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Schwimm-EM in Glasgow
Wellbrock langt zum zweiten Mal zu

 Florian Wellbrock ist der derzeit erfolgreichste deutsche Schwimmer bei der EM in Glasgow. Zwei Medaillen hat er schon – und am Samstag könnte die nächste folgen, dann im Freiwasser des Loch Lomond.
Florian Wellbrock ist der derzeit erfolgreichste deutsche Schwimmer bei der EM in Glasgow. Zwei Medaillen hat er schon – und am Samstag könnte die nächste folgen, dann im Freiwasser des Loch Lomond. FOTO: dpa / Joel Marklund
Glasgow. Der Europameister über 1500-Meter schwimmt über 800 Meter Freistil zu Bronze. Heute startet das Zehn-Kilometer-Rennen.

Erschöpft hielt sich Florian Wellbrock nach seinem Bronze-Rennen an der Leine fest, atmete ein paar Mal tief durch und kletterte aus dem Becken. Der 20 Jahre alte Freistilschwimmer hat nach Gold über 1,5 Kilometer in einem Kraftakt seine zweite EM-Medaille gewonnen. Wellbrock schlug gestern in Glasgow über 800 Meter in deutscher Rekordzeit von 7:45,60 Minuten an und musste sich nur Michailo Romantschuk aus der Ukraine (7:42,96) und dem Italiener Gregorio Paltrinieri (7:45,12), der Silber holte, geschlagen geben.

„Ich habe gemerkt, dass mir die 1500 noch richtig in den Knochen steckten“, sagte Wellbrock. „Aber das ist keine Schande.“ Sein Heimtrainer Bernd Berkhahn sagte: „Dritter Platz, zweite Medaille, Bestzeit. Ich kann nicht meckern.“ Wellbrock habe „seinen Rhythmus nicht gefunden“, sagte Berkhahn. „Die Beine hat er erst auf der letzten Bahn so richtig eingesetzt.“ Wellbrock war ganz außen auf Bahn eins ins Rennen gegangen und hatte Schwierigkeiten, sich im Teilnehmerfeld zu verorten. „Ich wusste erst beim Anschlag so richtig, wo ich liege“, sagte der Athlet. „Ich bin froh, dass ich das mit Bronze beenden konnte.“ Für Wellbrock ist die EM auch nach seinem letzten Beckenrennen noch nicht vorbei. Am Samstag hat er mit der deutschen 4 x 1,25 Kilometer Staffel im Freiwasser ebenfalls Medaillenchancen.

Rückenschwimmer Christian Diener verpasste auf der 200-Meter-Strecke Edelmetall nur um einen Platz. Zu Bronze und dem Italiener Matteo Restivo fehlten dem Potsdamer nach seiner Zeit von 1:57,05 Minuten 36 Hundertstelsekunden. Brustschwimmer Fabian Schwingenschlögl schwamm über 50 Meter in persönlicher Bestzeit von 27,29 Sekunden beim Sieg des britischen Ausnahmekönners Adam Peaty auf Rang sieben. Jenny Mensing erreichte als Vierte der Halbfinals in 2:08,92 Minuten den Endlauf über 200 Meter Rücken, Lisa Graf gelang dies als Fünfter in 2:09,32 Minuten. Auch Aliena Schmidtke ist am heutigen Donnerstag im Finale dabei. Sie qualifizierte sich als Sechste über 50 Meter Schmetterling (26,09). Bei den Männern verpassten Philip Heintz und Marius Kusch den Endlauf über die doppelte Distanz.



Die deutsche Freistil-Mixed-Staffel hat eine Medaille zwar verpasst, aber erneut einen deutschen Rekord aufgestellt. Das Quartett mit Damian Wierling, Christoph Fildebrandt, Reva Foos und Annika Bruhn wurde in 3:26,59 Minuten Fünfte. Die DSV-Staffel unterbot die eigene Bestzeit aus dem Vorlauf um 1,6 Sekunden.

Bei den Freiwasser-Schwimmern hatte Leonie Beck am frühen Morgen für ausschweifenden Jubel nach ihrem Silber-Coup keine Kraft. Die 21-Jährige musste husten, nahm die Schwimmbrille ab und schnaufte erst einmal kräftig durch. Beck schwamm im Loch Lomond fünf Kilometer in 56:17,8 Minuten und musste sich nur Olympiasiegerin Sharon van Rouwendaal aus den Niederlanden geschlagen geben, die nach 56:01,0 Minuten anschlug. „Es war am Ende ziemlich hart, aber zum Glück hat es gut funktioniert“, sagte Beck: „Jetzt muss ich mich erholen. Erholen, erholen, erholen.“

Bei den Männern verpasste Rob Muffels Edelmetall um einen Platz und wurde Vierter. „Das ist schon ziemlich ärgerlich“, sagte der Magdeburger, der jedoch bereits nach vorne blickte: „Ich habe ja noch die zehn Kilometer. Da liegt auf jeden Fall der Fokus drauf.“ Das Rennen über die olympische Distanz, in dem auch der Saarbrücker Andreas Waschburger an den Start gehen wird, findet am heutigen Donnerstag statt.