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Profis büffeln
Trainer-Ausbildung statt Regionalliga-Fußball

 Via Skype bespricht Verbandstrainerin Margret Kratz das Ausbildungsprogramm mit Daniel Batz, dem Torhüter des Fußball-Regionalligisten 1. FC Saarbrücken. Die Trainer-Ausbildung läuft aktuell nur online.
Via Skype bespricht Verbandstrainerin Margret Kratz das Ausbildungsprogramm mit Daniel Batz, dem Torhüter des Fußball-Regionalligisten 1. FC Saarbrücken. Die Trainer-Ausbildung läuft aktuell nur online. FOTO: Andreas Schlichter
Saarbrücken. Mehrere Spieler des 1. FC Saarbrücken, der SV Elversberg und des FC Homburg absolvieren gerade ihren Lehrgang – meist über Skype. Von Patric Cordier

Seit 1997, also seit 23 Jahren schon, ist Margret Kratz leitende Verbands-Sportlehrerin beim Saarländischen Fußball-Verband (SFV). Die Ex-Nationalspielerin und Bundesliga-Spielerin des VfR Saarbrücken hat in ihrem Berufsleben viele hundert Traineraus- und Fortbildungen geleitet. Der aktuell laufende Kurs ist aber in mehrfacher Hinsicht anders als alle zuvor.

„Es ist ein B-Lizenz-Kurs, der sich an Profispieler bis einschließlich Regionalliga richtet“, erzählt die 58-Jährige: „Die Idee dazu war entstanden bei einem Verbandstrainer-Seminar. Da hatten Kollegen berichtet, wie sie derartige Kurse durchführen.“ Dass Skype dabei eine Hauptrolle spielen würde, das gab es aber noch nicht.

Kratz hat 1992 nach Tina Theune als zweite Frau überhaupt die Fußballlehrer-Lizenz erworben. Die Rissenthalerin war die erste Frau, die Männer bis zur B-Lizenz ausbilden durfte. Die Organisation für die Profi-Lehrgänge ist eine gänzlich andere als die bei „normalen“ Kursen. Die sogenannte Präsenzzeit – also die Stundenzahl, die an der Sportschule direkt abzuleisten ist – ist für die Berufsfußballer deutlich geringer als für andere angehende Trainer.



„Geplant waren 80 Einheiten mit Präsenzpflicht geplant, 40 weitere sollten online durchgeführt werden“, erzählt Kratz: „Eigentlich sollten immer die Montage als Anwesenheitstage genutzt werden. Das gestaltete sich wegen Montagsspielen bei den einen und den DFB-Pokalerfolgen bei den anderen eher schwierig.“ Letztlich sollte der 16. März der erste Tag sein, an dem Daniel Batz, Fabian Eisele, Mario Müller und Markus Mendler (alle 1. FC Saarbrücken), Frank Lehmann und Lukas Kohler (beide SV Elversberg) sowie Marcel Carl, Daniel Di Gregorio, Patrick Lienhard, Maurice Neubauer, Sven Sökler, Christian Telsch und Jannik Sommer (alle FC Homburg) erstmals gemeinsam im SFV-Heim im Saarbrücker Stadtwald unterrichtet werden sollten.

„Am 12. März kam aber die Ansage, dass alle Kurse an der Sportschule wegen des Corona-Virus abgesagt sind“, sagt Kratz, die folglich umplanen musste und neue Wege einschlug: „Es gibt ja zahlreiche Unterrichts-Materialien. Also haben wir Einheiten zu den verschiedenen Themenbereichen aufbereitet, die die Teilnehmer nun in Heimarbeit bearbeiten. Die notwendigen Einheiten auf dem Feld und die praktischen Prüfungen wollen wir, wenn es dann möglich ist, im Sommer nachholen.“

Auch für die Teilnehmer eine Umstellung. „Es wäre sicher um einiges spaßiger, wenn wir gemeinsam auf dem Platz stehen würden, statt alleine vor dem Laptop zu sitzen“, sagt FCS-Verteidiger Müller. War es in Kratz’ Anfangszeit für den ein oder anderen Spieler ungewohnt, dass eine Frau das Kommando hat, haben die Profis von heute damit kein Problem mehr. „Das Geschlecht spielt keine Rolle“, betont Müller: „Es geht doch um die Vermittlung von Wissen, da ist es ganz egal, ob da ein Mann oder eine Frau vorne steht – oder wie in unserem Fall vor dem Rechner sitzt.“

Also ist jetzt erstmal büffeln angesagt. „Es gibt ein Portal, in dem täglich Aufgaben eingestellt werden. Die müssen wir bis zum nächsten Tag bearbeiten. Dazu gibt es ausreichend Informations-Material“, erklärt der Homburger Carl den Ablauf. Er hält sich derzeit bei seinen Eltern im Schwarzwald auf. „Es ist aktuell eine gute Ablenkung von der Situation“, sagt der Angreifer, der in die Ausbildung seine eigene Erfahrung miteinfließen lässt: „In Walldorf hatte wir viele gute Übungen im Offensivspiel eins gegen eins. Aus Saarbrücken habe ich viele Übungen fürs Umschaltspiel mitgenommen und in Homburg viel über Gegenpressing gelernt. Ingesamt eine gute Mischung und Grundlage.“

Einmal die Woche findet ein Gruppengespräch mit allen statt, dazu gibt es auch individuelle Rück­meldungen. „Ich bin jetzt nicht so der Technik-Freak, aber mit Skype bekommt das eigentlich jeder hin“, sagt der Elversberger Lukas Kohler: „Wir alle spielen schon so lange Fußball, dass wir das Spiel an sich verstanden haben. Es ist aber schon neu, eine Trainingseinheit zielgerichtet zu planen, den Aufbau zu machen, die richtigen Übungen aussuchen und miteinander zu verbinden.“ Für den 32-jährigen St. Ingberter ist wie für seine Kollegen das Lernen im Internet nicht neu. Kohler steht kurz vor dem Bachelor-Abschluss im Fernstudium Sportbusinessmanagement: „Ich weiß, dass ich nicht mehr ewig Fußball spielen werde, darum ist es gut, sich mehr Möglichkeiten zu verschaffen.“

Kratz ist von ihrem „Online-Kurs“ und den neuen Möglichkeiten sehr angetan. „Sie sind pünktlich, diszipliniert. Auch inhaltlich sehr gut, gerade wenn es um Videoanalysen geht, erkennen sie sehr viel“, sagt die Verbandstrainerin. Mittlerweile hat auch der DFB ein aufmerksames Auge auf den Saarbrücker Skype-Kurs gerichtet. „Wir sammeln in dieser Ausnahmesituation hier viele neue Erfahrungen, von denen andere Landesverbände später dann profitieren könnten.“

Aktuell bietet der SFV unterschiedliche Aus- und Fortbildungen online an. Weitere Infos hierzu auf www.saar-fv.de