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Fußball-Nationalmannschaft
Der Jubilar ist nicht in Weißbier-Laune

Serge Gnabry verlässt gegen die Niederlande den Platz, Thomas Müller (rechts) wird eingewechselt und bestreitet sein 100. Länderspiel.
Serge Gnabry verlässt gegen die Niederlande den Platz, Thomas Müller (rechts) wird eingewechselt und bestreitet sein 100. Länderspiel. FOTO: dpa / Federico Gambarini
Gelsenkirchen. Thomas Müller absolviert sein 100. Länderspiel. Doch beim Neuaufbau des DFB-Teams spielt der Münchner wohl keine Rolle. dpa

Thomas Müller war nicht in Weißbier-Laune. Auf die von Joachim Löw ausgelobte Sonderprämie in Form eines bajuwarischen Kaltgetränks wollte der Münchner nach seinem 100. Länderspiel für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft lieber verzichten. „Es ist die bittere Pille, die ich schlucken muss. Die Kollegen haben mir gratuliert und der Bundestrainer auch. Ich bin hergekommen, um das Spiel zu gewinnen und das Glücksgefühl des Sieges zu erfahren“, sagte der Jubilar. Am Ende blieben im abschließenden Gruppenspiel der Nations League nur die späten Gegentore beim 2:2 gegen die Niederlande haften.

Unter großem Jubel der sonst verhaltenen Deutschland-Fans in der Schalker Arena war Müller beim Stand von 2:0 in der zweiten Halbzeit für Serge Gnabry eingewechselt worden. Die knapp 30 Minuten gegen Oranje waren dann eine Blaupause für sein frustrierendes Länderspiel-Jahr. Müller mühte sich, doch seine Aktionen wirkten unbeholfen und übermotiviert – und waren letztlich glücklos. An die Power und Geschwindigkeit von Gnabry und dessen Angriffskollegen Leroy Sané und Timo Werner kommt Müller nicht heran. Wo er einen Stammplatz im neuen System von Löw finden soll, ist derzeit nicht abzusehen. Die Hoffnung des Bundestrainers beruht darauf, dass Müller in München kollektiv mit dem FC Bayern aus der 2018-Krise findet.

„Das ganze Jahr war nicht das Jahr des Thomas Müller. Er hatte einfach bei den Bayern nicht diese Form, die man aus vergangenen Jahren von ihm kennt“, sagte Löw. Er wollte dennoch die Lebensleistung seines Langzeit-Gefährten hervorheben. „Nichtsdestotrotz sind 100 Länderspiele – und die fast in Serie – eine große Leistung. Das verdient absoluten Respekt“, sagte Löw. Müller ist der sechste 2014-Weltmeister nach Miroslav Klose (137), Lukas Podolski (130), Bastian Schweinsteiger (121), Philipp Lahm (113) und Per Mertesacker (104), der die immer noch magische Marke erreicht hat.



2018 traf Müller im DFB-Trikot nur einmal. Im ersten Länderspiel des Jahres gegen Spanien im März erzielte der 29-Jährige den Ausgleich zum 1:1-Endstand. Danach herrschte Flaute. Schlechter war er nach seinem kometenhaften Aufstieg 2010 nur im Jahr 2012, als kein Tor gelingen wollte, er aber mit sechs Torvorlagen immerhin ein Assist-König war. In diesem Jahr gab er keine einzige Vorlage. Dabei waren WM-Jahre immer Müller-Jahre. In Südafrika wurde er nur vier Monate nach seinem DFB-Debüt WM-Torschützenkönig. 2014 traf er in Brasilien beim WM-Triumph wieder fünf Mal. Nun wirkt Müller wie aus der Zeit gefallen. Löw hält an ihm fest, betont die integrative Funktion des Routiniers für das Teambuilding beim Neuaufbau. „Er gibt viel Energie, führt die jungen Spieler und treibt sie an“, sagte Löw. Für gute Stimmung ist Müller immer noch ein Garant, für außergewöhnliche Leistungen offenbar nicht mehr.