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Handball-WM
Comeback zur Heim-WM? "Mimi" Kraus gibt deutliche Bewerbung ab

Ein Kandidat für die WM? Spielmacher Michael Kraus (vorne) vom TVB Stuttgart.
Ein Kandidat für die WM? Spielmacher Michael Kraus (vorne) vom TVB Stuttgart. FOTO: dpa / Paul Zinken
Hamburg. Der überzeugenden Bewerbung auf dem Platz ließ Michael Kraus die passenden Worte folgen. „Ich würde lügen, wenn ich sage, dass ich mir nicht ernsthaft Gedanken darüber machen würde“, sagte Kraus im TV-Interview bei Sky – und versetzte die Handballszene mit seinem Comeback-Gesuch in Sachen Nationalmannschaft pünktlich zur Heim-WM in Aufregung.

Eine Anfrage des Bundestrainers habe es zwar „noch“ nicht gegeben, doch, das betonte Fan-Liebling „Mimi“: „Wer mich kennt, der weiß, dass ich immer den Wettbewerb suche“, sagte der Weltmeister von 2007, der wenige Wochen vor dem Turnier im eigenen Land zurzeit ein gewaltiges Leistungshoch erlebt. In den letzten beiden Ligaspielen mit dem TVB Stuttgart überzeugte Kraus mit insgesamt 29 (!) Treffern und ist derzeit mit 56 Saisontoren der torgefährlichste Spielmacher der Bundesliga.

Bundestrainer Christian Prokop hatte derlei Gedankenspielen zuletzt öffentlich zwar eine Absage erteilt, doch der WM-Ausfall von Rückraumschütze Julius Kühn (Kreuzbandriss) könnte tatsächlich als Argument für eine Rückholaktion von Kraus herhalten. „Mimi ist immer für eine Überraschung gut, er könnte eine Ergänzung für die besonderen Momente sein“, sagte Heiner Brand, der 2007 als Bundestrainer mit Kraus im eigenen Land Weltmeister geworden war.

Ähnlich sehen das auch Ex-Welthandballer Daniel Stephan und der frühere Weltklasse-Linksaußen Stefan Kretzschmar. Natürlich würde man mit dem 35-Jährigen auch Risiko ins Team holen, schrieb Kretzschmar in seiner Sky-Kolumne, aber andererseits sei Kraus „der Spieler mit dem gewissen Etwas. Er entscheidet ein Finale, ist ein Mann für die Jokerrolle.“



So wie 2007, als er im Endspiel (29:24 gegen Polen) mit vier Treffern glänzte und als einziger deutscher Feldspieler ins All-Star-Team des Turniers gewählt wurde. Stephan bringt Kraus als Alternative für Kühn ins Spiel. „Für die halblinke Position kann man sich mit dem Spieler Mimi Kraus auseinandersetzen, weil seine Stärke ja seine Athletik und sein Torinstinkt sind“, sagte Stephan dem SID, schränkte jedoch ein: „Wir können jetzt nicht jeden Spieler der gerade eine gute Phase hat, wieder zurück in die Nationalmannschaft holen.“ Coach Prokop hatte sich zuletzt bereits für eine Rückkehr von Spielmacher Martin Strobel (32) entschieden.