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"Sport wird auf hohem Niveau gefördert"

 Im Ausbau des Westpfalzstadion sieht Fritz Presl eine Verbesserung der Möglichkeiten für die sporttreibenden Zweibrücker Vereine und der Schulen. Zu den algemeinen Mittelkürzungen müssten auch die Vereine ihr Scherflein beitragen.Foto: Jacobi
Im Ausbau des Westpfalzstadion sieht Fritz Presl eine Verbesserung der Möglichkeiten für die sporttreibenden Zweibrücker Vereine und der Schulen. Zu den algemeinen Mittelkürzungen müssten auch die Vereine ihr Scherflein beitragen.Foto: Jacobi
Zweibrücken. Die Sportvereine gehen schweren Zeiten entgegen. Die Mittel für den Sportbund Pfalz werden in diesem Jahr um 5,7 Prozent gekürzt. Auch in den kommenden Jahren soll die finanzielle Unterstützung kontinuierlich zurückgefahren werden

Zweibrücken. Die Sportvereine gehen schweren Zeiten entgegen. Die Mittel für den Sportbund Pfalz werden in diesem Jahr um 5,7 Prozent gekürzt. Auch in den kommenden Jahren soll die finanzielle Unterstützung kontinuierlich zurückgefahren werden. Merkur-Sportredakteur Werner Kipper sprach mit dem Zweibrücker SPD-Landtagsabgeordneten Fritz Presl (Foto: pma), ehemaliger sportpolitischer Sprecher, der heute der Sport AG angehört, darüber.

Was ist die Ursache, dass die neue Landesregierung (Rot-Grün) die Sportvereine nicht mehr in dem bisherigen Maße unterstützen will oder kann?

Fritz Presl: Im Rahmen der gesetzlich festgesetzten "Schuldenbremse" muss in allen Haushalten des Landes gespart werden. Das hat auch Auswirkungen auf die Sportförderung insgesamt. Die erforderlichen Haushaltskürzungen müssen allerdings nicht unbedingt bei den Vereinen an der Front ankommen. Denn: Das Land fördert den Sport insgesamt durch die jährlichen Pauschalzuschüsse. Die Verteilung der erheblichen Landesmittel erfolgt durch den Landessportbund an die drei regionalen Sportbünde und diese wiederum geben einen Teil der Zuschüsse an die Vereine und Verbände weiter. Einen Teil der Zuschüsse verwenden die Sportbünde und der LSB für ihre Verwaltungsapparate selbst. Wenn alle sparen müssen, gilt dies auch für die Sportverbände. Es dürfte nicht sein, dass die Verbände sich selbst nicht einschränken und die Mittelkürzungen zu 100 Prozent an die Vereine, das heißt an die Basis des rheinland-pfälzischen Sports, weiter geben. Hier müssen die Vereine ihren Sportbünden mehr auf die Finger schauen.



Warum treffen die Mittelkürzungen auch die Schwächsten, die Sportvereine, die eh schon um jeden Euro zum Überleben kämpfen müssen? Welche Auswirkungen befürchten Sie für die Sportvereine?

Presl: Die Vereine erhalten zum Beispiel für Übungsleiter oder für Projekte Zuwendungen. Es gibt aber keine generelle Ausschüttung an alle Sportvereine nach dem "Gießkannen-Prinzip". Insoweit werden viele Vereine gar nicht oder allenfalls nur gering von den Mittelkürzungen betroffen sein.

Ist die geringere Unterstützung aus Mainz für die Ehrenamtler nicht eine Ohrfeige, dass ihre Arbeit nicht die Wertschätzung erfährt?

Presl: Aus vorgenannten Gründen kann von einer Ohrfeige für die Ehrenamtler in den Sportvereinen überhaupt keine Rede sein.

Im Gegensatz zu Mainz wird die Arbeit in den Sportvereinen in Zweibrücken mit einer rund sechsstelligen Summe honoriert. Woher kommt diese Diskrepanz?

Presl: In Zweibrücken erhalten nur Vereine mit eigenen Sportanlagen beziehungsweise Vereine, welche Sportanlagen anmieten müssen, Zuwendungen. Damit wird ein kleiner Ausgleich dafür geschaffen, dass andere Vereine öffentlich geförderte Sportanlagen kostenlos nutzen können. Von einer Diskrepanz kann also diesbezüglich überhaupt keine Rede sein.

Sie wissen aus eigener Erfahrung, dass in den Sportvereinen wertvolle soziale Arbeit geleistet wird, die von den Kommunen finanziell nicht zu stemmen wäre. Fanden Ihre Argumente in der Sport-AG nicht das entsprechende Gehör?

Presl: Der Sport in Rheinland-Pfalz wird seit Jahren auf einem hohen Niveau gefördert. Das bleibt auch - wenn auch etwas gekürzt - in Zukunft so. In unserer Landtagsfraktion haben wir selbstverständlich diese Themen ausführlich besprochen. An Einsparungen führt leider kein Weg vorbei. Dabei ging es auch um die Frage, wie verteilen denn die Sportbünde die Mittel?. Aber das ist Sache der Selbstständigkeit des Sports, auf welche die Verbände großen Wert legen. Durch Veränderungen bei der Schwerpunktbildung und durch mögliche Umschichtungen der Mittel könnten hier die Verbände durchaus die Mittelkürzungen abfedern, wenn dies denn bei den Verbänden so gewollt ist. Damit könnte erreicht werden, dass die Mittelkürzungen wenig oder überhaupt nicht an der Front ankommen. Ob die Sportbünde dies auch tun, ist deren Sache. Da sind jetzt die Vereine selbst gefordert, innerhalb ihrer Verbandsmitgliedschaft die notwendigen Schritte zu tun.

Zweibrücken genießt den Ruf einer Sportstadt und viele Einwohner sind auch Mitglied in Sportvereinen. Befürchten Sie, dass die Vereine ihre Angebote nicht aufrechterhalten können?

Presl: Nein, das befürchte ich nicht.

Bisher ist lediglich vom Sportbund Pfalz über die drastischen Kürzungen aus Mainz geklagt worden. Merken das die Vereine erst, wenn sie weniger Unterstützung bekommen?

Presl: Der Sportbund Pfalz ist von den drei regionalen Sportbünden im Landessportbund schön öfter als der "pauschale Meckerer" in Erscheinung getreten. In Gesprächen mit dem Präsidium des Landessportbundes ist über die erforderliche Mittelkürzung ausführlich gesprochen worden. Der Sportbund Pfalz sollte sich überlegen, wie er seinen Mitgliedsvereinen helfen kann, statt einfach die Kürzungen an die Vereine voll weiter zu geben. Mit seiner Haltung will der Sportbund Pfalz seine Vereine die Mittelkürzungen richtig spüren lassen. Damit erweist der Sportbund Pfalz seinen Vereinen keinen Dienst. Fürsorgepflicht gegenüber den Vereinen sieht eben anders aus.

Wundern Sie sich nicht immer wieder, wie belastbar die Vereine sind?

Presl: Unsere Vereine leisten sehr gute Arbeit für den Sport und damit für unsere Gesellschaft. Das steht außer Frage.

Sind die Vereine nicht mehr denn je auf die Unterstützung der Politik angewiesen, nachdem auch die Sponsoren nicht mehr Schlange stehen?

Presl: Die Vereine brauchen selbstverständlich die Unterstützung der Politik und diese werden sie auch weiterhin haben.

Kann es sich die Politik leisten, sein Wählerpotenzial derart zu verprellen?

Presl: Niemand wird verprellt. Davon kann überhaupt keine Rede sein.

Der Ausbau des Westpfalzstadions ist in vollem Gange. Welche Impulse erwarten Sie nach der Fertigstellung für die Zweibrücker Sportvereine und Schulen?

Presl: Auf den Ausbau des Westpfalz-Stadions bin ich selbst sehr stolz, schließlich war ich die treibende Kraft für dieses Projekt. Was die Verbesserung der Möglichkeiten für den Sport anbelangt, stehe ich in engen Verbindungen mit Vereinen und auch der Schulbehörde. Hier geht es darum, diese Anlage noch mehr verstärkt für den Sport in unserer Stadt zu nutzen.