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Stoch – der König der Adler

 Skispringer Kamil Stoch (vorne) jubelt mit seinem Adler-Pokal, den er für den Sieg im abschließenden Springen in Bischofshofen erhalten hat. Damit ist der Pole auch der verdiente Gesamtsieger der 65. Vierschanzentournee. Foto: karmann/dpa
Skispringer Kamil Stoch (vorne) jubelt mit seinem Adler-Pokal, den er für den Sieg im abschließenden Springen in Bischofshofen erhalten hat. Damit ist der Pole auch der verdiente Gesamtsieger der 65. Vierschanzentournee. Foto: karmann/dpa FOTO: karmann/dpa
Bischofshofen. Die deutschen Skispringer bleiben bei der Vierschanzentournee erstmals seit drei Jahren ohne Podestplatz. Der Pole Kamil Stoch bejubelte nach einem dramatischen Finale den Gesamtsieg bei der 65. Auflage. dpa-Mitarbeiter Eric Dobias

Als der Tournee-König Kamil Stoch nach dem glücklichen Ende im Schanzen-Krimi von Bischofshofen gerührt den Siegerscheck in Höhe von 20 000 Euro entgegennahm, waren die frustrierten deutschen Skispringer schon geflüchtet. Auch beim vierten Springen flogen sie am Podium vorbei und traten mit leeren Händen die Heimreise von der 65. Vierschanzentournee an. "Platzierungsmäßig war das natürlich nicht das, was man erhofft hat. Wir gehören zu den Geschlagenen", erklärte Bundestrainer Werner Schuster.

Jubel herrschte dagegen bei Stoch. Unbeeindruckt von seinem Sturz in Innsbruck krönte sich der Doppel-Olympiasieger von 2014 als Tagessieger mit Sprüngen auf 134,5 und 138,5 Meter zum zweiten polnischen Gesamtsieger nach Adam Malysz vor 16 Jahren. "Ich danke allen, die mich unterstützt haben", sagte der 29-Jährige. Im dramatischen Duell um den Gesamtsieg hatte sein Rivale Daniel Andre Tande aus Norwegen Pech. Im Finale löste sich der Bindungsstab am rechten Ski, der ihm deshalb seitlich wegging. Nach der Landung bei 117 Meter schlug der 22-Jährige entsetzt und enttäuscht beide Hände vors Gesicht - zumal er im Gesamtklassement hinter Stochs Landsmann Piotr Zyla sogar auf Rang drei zurückfiel. "Das ist traurig", spendete Stoch Trost. Nach zwei Jahren im Tief feierte der Gesamt-Weltcupsieger von 2014 bei der Tournee eine sportliche Auferstehung und erfüllte sich seinen großen Traum. "Er hat es extrem verdient", sagte Markus Eisenbichler. Der 25-Jährige war als Gesamt-Siebter bester Deutscher. In Bischofshofen reichte es für ihn am Freitagabend aber nur zu Rang 13. "Schade, ich wollte noch einmal angreifen", sagte der Bayer.

Als bester Deutscher landete Richard Freitag mit 130,5 und 134 Metern auf Rang sechs. Stephan Leyhe wurde Achter, Karl Geiger Neunter. Andreas Wellinger, der am Vortag mit dem weitesten Sprung der Tournee-Geschichte auf 144,5 Meter die Qualifikation gewonnen hatte, schied nach einem Hüpfer auf 123 Meter als 31. aus. "Der Sprung war extrem aggressiv. Das funktioniert bei Rückenwind aber nicht", sagte der 21-Jährige enttäuscht.



Für die deutsche Mannschaft brachte die 65. Tournee-Auflage die Erkenntnis: Ohne den formschwachen Severin Freund , der wegen einer Grippe vorzeitig abreisen musste, fehlt ein Siegspringer. Somit konnten die deutschen Athleten den seit nunmehr 15 Jahren anhaltenden Tournee-Fluch erneut nicht besiegen. Sven Hannawald , der 2001/2002 alle vier Springen gewann und Skisprung-Geschichte schrieb, bleibt der letzte deutsche Gesamtsieger. Noch schlimmer: Nicht ein Podestplatz sprang für die deutsche Mannschaft heraus. Eisenbichler war als Vierter beim Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen am nahesten dran. Auch Stephan Leyhe konnte als Gesamt-Achter die Erwartungen erfüllen.

Freund, Wellinger und Freitag schöpften ihr Potenzial nicht aus. "Sie sind im Anschlussbereich und bringen punktuell ordentliche Sprünge hin. Aber sie sind nicht gut genug", kritisierte Schuster sein Top-Trio. Bis zur WM im Februar in Lahti hat der Bundestrainer daher viel Arbeit vor sich.