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Usain Bolt hat endlich einen Gegner

 Er ist der schnellste Mann der Welt - Usain Bolt. Doch ein Selbstläufer wird das Rennen über 100 Meter auch für ihn nicht. Denn die Konkurrenz ist groß. Foto: Franck Robichon/dpa
Er ist der schnellste Mann der Welt - Usain Bolt. Doch ein Selbstläufer wird das Rennen über 100 Meter auch für ihn nicht. Denn die Konkurrenz ist groß. Foto: Franck Robichon/dpa
Stell' dir vor, es ist ein 100-Meter-Rennen - und Usain Bolt ist nicht der Favorit. Das Rennen, auf das die Sportwelt wartet und das an diesem Sonntag um 22.50 Uhr im Olympiastadion von London über die Bühne geht, hat schon im Vorfeld das Zeug zum Klassiker. Und findet unter völlig anderen Voraussetzungen statt, als es sich Sprint-Star Usain Bolt sicher gewünscht hatte Von Merkur-Mitarbeiter Mark Weishaupt

Stell' dir vor, es ist ein 100-Meter-Rennen - und Usain Bolt ist nicht der Favorit. Das Rennen, auf das die Sportwelt wartet und das an diesem Sonntag um 22.50 Uhr im Olympiastadion von London über die Bühne geht, hat schon im Vorfeld das Zeug zum Klassiker. Und findet unter völlig anderen Voraussetzungen statt, als es sich Sprint-Star Usain Bolt sicher gewünscht hatte.Es ist, als wäre es gerade gestern gewesen, als der Jamaikaner bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking die Glanzlichter setzte. Drei Starts, drei Goldmedaillen, drei Weltrekorde. Einen davon, den über 100 Meter, sogar mit einem offenen Schnürsenkel. Ein Jahr später, bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften, schwebte "Lightning Bolt" ("Blitz-Bolt") über die blaue Tartanbahn von Berlin allen Konkurrenten meilenweit davon und holte sich wieder drei Goldmedaillen und zwei Weltrekorde.

Es gab nur zwei Gegner für Bolt - die Zeit und er selbst. Und Bolt schlug sich erstmals selbst, als er 2011 bei der WM im südkoreanischen Daegu im 100-Meter-Finale einen Fehlstart fabrizierte und disqualifiziert wurde. Mit den Siegen über 200 Meter und mit der jamaikanischen Sprintstaffel rehabilitierte er sich. Doch der Nimbus der Unbesiegbarkeit ist dahin. Und das könnte auch der Grund sein, warum die anderen Topsprinter plötzlich Morgenluft wittern. Jahrelang waren sie Statisten, jetzt sind sie zu ernst zu nehmenden Konkurrenten geworden, die Bolt schon das ganze Jahr unter Druck setzen.

Als da wären: Tyson Gay, USA, Weltmeister 2007, Jahresbestzeit 9,86 Sekunden. Keston Bledman, neues Sprint-Ass aus Trinidad and Tobago, Bestzeit 9,86 Sekunden. Asafa Powell, Jamaika, Ex-Weltrekordler, Bestzeit 9,85 Sekunden. Justin Gatlin, USA, Olympiasieger 2004, Weltmeister 2005, vier Jahre wegen Dopings gesperrt, Bestzeit 9,80 Sekunden. Und nicht zu vergessen der Mann, der Usain Bolt in diesem Jahr als einziger besiegt hat: Sein Landsmann Yohan Blake, 22 Jahre alt, Weltmeister 2011 und in der Form seines Lebens. Er schlug Bolt bei den jamaikanischen Trials in 9,75 Sekunden. Kein Zufall, wie er einen Tag später bei seinem erneuten Sieg gegen Bolt über 200 Meter bewies.



All das ficht Bolt nicht an. Jedenfalls behauptet er das. Er präsentiert sich betont locker, lässt sich im olympischen Dorf in der Kantine fotografieren, schreibt Autogramme.

Und wie es sich für echte 100-Meter-Protagonisten gehört, klopft er große Sprüche. "Das wird der Augenblick, in dem ich den Rest der Welt hinter mir lasse", polterte er in einem Interview der britischen Tageszeitung "The Guardian", "eine Menge Legenden und viele Leute sind vor mir gekommen. Aber das ist jetzt meine Zeit".

Yohan Blake, der als jüngster Sprinter im Alter von 19 Jahren und 197 Tagen die 100 Meter unter zehn Sekunden lief und mit Bolt in der gleichen Trainingsgruppe ist, gibt sich da deutlich zurückhaltender. "Es wird ein großartiges Rennen werden, und ich bin einer der Wettkämpfer", sagte der Jamaikaner ganz bescheiden bei einer Pressekonferenz in London. Nicht nur einer der Wettkämpfer - sondern diesmal sogar der Favorit. Foto: Dpa