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Sportler des Jahres mit Appell
Ein Appell für die Vielfalt im Sport

 Erst zum dritten Mal in der Geschichte der Sportlerwahl setzten sich mit Malaika Mihambo und Niklas Kaul (vorne) zwei Leichtathleten durch. Hinten von links posiert die Mannschaft des Jahres der deutschen Skispringer mit Stephan Leyhe, Markus Eisenbichler, Ex-Skisprung-Bundestrainer Werner Schuster, Karl Geiger und Richard Freitag.
Erst zum dritten Mal in der Geschichte der Sportlerwahl setzten sich mit Malaika Mihambo und Niklas Kaul (vorne) zwei Leichtathleten durch. Hinten von links posiert die Mannschaft des Jahres der deutschen Skispringer mit Stephan Leyhe, Markus Eisenbichler, Ex-Skisprung-Bundestrainer Werner Schuster, Karl Geiger und Richard Freitag. FOTO: dpa / Patrick Seeger
Baden-Baden. Die Sportler des Jahres sind Leichtathleten. Und Niklas Kaul und Malaika Mihambo stimmten auch kritische Töne an. sid

Das Blitzlichtgewitter war kaum vergangen, die letzten Selfiewünsche waren noch gar nicht erfüllt – da stimmten Zehnkampf-König Niklas Kaul und Weitsprung-Überfliegerin Malaika Mihambo nachdenkliche Töne an. Schon kurz nach ihrer feierlichen Kür zu Deutschlands Sportlern des Jahres nutzten die beiden Vorzeige-Leichtathleten am Sonntagabend ihre neu gewonnene Popularität für einen leidenschaftlichen Appell.

„Es sollten viele Sportarten neben dem Fußball existieren und ihre Aufmerksamkeit bekommen“, sagte Kaul nach der Gala im Kurhaus Baden-Baden, die gänzlich ohne Schwenk zu „König Fußball“ ausgekommen war: „Das macht die Vielfalt des deutschen Sports aus.“ Mihambo fügte hinzu: „Es ist enorm wichtig, dass die tolle sportliche Vielfalt, die Deutschland zu bieten hat, auch gezeigt wird. Es ist beispielsweise in der Leichtathletik schon bedenklich, dass Meetings wie die Diamond League in Deutschland nicht gezeigt werden – nicht einmal im Livestream.“

Für den Kampf nach mehr medialer Aufmerksamkeit scheint die deutsche Leichtathletik mit ihren Weltmeistern Kaul und Mihambo für die Zukunft aber bestens gerüstet zu sein. Jung, eloquent, charmant, erfolgreich und dazu auch noch entwicklungsfähig: Der 21 Jahre alte „König der Athleten“ und die 25 Jahre alte Weitsprung-Überfliegerin könnten als neue Gesichter der olympischen Kernsportart eine Ära prägen.



Mit ihrem Doppelerfolg in den Einzelkategorien – erst der dritte der Leichtathleten in der 73-jährigen Geschichte der Sportlerwahl – haben die beiden ein Zeichen gesetzt. „So ein Erfolg ist für die gesamte Leichtathletik extrem wichtig“, sagte Kaul und ergänzte: „Wir sind so eine faszinierende Sportart. Es schadet nie, wenn wir sie so wie am Sonntagabend ins Rampenlicht rücken können.“

Ins Rampenlicht war Kaul in diesem Jahr mit einem großen Knall getreten, der nicht einmal Angela Merkel verborgen geblieben war. Der Gratulationsbrief der Bundeskanzlerin zum Weltmeistertitel erhielt daheim gut sichtbar an der Wand einen Ehrenplatz – Motivation und Ansporn für die großen Ziele 2020: „Ich habe nach dem WM-Titel extra wenig Pause gemacht, weil ich in Richtung Tokio genauso weitermachen wollte“, sagte Kaul, der am liebsten nach jeder Disziplin ein kleines Nickerchen einlegt: „Wir sind mit unserer Trainingsgruppe auf einem guten Weg. Was genau in Tokio möglich ist, wird sich erst später zeigen.“

Auf einem guten Weg zum nächsten Großereignis wähnt sich auch Weitspringerin Mihambo, deren Laudatorin Heike Drechsler sich als ihr „größter Fan“ outete. Die vielseitig interessierte Badenerin tankte nach der Saison „viel Kraft“ bei einem vierwöchigen Rucksacktrip durch Thailand. „Nach meiner Rückkehr hatte ich direkt wieder richtig Lust zu trainieren“, sagte Malaika Mihambo: „Das sind beste Voraussetzungen für die neue Saison. Wenn ich gesund bleibe, wird es in Tokio sicher gut laufen.“ Ähnlich gute Leistungen wie 2019 und Olympiamedaillen wären dann auch die besten Argumente für mehr Aufmerksamkeit.