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Olympia 2020
Olympia an der Plastikwand

 Alexander Megos gehört zu den besten Sportkletterern der Welt. Bei der WM im japanischen Hachioji geht es für ihn um Medaillen und die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio.
Alexander Megos gehört zu den besten Sportkletterern der Welt. Bei der WM im japanischen Hachioji geht es für ihn um Medaillen und die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio. FOTO: dpa / Johann Groder
Hachioji. Die Sportkletterer kämpfen bei der WM in Japan auch um die Tickets für die Premiere ihrer Sportart 2020 in Tokio. sid

Reinhold Messner, „der große Papst des Bergsteigens“, wie Urs Stöcker ihn lächelnd nennt, hat eine sehr klare Meinung. Vom Sportklettern, 2020 in Tokio erstmals olympisch, hält der Erstbesteiger aller 14 Achttausender der Erde rein gar nichts. Das finde, lästerte der Südtiroler bereits vor zwei Jahren, an einer Plastikwand statt, mit Plastikgriffen, und was, bitteschön, solle das? „Jeder Affe ist schneller“, sagte Messner der Rhein-Neckar-Zeitung.

Urs Stöcker, Bundestrainer der deutschen Sportkletterer, hat da selbstverständlich eine etwas andere Meinung. Beides sei doch Leistungssport, betont der 42 Jahre alte Schweizer. „Im Leistungsbergsteigen geht es darum, den Gipfel zu erreichen“, im Leistungsklettern, zu dessen Pionieren in den 1990er Jahren die „Huber-Buam“ Alexander und Thomas Huber gehörten, zählt es, „eine Route zu meistern und Medaillen zu gewinnen“, sagt Stöcker.

Die nächste Leistungsschau im Leistungsklettern findet in der kommenden Woche in Hachioji am Rande von Tokio statt. Bei der WM im Sportklettern (11. bis 21. August) werden Medaillen in vier Disziplinen vergeben: im Lead, Bouldern, Speed sowie im Olympic Combined, dem Kombinations-Wettbewerb aus den drei vorgenannten Disziplinen. In Tokio ist nur dieser Dreikampf olympisch. Die WM ist die erste Chance, sich für die Spiele 2020 zu qualifizieren. Mit guten Chancen für die Deutschen.



Jan Hojer aus Köln (27) und Alex Megos aus Erlangen (25) gehören zu den weltweit Besten an der „Plastikwand“. Hojer war im vergangenen Jahr in Innsbruck WM-Dritter im Olympic Combined. Megos, neben Adam Ondra (Tschechien) „der beste Kletterer der Welt“ (Stöcker) unter freiem Himmel, gewann Bronze in der Disziplin Lead: Dabei müssen die Athleten an der künstlichen, bis zu 20 Meter hohen Wand innerhalb eines Zeitlimits höher klettern als die Konkurrenten.

„Wir hoffen“, sagt Stöcker, „dass einer oder beide schon das Olympia-Ticket lösen.“ Die ersten Sieben der WM im Olympic Combined sind automatisch für Tokio qualifiziert. Pro Nation dürfen dort maximal jeweils zwei Frauen und Männer starten. Es gibt noch zwei weitere Qualifikations-Wettkämpfe, „aber“, betont Stöcker, „es wäre ein absoluter Erfolg, wenn wir die zwei Tickets lösen, das würde alle massiv entspannen“. Ansonsten wären zwei Medaillen wie in Innsbruck „ein Traum“.

Hojer und vor allem Megos haben sich erst mal anfreunden müssen mit der Aussicht, jetzt eine olympische Sportart zu betreiben. „Es haben sich schon einige die Frage gestellt: Soll man da überhaupt mitmachen? Müssen wir uns wirklich so verbiegen, nur, damit wir dahin kommen?“, sagt Stöcker. Die Kritik sei teilweise berechtigt, räumt er ein, betont aber: „Olympia ist für die Sportler eine Riesensache.“ Die Diskussion erinnert an jene, die einst die Snowboarder führten.

Verbiegen mussten sich die Sportkletterer in der Tat, denn: Aus Spezialisten müssen Kombinierer werden. Olympic Combined heißt: An einem Tag werden nacheinander die drei Disziplinen Speed (im K.o.-System muss eine vorgegebene Route an einer 15-Meter-Wand so schnell wie möglich bewältigt werden), Bouldern (an einer Wand müssen verschiedene Problemfelder gelöst werden) und Lead geklettert. Bei den Lead- und Boulder-Spezialisten ist die Speeddisziplin eher verpönt.

Stöcker sieht das gelassen. Ebenso wie die Lästereien von Messner. Der große englische Bergsteiger Sir Chris Bonington habe einmal gesagt: Bergsteigen sei wie eine Kathedrale – alle fänden darin Platz. Auch Kletterer an Plastikwänden.

Die WM kann man bei Eurosport 2 und im Eurosport-Player verfolgen. Über www.ifsc-climbing.org, die Homepage des Sportkletter-Weltverbandes IFSC (International Federation of Sport Climbing), sind die Halbfinals und Finals am 13., 15., 17., 20. und 21. August im Livestream zu sehen.