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Veh entlastet - oder entmachtet

 Dieter Hoeneß soll die Wolfsburger wieder auf die Überholspur bringen. Foto: dpa
Dieter Hoeneß soll die Wolfsburger wieder auf die Überholspur bringen. Foto: dpa
Wolfsburg. Ein Strategiewechsel soll den deutschen Fußball-Meister VfL Wolfsburg zurück in die Erfolgsspur bringen

Wolfsburg. Ein Strategiewechsel soll den deutschen Fußball-Meister VfL Wolfsburg zurück in die Erfolgsspur bringen. Die Verpflichtung von Dieter Hoeneß als Vorsitzender der Geschäftsführung ist faktisch eine Entmachtung von Trainer Armin Veh und bedeutet auch die Abkehr vom "Modell Felix Magath", der als Trainer, Sportdirektor und Geschäftsführer in Personalunion den Werksclub zum Titel geführt hat. Die neue Konstellation soll aber nach den Vorstellungen von Geldgeber VW eine Entlastung für Veh bewirken, der sich nun stärker als bisher auf seine Trainer-Tätigkeit konzentrieren kann. "Vom Typus her kann das eine tolle Doppelspitze werden", urteilte der bisherige VfL-Geschäftsführer und Veh-Partner Jürgen Marbach über das neue Duo Veh/Hoeneß. "Sie werden sich perfekt ergänzen." Marbach wird am 15. Januar seinen Stuhl räumen, wenn der frühere Hertha-Manager seine dritte Bundesliga-Dienststelle nach Stuttgart und Berlin in Wolfsburg antritt. "Für mich wären nur wenig spannende Themen übrig geblieben", sagte Marbach zu seinem Rückzug. Veh hatte sich zumindest in der Öffentlichkeit bis zuletzt gegen einen Sportdirektor ausgesprochen. Mit den Sätzen "Dann hätte ich ja total die Hosen unten. Das geht doch nicht, das muss doch jedem klar sein" irritierte er am vergangenen Donnerstag die mächtigen VW-Bosse. Die hatten sich schon seit mehreren Wochen um Dieter Hoeneß und um eine Erweiterung der Führungsstruktur bemüht, wollten aber weiterhin auch an Veh als Trainer, Sportdirektor und Geschäftsführer festhalten. Nach einem langen Telefonat mit dem jüngeren der Hoeneß-Brüder vollzog Veh eine öffentliche Kehrtwende. "Wir haben über unsere Zusammenarbeit gesprochen. Und ich kann sagen, dass ich überzeugt bin, dass sie zum Wohle des VfL sein wird", teilte der Coach mit. Urlauber Hoeneß haute aus Kitzbühel in die gleich Kerbe. "Gemeinsam mit unserem Partner Volkswagen haben wir große Ambitionen. Ich freue mich auf die Kooperation mit dem Aufsichtsrat und Armin Veh." Der Wolfsburger Trainer feierte seinen bisher größten Erfolg 2007 beim VfB Stuttgart, den er mit Sportdirektor Horst Heldt zum Titel führte. Die Zusammenarbeit mit einem starken Mann an seiner Seite ist ihm also nicht fremd, bei seinem Amtsantritt in Wolfsburg soll er nach Informationen der "Wolfsburger Allgemeinen Zeitung" sogar davon ausgegangen sein, nur als Trainer beim VfL zu arbeiten. Ob und wie lange die neue VfL-Doppelspitze funktioniert, hängt vom sportlichen Erfolg der Mannschaft ab. Hoeneß, der einen Dreijahresvertrag erhielt, möchte die Wolfsburger dauerhaft in der Spitzengruppe der Bundesliga etablieren. Das dürfte nach Platz acht in der Hinrunde und dem vorzeitigen Aus in DFB-Pokal und Champions League in dieser Saison schwer genug werden. dpa