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"Vereine zeigen kein großes Interesse"

Zweibrücken. Zum Auftakt der Fußballturniere der Schiedsrichtervereinigung Pirmasens-Zweibrücken wird am Dienstag, 27. Dezember, in der Westpfalzhalle auch die Futsal-Kreismeisterschaft ausgespielt. Merkur-Sportredakteur Werner Kipper sprach im Vorfeld mit dem 32-jährigen Futsal-Beauftragten des Kreises, Marco Kochert aus Pirmasens, über den Wettbewerb

Zweibrücken. Zum Auftakt der Fußballturniere der Schiedsrichtervereinigung Pirmasens-Zweibrücken wird am Dienstag, 27. Dezember, in der Westpfalzhalle auch die Futsal-Kreismeisterschaft ausgespielt. Merkur-Sportredakteur Werner Kipper sprach im Vorfeld mit dem 32-jährigen Futsal-Beauftragten des Kreises, Marco Kochert aus Pirmasens, über den Wettbewerb.

Fußball-Turniere nach den Fifa-Regeln Futsal werden seit einigen Jahren angeboten. Warum ist bisher der Durchbruch auch in Ihrem Kreis nicht gelungen?

Marco Kochert: Die Frage ist ganz einfach zu beantworten: Bisher haben sich viele Vereine letztlich noch nicht mit Futsal beschäftigt, und demzufolge krankt daran auch das allgemeine Interesse.



Geht durch das Futsal-Regelwerk nicht etwas an der Spontanität des Fußballspiels verloren? Fühlen sich die Spieler zu sehr reglementiert?

Kochert: Das denke ich nicht. So groß ist der Unterschied zum normalen Hallenfußball nicht. Mit dem sprungreduzierten Ball halte ich Futsal für ein dynamisches und schnelles Spiel, das aber wiederum ausgeprägte technische Fertigkeiten verlangt. Ohne den Spielern zu nahe zu treten, gibt es dabei einige Schwierigkeiten.

Wird beim Futsal die Verletzungsgefahr eingedämmt, da das Zweikampfverhalten gewissen Einschränkungen unterliegt?

Kochert: Auf jeden Fall, da Tacklings und die Grätsche am Mann verboten sind. Dadurch ist das Verletzungsrisiko weitaus geringer als bei den normalen Turnieren.

Was hat Sie bewogen, Futsal-Beauftragter des Kreises Pirmasens-Zweibrücken zu werden?

Kochert: Im Kreissportausschuss wurden im vergangenen Jahr Leute für diese Aufgabe gesucht, weil viele Funktionäre bereits zwei- und dreifach belastet sind. Als mich der Spielleiter der Kreisklasse West und stellvertretende Kreisvorsitzende, Edgar Wallitt, mich angesprochen hat, habe ich die Aufgabe im November des vergangenen Jahres übernommen.

Worin besteht Ihre Hauptaufgabe in der Hallensaison? Wie viele Turniere werden nach Futsal-Regeln durchgeführt?

Kochert: Die Hauptaufgabe in der Hallensaison besteht darin, eine Kreismeisterschaft im Futsal auszutragen. Daran schließt sich eine Südwestmeisterschaft an, für die sich die jeweiligen Kreismeister, im vergangenen Jahr war es der SV Herschberg, qualifizieren.

Der DFB ist ein Verfechter des Futsal, das seinen Ursprung in Südamerika hat. Was sind für Sie die Vorteile dieses Spiels?

Kochert: Die Vorteile des Futsal liegen in der Schnelligkeit, in der die Spiele abgewickelt werden müssen. Bei den Spielen ohne Bande wird der Ball eingekickt. Zugleich werden hohe technische Fertigkeiten von den Spielern verlangt. Dadurch ist gewährleistet, dass nur die technisch versiertesten Mannschaften Chancen auf den Sieg haben.

Was sind die größten Vorbehalte bei den Vereinen?

Kochert: Ich habe den Eindruck, dass die Abneigung gegen Futsal langsam bröckelt. Auch bei den normalen Turnieren verzichten schon viele Spieler auf das Grätschen, um Verletzungen zu vermeiden.

Warum werden die Stadt- und Kreismeisterschaften nach den "alten Regeln" durchgeführt?

Kochert: Die Vereine äußern immer wieder den Wunsch, nach den ursprünglichen Regeln zu spielen. Es gibt aber noch viele Spieler und Trainer, aber vor allem die Zuschauer, für die das körperbetonte Spiel zum Hallenfußball dazugehört. Außerdem befürchten sie, dass unterklassige Mannschaften beim Futsal weniger Chancen haben, zu gewinnen, da sie den höherklassigen Mannschaften meist technisch unterlegen sind und dieses Defizit über den kämpferischen Einsatz ausgleichen können.

Beim Futsal sind zwei Schiedsrichter im Einsatz. Erhöht dies den finanziellen Aufwand, den die Vereine betreiben müssen?

Kochert: Die Vereine müssen bei den Futsal-Turnieren nicht tiefer in die Tasche greifen. Der Südwestdeutsche Fußball-Verband deckt die zusätzlichen Kosten pauschal mit 90 Euro pro Turnier ab.

Wie fühlen Sie sich als Futsal-Fan-Beauftragter? Kommen Sie sich nicht teilweise wie ein Prediger in der Wüste vor, der gebetsmühlenartig die Vereine zu überzeugen versucht?

Kochert: Sicher ist es nicht immer eine leichte Aufgabe, wie ich in den bisherigen 13 Monaten meiner Tätigkeit festgestellt habe. Allerdings werde ich nicht müde, die Vereine weiterhin von den Vorteilen des Futsal zu überzeugen. Da muss ich noch dicke Bretter bohren, bis ich noch mehr Befürworter für das Futsal gewonnen habe. Manche Vereine sind nicht von heute auf morgen zu überzeugen.

Der Südwestdeutsche Fußball-Verband spielt eine Futsal-Meisterschaft aus. Warum ist die Resonanz der Vereine so gering?

Kochert: Wie schon erwähnt, befassen sich viele Vereine noch nicht so intensiv mit den Futsal-Vorgaben. Hinzu kommt, dass sich viele Termine mit den üblichen Turnieren überschneiden. Außerdem sind zwischen Weihnachten und Neujahr viele Spieler in Urlaub. Deshalb habe viele Vereine zu den Kreismeisterschaften am kommenden Dienstag keine Zusage gegeben.

Die SG Rieschweiler gehörte jahrelang zu den führenden Vereinen im Futsal beim SWFV. Jetzt schicken Sie nicht einmal eine Mannschaft zur Kreismeisterschaft. Welche Vereine sind derzeit führend in diesem Wettbewerb und warum?

Kochert: Die SG Rieschweiler, die sich vor zwei Jahren die Kreismeisterschaft unter Trainer Tobias Weis gesichert hatte, hatte eigentlich schon zugesagt. Doch dann musste der Landesliga-Tabellenführer seine Teilnahme wieder absagen, da erstens viele Spieler in der Winterpause in Urlaub sind und zweitens bereits am Mittwoch das Verbandsgemeinde-Turnier in Thaleischweiler-Fröschen beginnt, bei dem die SGR ihren Titel verteidigen will. Führende Mannschaften gibt es im Kreis Pirmasens/Zweibrücken eigentlich nicht, da von Jahr zu Jahr andere Mannschaften in Erscheinung treten. So wird es in diesem Jahr einen anderen Kreismeister geben, da Titelverteidiger Herschberg überhaupt nicht am Start ist. Favorit ist für mich in diesem Jahr der Verbandsligist SV Hermersberg, wenngleich am Wochenende der Trainer des Schlusslichtes, Andreas Langer, sein Amt niedergelegt hat. Zu den Titelanwärtern zählt für mich auch der FC Fehrbach, der in der Bezirksklasse punktgleich mit Tabellenführer Bundenthal an zweiter Stelle liegt.

Foto: Vollmar

Hintergrund

Futsal unterscheidet vom Hallenfußball vor allem durch die fehlende Bande. Futsal ist die offizielle Form des Fußballs in der Halle nach den Statuten der FIFA. Es wird generell mit fünf Spielern auf Handballtore mit einem sprungreduzierten Ball mit weniger Druck gespielt. Gewechselt werden darf unbegrenzt und fliegend. Der Einwurf ist durch den Einkick ersetzt, die Spielzeit beträgt zweimal 20 Minuten. red