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SV 64 hat in dramatischem Abstiegskrimi das bessere Ende für sich

Aris Wöschler (mit Ball) vergab kurz vor Schluss zwei „Matchbälle“ für den SV 64 – was jedoch letztlich nicht bestraft wurde. Foto: mw/pmz
Aris Wöschler (mit Ball) vergab kurz vor Schluss zwei „Matchbälle“ für den SV 64 – was jedoch letztlich nicht bestraft wurde. Foto: mw/pmz FOTO: mw/pmz
Kornwestheim. Handball-Drittligist SV 64 Zweibrücken ist dem Klassenverbleib am Dienstag ein großes Stück näher gekommen. In einem dramatischen, allerdings auch von Fehlern geprägten Spiel siegten die Löwen mit 24:23 (11:13) beim direkten Konkurrenten Kornwestheim. Christian Gauf

An Dramatik und Emotionalität ist das Drittliganachholspiel der Zweibrücker Löwen beim SV Salamander Kornwestheim am Dienstagabend in der Kornwestheimer Sporthalle Ost nicht zu überbieten gewesen. Denn in dem spannenden, vom Abstiegskampf geprägten Spiel fehlte den Gastgebern am Ende nur der Bruchteil einer Sekunde zum Unentschieden. Die 64er entführten also beim Kontrahenten im Abstiegskampf mit 24:23 (11:13) die beiden so eminent wichtigen Punkte (wir berichteten kurz).

Dabei hatten die 64er 25 Sekunden vor Spielende in Person des Mannschaftskapitäns Aris Wöschler zwei "Matchbälle" vergeben und dem SVK im Schlussspurt wieder zu "etwas Oberwasser" verholfen. Zunächst scheiterte Wöschler mit einem Siebenmeter an Felix Beutel - und kurz darauf parierte der Torhüter der Gastgeber auch Wöschlers Nachwurf mit einem tollen Reflex. Den schnellen Konter der Gastgeber unterband Nils Wöschler kurz nach der Mittellinie, erhielt dafür aber 15 Sekunden vor Spielende eine Zeitstrafe. Gegen die nun in Überzahl angreifenden Kornwestheimer kämpften die Zweibrücker wie die Löwen, warfen sich in die Zweikämpfe - und quittierten quasi mit dem Schlusspfiff erneut eine weitere, ihre insgesamt achte Zeitstrafe. Aris Wöschler musste vom Feld. Was allerdings aus Zweibrücker Sicht in diesem Moment noch mehr schmerzte, war die Tatsache, dass die Schiedsrichter den Zeitnehmer anwiesen, noch zwei Sekunden Restspielzeit einzustellen. Es folgte also kein direkter Freiwurf - der SV Salamander hatte nun sogar die Möglichkeit eines Zuspieles auf den Schützen. Dieses erfolgte auch auf Rückraumkanonier Hendrik Schoeneck. Der Rechtshänder täuschte an und hämmerte den Ball in das von Benni Berz gehütete SV-Tor. Den Gastgeberjubel "erstickte" dann allerdings die Gestik des Zeitnehmers, der darauf aufmerksam machte, dass der Treffer nach dem Spielschluss-Signal ins Zweibrücker Tor gegangen war.

Jetzt jubelten auf der anderen Seite die SVler, die durch die Halle tobten und mit ihrer etwa 25 Mann starken Fangruppe den doppelten Punktgewinn feierten. Die Zweibrücker Fans hatten in der am Dienstagabend mit 360 Zuschauern gefüllten Halle für eine Heimspielatmosphäre der Zweibrücker Löwen gesorgt.

Schon in der ersten Hälfte vergaben die SVler reihenweise klarste Chancen. "Wir spielen gut, müssen nur endlich unsere "big-points" auch machen", stellte SV-Trainer Stefan Bullacher zur Pause fest. Gerade in der Schlussphase der ersten Hälfte hatte es seine Mannschaft immer wieder versäumt, sich näher an die Gastgeber heranzuarbeiten, die zwischenzeitlich mit vier Toren führten. Zumindest auf zwei Tore kamen die 64er im Schlussspurt der ersten Hälfte noch heran, hatten per Tempogegenstoß sogar noch die Chance zum Anschlusstreffer, Patrick Bach vertändelte jedoch den Ball. Beim Stande von 13:11 für die Gastgeber ging es in die Pause.

Nach dem Wechsel zogen die Gastgeber zunächst mit drei Toren davon. Nils Wöschler sorgte dann aber mit einem Doppelschlag in der 37. oder 38. Spielminute für den 15:16-Anschlusstreffer, sein Bruder Aris erzielte in der 47. Spielminute beim 19:19-Zwischenstand erstmals wieder für den Ausgleich. Endlich waren die 64er wieder dran, endlich belohnten sie sich in dieser "Abwehrschlacht" selbst. Drei Minuten später gingen die Zweibrücker Löwen - wieder durch Nils Wöschler - sogar erstmals in diesem spannenden, aber von Fehlern geprägten Spiel selbst in Führung, die Philipp Hammann sechs Minuten vor Spielende sogar zum 22:20-Zwischenstand ausbaute. Diese Führung gaben die 64er nicht mehr her.

Damit gelang es ihnen nicht nur, in der Drittliga-Tabelle den Rivalen TSG Haßloch zu überholen, sie schlossen punktemäßig auch zum Tabellennachbarn Kornwestheim auf, haben zudem im Verhältnis zu beiden Kontrahenten den direkten Vergleich gewonnen, was bei Punktgleichheit am Saisonende von Bedeutung sein würde. Am kommenden Samstag geht das Fernduell im Dreikampf um den letzten Nichtabstiegsplatz der Südstaffel der dritten Liga schon wieder weiter. Da empfangen die Zweibrücker Löwen die Bundesligareserve der Rhein-Neckar-Löwen.

Zum Thema:

Auf einen BlickSV 64 Zweibrücken: Ladi Kovacin und Benedikt Berz (ab der 25.) im Tor - Robin Egelhof 6, Nils Wöschler 7/2, Aris Wöschler 4 - Thomas Zellmer, Benni Zellmer 2 - Jonas Denk - Philipp Hammann 4, Patrick Bach 1, Tim Burkholder, Niklas Bayer, Tom Grieser.Zeitstrafen : 6:16 Min. Siebenmeter: 4/4 - 5/2, Zuschauer: 360, Schiedsrichter: Drechsler/Hutner (Fürstenfeld/Lauben). cg