Hellmut Krug verlor sogar seinen Posten, weil Kommunikationsdefizite offenbart wurden. Seither läuft das Projekt besser, die deutschen Spitzenfunktionäre sprechen sich für eine generelle Einführung in der Bundesliga aus. DFL-Chef Christian Seifert wünscht sich den Videoreferee auch in der 2. Liga. Im Pokal dürfte der Videobeweis nicht von der ersten Runde an angewendet werden, aber spätestens ab dem Achtelfinale wie in dieser Saison.