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Tennis
Tristesse auch in Luxemburg

 Kein Selbstvertrauen, keine Siege – keine Siege, kein Selbstvertrauen. So läuft das Tennis-Jahr von Angelique Kerber
Kein Selbstvertrauen, keine Siege – keine Siege, kein Selbstvertrauen. So läuft das Tennis-Jahr von Angelique Kerber FOTO: dpa / Shizuo Kambayashi
Luxemburg. Beim deutschen Tennis-Star Angelique Kerber läuft es nicht in diesem Jahr.

Angelique Kerber wollte nur noch weg. Genervt flüchtete die topgesetzte Kielerin nach der jüngsten Enttäuschung vom Centre Court im CK Sportcenter des Großherzogtums Luxemburg. Ihre neunte Auftaktniederlage 2017 musste der zweimaligen Grand-Slam-Siegerin vorgekommen sein wie ein Abriss ihrer verkorksten Saison. Tristesse im Zeitraffer sozusagen.

87 Minuten, vereinzelte Lichtblicke, aber auch viele vergebene Chancen – und am Ende stand um halb zwölf in der Nacht auf Dienstag in der Ortschaft Kockelscheuer ein 3:6, 4:6 in der Neuauflage des olympischen Finals von 2016 gegen Monica Puig. Die Puerto-Ricanerin ist in der Weltrangliste 58 Ränge hinter Kerber (Nr. 11) platziert.

Auch Boris Becker scheint die andauernde Krise der Kielerin zu beschäftigen. Der Head of Men‘s Tennis im DTB appellierte deshalb erneut an die 29-Jährige. „Ich würde mir wünschen, dass Angelique ein paar Sätze mit Steffi Graf wechselt“, sagte Becker, und das sogar schon wenige Stunden vor Kerbers jüngstem Rückschlag. Vor ein paar Wochen hatte er bereits angeregt, dass Kerber den Kontakt zur Tennis-Ikone wieder aufnehmen solle. Zwecks Hilfestellung in einer vertrackten Situation, die man kurz und bündig so zusammenfassen könnte: kein Selbstvertrauen, keine Siege – keine Siege, kein Selbstvertrauen.



„Es wäre deshalb in der Off-Season ein kluger Schritt, vielleicht sogar mal zu Steffi nach Las Vegas zu reisen und eine Woche mit ihr zu verbringen. Angie müsste dabei den ersten Schritt machen“, meinte Becker jüngst. In der Vergangenheit hatte sich Kerber schon vereinzelt Ratschläge von Graf geholt. „Ich glaube, Steffi würde gerne helfen, ohne dass es jemand mitbekommt“, sagte Becker.

Kerber darf trotz des frühen Ausscheidens in Luxemburg auf die Qualifikation für die WTA Elite Trophy in Zhuhai (30. Oktober bis 5. November) hoffen, die das Saisonende beschließt. In der chinesischen Touristenstadt sind zwölf Teilnehmerinnen am Start. Und zwar die elf Profis, die am Stichtag (25. Oktober) in der Race-Wertung auf Rang neun bis 19 notiert sind – plus entweder die Nummer 20 oder eine Spielerin mit Wildcard. Kerber ist in der Saison-Wertung derzeit die Nummer 18. In Luxemburg hatte sie sich vor ihrem Auftaktmatch und mit Blick auf die letzten Herausforderungen gewünscht, „das Jahr erfolgreich abzuschließen“.

Andrea Petkovic, Sabine Lisicki und Carina Witthöft kämpften sich dagegen ins Achtelfinale. Witthöft zog gestern nach einem 6:2, 6:3 gegen die Russin Jewgenija Rodina sogar ins Viertelfinale ein. Dort trifft sie auf Kiki Bertens aus den Niederlanden, die gegen Petkovic weiterkam. Die Deutsche musste beim Stande von 2:6, 1:2 aufgeben.

Nachdem sie sich zuvor gegen die Rumänin Mihaela Buzarnescu 7:6 (7:3), 7:6 (7:4) durchgesetzt hatte, scheiterte Lisicki in ihrem Achtelfinale trotz Matchbällen noch mit 6:4, 5:7, 3:6 an der britischen Qualifikantin Naomi Broady.