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Leichtathletik
Zwischen Kugel und „Krümel“

Christina Schwanitz ist Topfavoritin auf Gold bei der Heim-EM in Berlin.
Christina Schwanitz ist Topfavoritin auf Gold bei der Heim-EM in Berlin. FOTO: dpa / Michael Kappeler
Biberach. Kugelstoßerin Christina Schwanitz nach Babypause auf dem Weg zur alten Stärke.

Christina Schwanitz hatte es eilig. Zu Hause warteten ja ihre „Krümel“, wie sie ihre Zwillinge liebevoll nennt. Doch mit ihrer europäischen Saisonbestmarke von 19,78 Metern hatten sich der Ausflug nach Biberach und „das Heimweh gelohnt“, sagte Schwanitz: „Endlich ist der Knoten geplatzt.“ Und spätestens jetzt ist die 32-Jährige auch die Topfavoritin auf Gold bei der anstehenden Heim-EM in Berlin (6. bis 12. August).

Im Rekordtempo hat sich Schwanitz nach ihrer Babypause wieder in Medaillenform gebracht. Nur ein Jahr nach der Geburt ihrer Kinder ist die Ex-Weltmeisterin wieder die absolute Nummer eins in Europa – mit über 60 Zentimetern Vorsprung. Ihr Antrieb? „Mir und allen zu zeigen, dass man auch mit Kindern wieder an der Weltspitze ankommen kann“, sagte Schwanitz, die nach ihrem EM-Gold von 2014 und 2016 nun den historischen Hattrick anstrebt.

Das Treppchen sei das Ziel, „am schönsten wäre es natürlich ganz oben“, sagte Schwanitz, die direkt aus dem Trainingslager in Südtirol nach Biberach zum Wettkampf gereist war. Noch nie holte eine Kugelstoßerin dreimal in Serie den EM-Titel, doch Schwanitz will es schaffen.



Und dafür klingelt der Wecker schon einmal um 5.30 Uhr, es gibt viel zu organisieren: Kinder, Haushalt, Training. Manchmal fällt sie abends „bloß noch um“, sagte Schwanitz, aber eines ist klar: Ihre „Krümel“ stehen an erster Stelle.

Stets baumeln sie um ihren Hals, als zwei Silber-Figuren an einer Kette. Ein Mädchen und ein Junge. „Hätte ich das Gefühl, die Kleinen leiden unter mir, würde ich sofort mit dem Stoßen aufhören“, sagte Schwanitz der Schwäbischen Zeitung: „Ich will keine Mutter sein, die Spaß und Erfolg hat auf Kosten meiner Familie.“