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Boxen
Zeuges Debakel gewährt beschämenden Einblick

Die Zukunft von Tyron Zeuge ist ungewiss.
Die Zukunft von Tyron Zeuge ist ungewiss. FOTO: dpa / Bernd Settnik
Offenburg. Schuldzuweisungen und Attacken nach dem Kampf.

Der letzte deutsche Boxweltmeister ist seinen Titel los. Zum Abschied wurden Giftpfeile und eine volle Trinkflasche abgefeuert. Supermittelgewichtler Tyron Zeuge hat in der Nacht zu Sonntag in Offenburg gegen den Briten Rocky Fielding durch technischen K.o. in der fünften Runde verloren und ist damit nur noch Ex-Champion. Genauso wie Arthur Abraham, Marco Huck, Felix Sturm, Jack Culcay und und und. Letztmals gab es diese trostlose Lage vor 14 Jahren. Ein Leberhaken in der fünften Runde hatte Zeuge in die Knie und Jürgen Brähmer zum Wurf des Handtuchs gezwungen. Der Trainer war so wütend, dass er auch eine Trinkflasche in Richtung Zuschauerreihen warf.

Es war nicht nur die schwache Vorstellung des Berliners, die vor lediglich 600 Zuschauern in der Baden-Arena Bestürzung hervorrief. Es waren auch die anschließenden Scharmützel zwischen Trainer und Manager, die einen Einblick in die gegenwärtige Lage des deutschen Berufsboxens gewährte. Brähmer warf dem Sauerland-Boxstall vor, seinem Schützling nicht genug Vorbereitungszeit erlaubt zu haben. Er sei in den Termin gezwungen worden. Die Eile habe es nur gegeben, „damit Sauerland Event sagen kann, sie hätten ihren Vertrag erfüllt“, grollte Brähmer und machte einen Hauptschuldigen aus: „Geschäftsführer Frederick Ness und der ganze Saftladen“.

Ness war eigentlich das Ziel der gefüllten Trinkflasche, die Brähmer unmittelbar nach der Niederlage wütend in die ersten Zuschauerreihen schleuderte. Das Geschoss schlug neben Ness ein – und traf die Ehefrau von Manager Wilfried Sauerland am Oberschenkel. Die Attacke soll ein juristisches Nachspiel haben.



Sauerland kritisierte Brähmer, die falsche Taktik ausgegeben zu haben. Zeuge würde er gern halten, den Trainer nicht. „Seit Brähmer Trainer ist, gibt es Spannungen“, zürnte der 78-Jährige. Zeuge besitzt zwar noch einen Vertrag bis Ende 2019, hat aber schon vor Wochen die Kündigung eingereicht.