| 23:06 Uhr

Stolz, aber keine Euphorie

Wolfsburg. Nach dem 2:0-Überraschungssieg gegen Real Madrid darf der VfL Wolfsburg weiter von der Sensation träumen. Doch vor dem möglichen Einzug ins Halbfinale der Champions League steht noch eine Menge Arbeit. Sid-Mitarbeiterdominik Kortus

Die Wolfsburger Fans feierten noch lange nach Abpfiff die magische Europapokal-Nacht, doch ihre Helden gönnten sich nach dem Überraschungscoup gegen das königliche Starensemble von Real Madrid nur einen kurzen Moment der Freude. Die Chance auf das kaum für möglich gehaltene Champions-League-Halbfinale ist plötzlich real - aber auch nach dem 2:0 (2:0) gegen Cristiano Ronaldo , Toni Kroos und Co. herrschte beim VfL noch viel Respekt vor dem schweren Rückspiel.

"Wir sind stolz, aber nicht euphorisch. Wir wissen, dass noch eine ganze Menge Arbeit auf uns zukommt", sagte Weltmeister Julian Draxler nach dem größten Europapokal-Triumph der Vereinsgeschichte. Der 22-Jährige warnte sogar vor einem "bösen Erwachen" am kommenden Dienstag beim spanischen Rekordmeister: "Das ist ein ganz, ganz großer Moment, aber wir dürfen nicht den Fehler machen, uns zu früh zurückzulehnen." Und Maximilian Arnold, Torschütze des zweiten Treffers, ergänzte: "Im Rückspiel müssen wir die Eier zusammenpacken und kompakt stehen. Wir müssen die Kirche im Dorf lassen. Das waren erst 50 Prozent."

Denn die Aufgabe im entscheidenden Spiel wird für die Wolfsburger trotz der nun "sehr, sehr guten Ausgangslage" (Trainer Dieter Hecking ) noch schwer genug. Doch in der Form von Mittwochabend ist dem VfL alles zuzutrauen. Im Gegensatz zu den vergangenen Spielen in der Liga (der VfL ist zuletzt bis auf Platz acht abgestürzt) zeigte das Team, wozu es fähig ist. Vor allem das lange vermisste Kollektiv erinnerte an die so erfolgreiche Vorsaison. Dagegen fand das spanische Starensemble über die gesamten 90 Minuten kein Mittel. "Viele haben gedacht, dass wir eine Klatsche kriegen", sagte VfL-Manager Klaus Allofs auch mit einer gewissen Portion Genugtuung.

Ein weiterer Grund für den Erfolg: Hecking entschied das Trainer-Duell gegen den ehemaligen französischen Weltmeister Zinédine Zidane eindeutig für sich. Mit seinen taktischen und personellen Maßnahmen legte er den Grundstein für den Sieg. Startelf-Debütant Bruno Henrique stellte mit seiner Schnelligkeit auf der rechten Mittelfeldseite den Brasilianer Marcelo immer wieder vor Probleme und leitete zusätzlich das 2:0 ein. Heckings Geheimwaffe funktionierte perfekt. "Er hat eine überragende Leistung gezeigt", sagte der VfL-Trainer über seinen Schützling, der zuvor nur fünf Kurzeinsätze in der Liga aufweisen konnte.

Außerdem ging Hecking das Risiko ein, den in Rekordzeit genesenen Innenverteidiger Naldo nach dessen Schulterverletzung von Beginn an zu bringen. Eine goldrichtige Entscheidung, der Brasilianer räumte gegen Gareth Bale , Karim Benzema und Cristiano Ronaldo ab. "Das Beste daran ist, dass es ein weiteres Match gibt, bei dem wir das gerade biegen können", sagte Bale.

Zum Thema:

Auf einen BlickInternationale Pressestimmen zum Spiel: Marca (Spanien): "Gefressen von Wölfen im Schafspelz. Wolfsburg hat ein nicht wiederzuerkennendes Real gehäutet."El Mundo Deportivo (Spanien): "Desaster, Fiasko, Massaker - jedes dieser Worte ist passend, um das zu beschreiben, was Real in Deutschland passiert ist."AS (Spanien): "Dieses Real ist ein Tango. Heute ein Schwur, morgen ein Verrat." Gazzetta dello Sport (Italien): "Ein galaktisches Wolfsburg erteilt einem Mini-Real zwei schwere Hiebe. Cristiano Ronaldo ? Nein, danke. Draxler ist viel besser."Daily Mail (England): "Real Madrid stürzt wieder auf die Erde: Was für ein Unterschied. In der Volkswagen Arena gab es keine lässigen Kabinen-Selfies."Blick (Schweiz): "Nicht glücklich, sondern verdient." red