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Tennis
Zverevs Traum endet im Viertelfinale

Paris. Der verletzte Hamburger verliert bei den French Open gegen Dominic Thiem. Angelique Kerber ist heute dran.

Mit hängendem Kopf humpelte Alexander Zverev ans Netz. Eine kurze Umarmung mit Kumpel Dominic Thiem, dann verabschiedete er sich mit traurigem Blick von der großen Grand-Slam-Bühne in Paris. Beeinträchtigt von einer Oberschenkelverletzung war der Hamburger gestern Nachmittag bei den French Open in seinem erstem ersten Viertelfinale eines Major-Turniers chancenlos. Mit 4:6, 2:6, 1:6 unterlag er dem Österreicher Thiem, drei Fünf-Satz-Matches in Serie zuvor hatten offensichtlich ihre Spuren hinterlassen.

„Ich wusste, dass ich nicht mehr gewinnen kann. Ich konnte mich kaum bewegen, konnte kaum aufschlagen“, sagte Zverev, der sich bereits im dritten Spiel des Tages erstmals mit schmerzverzerrtem Gesicht an den linken Oberschenkel gegriffen hatte: „Aber ich wollte nicht in meinem ersten Viertelfinale bei einem Grand Slam aufgeben. Auch wenn ich definitiv darüber nachgedacht habe.“

Fast zwei Stunden lang hatte Zverev auf die Zähne gebissen und verzweifelt versucht, die Schmerzen zu ignorieren. Das mit Spannung erwartete Duell der nach Rafael Nadal derzeit wohl besten Sandplatzspieler der Welt wurde jedoch eine einseitige Angelegenheit. „Es hätte wirklich ein interessantes Match werden können. Leider hat mein Körper mich aufgehalten“, sagte Zverev. Die Chance, als erster Deutscher seit Michael Stich vor 22 Jahren das French-Open-Halbfinale zu erreichen, war nie wirklich greifbar.



„Er ist einer der fittesten Jungs auf der Tour, aber selbst für ihn ist es hart, drei Fünf-Satz-Matches in Serie zu bestreiten“, sagte Gewinner Thiem hinterher: „Ich hoffe, dass wir uns wiedersehen, wenn wir beide bei 100 Prozent sind.“ Zverev hatte in der zweiten Runde gegen den Serben Dusan Lajovic, in der dritten gegen den Bosnier Damir Dzumhur und im Achtelfinale gegen den Russen Karen Chatschanow jeweils über fünf Sätze und mindestens dreieinhalb Stunden gehen müssen.

Gegen Thiem beantragte Zverev beim Stand von 1:4 im zweiten Durchgang die erste medizinische Auszeit. Mit dick bandagiertem Oberschenkel spielte er weiter. Doch die Einschränkung war unübersehbar. Zwar versuchte Zverev alles, um das Spiel noch einmal offen zu gestalten. Doch von seiner Normalform war Zverev weit entfernt.

Zwischen den Ballwechseln humpelte er sichtbar über den Platz, verschwand nach dem zweiten Satz zur erneuten Behandlung in der Kabine. Am Ende half alles nichts. Während Thiem nun in seinem dritten French-Open-Halbfinale steht, verbuchte Zverev in Paris immerhin sein bestes Grand-Slam-Ergebnis.

Aus deutscher Sicht ist damit Angelique Kerber (Kiel/Nr. 12) die letzte Hoffnungsträgerin in Paris. Die 30-Jährige, die am Vortag die Französin Caroline Garcia 6:2, 6:3 geschlagen hatte, trifft im Viertelfinale am heutigen Mittwoch auf die Weltranglistenerste Simona Halep. Das letzte Duell mit der Rumänin hatte sie im Halbfinale der Australian Open im Januar denkbar knapp mit 3:6, 6:4, 7:9 verloren.

Thiems Gegner ist jetzt im Halbfinale der Italiener Marco Cecchinato, der gestern sensationell Novak Djokovic schlug. Der 25-Jährige, Nummer 72 der Weltrangliste, schlug den früheren Dominator aus Serbien 6:3, 7:6 (7:4), 1:6, 7:6 (13:11). Cecchinato hatte in vier Anläufen seit 2015 noch nie ein Match bei einem Grand-Slam-Turnier gewonnen. Djokovic verpasste auf dem Weg zu alter Stärke sein erstes Grand-Slam-Halbfinale seit drei Jahren.