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Frauenfußball
Trump sorgt für Unruhe vor dem Topspiel

 Megan Rapinoe (links, hier mit Kollegin Lindsey Horan) ist der unbestrittene Star im US-Team.
Megan Rapinoe (links, hier mit Kollegin Lindsey Horan) ist der unbestrittene Star im US-Team. FOTO: AP / Alessandra Tarantino
Paris. US-Präsident greift Superstar Rapinoe vor dem WM-Duell mit Frankreich an: „Erst gewinnen, dann reden.“ sid

Die Höhenluft in der Air Force One machte Donald Trump offenbar müde. Die berüchtigten Twitter-Daumen des US-Präsidenten regten sich auf dem Weg zum G20-Gipfel in Osaka kaum – Megan Rapinoe wurde im Gegensatz zu Indien (angeblich zu hohe Zölle) jedenfalls verschont. Doch der Konflikt zwischen Trump und der regierungskritischen Spielführerin der US-Fußballerinnen ist ganz sicher noch nicht ausgestanden.

Spätestens nach der WM-Endrunde, bei der die Topfavoritinnen aus den USA an diesem Freitag im Viertelfinale in Paris auf Gastgeber Frankreich treffen (21 Uhr/ZDF und DAZN), wird es hoch hergehen. Anlass für den öffentlich ausgetragenen Streit war die Ankündigung Rapinoes, im Falle des WM-Triumphs „garantiert nicht in das f***ing Weiße Haus zu kommen“.

Trump ließ sich die Vorlage zur Eskalation vor dem Abflug nach Oska nämlich nicht nehmen. Dass er damit für große Unruhe im US-Lager vor dem Frankreich-Spiel sorgte, war ihm egal. „Sie sollte nicht respektlos gegenüber unserem Land, dem Weißen Haus oder unserer Flagge sein, zumal so viel für sie und ihre Mannschaft getan worden ist“, twitterte der 73-Jährige. Rapinoe solle „erst mal gewinnen, dann reden“. „Bisher habe ich sie oder die Mannschaft nicht eingeladen – jetzt tue ich es, ob Sieg oder Niederlage.“



Rapinoe wird der Einladung bestimmt nicht folgen. Die Weltmeisterin und Olympiasiegerin ist eine bekannte Aktivistin gegen Rassismus, Homophobie und Geschlechterdiskriminierung. Die 33-Jährige war die erste weiße Person und die erste Frau, die sich 2016 dem „Knie-Protest“ des Football-Quarterbacks Colin Kaepernick gegen Rassismus und Polizeigewalt angeschlossen hat. Sie durfte erst wieder im Nationalteam mitspielen, als sie zustimmte, bei der US-Hymne wieder zu stehen. Sie singt allerdings bis heute aus Protest nicht mit.

Innerhalb ihrer Mannschaft genießt „Pinoe“ großen Rückhalt. „In Bezug auf die Tweets des Präsidenten: Ich weiß, dass Frauen, die Sie nicht kontrollieren oder begrapschen können, Sie ärgern – aber ich stehe zu Rapinoe und werde auch verzichten“, erklärte Mitspielerin Ali Krieger. Die Verteidigerin, die fünf Jahre lang beim 1. FFC Frankfurt spielte und mit Mitspielerin Ashlyn Harris verlobt ist, betonte zudem ihre Ablehnung gegenüber „dieser diskriminierende Regierung“.

Trump behauptete in seinen Tweets, alle Sportmannschaften liebten es, ins Weiße Haus zu kommen. Es gibt jedoch Gegenbeispiele: Die Basketballer der Golden State Warriors verzichteten nach dem NBA-Titel 2018 auf einen Besuch. Die Football-Champions der Philadelphia Eagles wurden von Trump nach einer Hymnen-Kontroverse wieder ausgeladen.

Auch die Fußballerinnen werden dem Präsidenten wahrscheinlich komplett aus dem Weg gehen. Schließlich ist Rapinoe die unangefochtene Anführerin der Nationalmannschaft. Das zeigte sich bereits vor der WM. Als die Kapitänin mit den pinkfarbenen Haaren gemeinsam mit vier weiteren Spielerinnen den eigenen Verband wegen Geschlechterdiskriminierung verklagte und von einem Bundesgericht das Recht auf weitere juristische Schritte erhielt, schloss sich das gesamte Team ihrer Vorkämpferin an.

Diese Geschlossenheit könnte bei der WM am Ende zum großen Trumpf werden. Das Duell mit dem Gastgeber ist für viele Franzosen das vorweggenommene Endspiel. „Wir wollen bis zum Ende im Turnier bleiben“, sagt Star-Verteidigerin Wendie Renard von Olympique Lyon: „Also müssen wir die USA schlagen. Es wird ein harter Kampf, aber wir sind bereit.“