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Formel 1
Vettel kann doch noch gewinnen

 Der Sieg beim Grand Prix von Brasilien war Balsam auf die Seele von Sebastian Vettel. Der Ferrari-Star stand diesmal ohne Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton auf dem Podium. Der Brite wurde trotz Aufholjagd nur Vierter.
Der Sieg beim Grand Prix von Brasilien war Balsam auf die Seele von Sebastian Vettel. Der Ferrari-Star stand diesmal ohne Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton auf dem Podium. Der Brite wurde trotz Aufholjagd nur Vierter. FOTO: dpa / Andre Penner
Sao Paulo. Der Ferrari-Star feiert in der Formel 1 den ersten Sieg seit Juli. Weltmeister Hamilton landet in Sao Paulo auf Platz vier.

Mit ein paar Freudendrehern und qualmenden Reifen nach dem Sieg in Brasilien verdrängte Sebastian Vettel für den Augenblick seinen Frust über den verlorenen Formel-1-Titel. Dank seines fünften Saisonerfolgs in Sao Paulo vor Mercedes-Rivale Valtteri Bottas ist der Ferrari-Star der Vize-Weltmeisterschaft ganz nah. Die große Show im Rennen gestern Abend auf dem Autódromo José Carlos Pace lieferte allerdings Weltmeister Lewis Hamilton, der zwei Wochen nach seinem vorzeitigen WM-Triumph aus der Boxengasse noch auf Rang vier hinter Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen raste.

„Es war hart in den letzten Wochen, das tut dem Team hier und in Maranello gut“, sagte Vettel nach dem 47. Grand-Prix-Sieg seiner Karriere. Seit Ende Juli und seinem Erfolg in Ungarn hatte der Hesse nicht mehr als Erster die Ziellinie überquert und zuletzt durch Pech und Pannen seine Titelchance im Duell mit Hamilton verspielt.

So bleibt dem 30-Jährigen bis zum Saisonfinale Ende November in Abu Dhabi nur noch der Kampf um den Vize-WM-Titel gegen Bottas, auf den er nun 22 Punkte Vorsprung hat. Schon Rang acht in zwei Wochen reicht Vettel, um dieses Minimalziel zu erreichen. „Ich bin sehr enttäuscht, ich habe das Rennen gleich am Start verloren“, sagte Bottas.



Für Mercedes hatte das Brasilien-Wochenende mit einem Schockmoment begonnen. Ein Kleinbus mit Mechanikern des Teams wurde nahe an der Strecke überfallen. Dann krachte Hamilton in der ersten Qualifikationsrunde nach seinem Titelgewinn auch noch in die Streckenbegrenzung und schied aus. Dennoch stand ein Silberpfeil am Start ganz vorn, weil Bottas in letzter Sekunde noch Vettel die Pole Position weggeschnappt hatte.

Als die Roten Ampeln erloschen, zwängte sich Vettel allerdings schon nach wenigen Metern am Finnen vorbei und übernahm die Führung. Dahinter gab es reichlich Blechschäden. Für Force-India-Pilot Esteban Ocon, Haas-Fahrer Kevin Magnussen und Stoffel Vandoorne im McLaren war das Rennen nach Unfällen schnell vorbei. Der wegen eines getauschten Motorenteils strafversetzte Daniel Ricciardo musste wegen eines demolierten Red Bull einen frühen Stopp einlegen und rutschte ans Ende des Feldes. Das Safety-Car rückte aus.

Nach dem Neustart verteidigte Vettel souverän Platz eins. Für die meiste Unterhaltung sorgte jetzt Hamilton, der schon nach acht Runden vom letzten auf den zehnten Platz gestürmt war. Der Brite nutzte den Vorteil eines ganz frischen Motors, den sein Team ihm nach dem Quali-Fauxpas eingebaut hatte. Die daraus folgende Startplatzstrafe fiel nicht ins Gewicht, da Hamilton ja ohnehin ganz hinten gestanden hätte. So schienen dem 32-Jährigen die Überholmanöver fast spielend leicht zu fallen. „Unglaublich“, kommentierte auch Reifenhersteller Pirelli via Twitter die Aufholjagd des Champions.

Als Hamilton nach 18 Runden bereits Sieber war, fragte er via Boxenfunk sogar nach seinem Rückstand auf Spitzenreiter Vettel. Der Ferrari-Star konnte sich vorne nicht entscheidend von Bottas absetzen, sein Vorsprung blieb innerhalb von nur zwei Sekunden. Dies eröffnete Mercedes taktische Möglichkeiten, zumal sich Hamilton kurz vor der Phase der Reifenwechsel schon auf Platz fünf verbessert hatte.

Nach Runde 27 kam dann Bottas als Erster aus der Spitzengruppe an die Box, eine Runde später folgte Vettel. Es reichte gerade so für den Deutschen, um vor dem Finnen zu bleiben. Führender aber war nun vorerst Hamilton dank seines brillanten Ritts durch das Feld. Der Silberpfeil-Pilot hielt trotz seiner deutlich älteren Reifen die Verfolger um Vettel souverän auf Distanz, ehe er nach 43 Runden selbst an der Garage vorfuhr und vorerst auf Platz fünf zurückfiel.

Auch danach richteten sich alle Blicke weiter auf Hamilton, der nun mit den frischen und schnelleren Reifen das Spitzen-Quartett jagte. Schon 2009 hatte er in Brasilien eine ähnliche Schau geboten, als er von Rang 17 noch auf Platz drei fuhr. Das Podium hatte er nach 59 Runden wieder im Visier, nachdem er fast mühelos auch Max Verstappen im Red Bull passiert hatte. Doch am Ende kam Hamilton einfach nicht mehr an Räikkönen vorbei, so dass der Weltmeister diesmal ganz vorne fehlte.