| 23:57 Uhr

Tischtennis-Champions-League
Von Mitspielern zu Gegnern

Dimitrij Ovtcharov (links) und Timo Boll spielten vergangene Woche noch gemeinsam bei der Tischtennis-WM in Schweden, nun stehen sie sich im Champions-League-Finale gegenüber.
Dimitrij Ovtcharov (links) und Timo Boll spielten vergangene Woche noch gemeinsam bei der Tischtennis-WM in Schweden, nun stehen sie sich im Champions-League-Finale gegenüber. FOTO: dpa / Rolex Dela Pena
Düsseldorf. Kurz nach dem WM-Silber stehen sich die Tischtennis-Stars Ovtcharov und Boll im Champions-League-Finale gegenüber.

Timo Boll und Dimitrij Ovtcharov greifen kurz nach ihrem vergeblichen gemeinsamen Anlauf auf den WM-Thron nach Europas Vereins-Krone – diesmal allerdings gegeneinander. Im Hinspiel des Champions-League-Finales zwischen Bolls Klub Borussia Düsseldorf und Ovtcharovs russischem Vorjahressieger Fakel Orenburg (Sonntag/13.00 Uhr) müssen die deutschen Tischtennis-Stars ihre Freundschaft wieder einmal vorübergehend vergessen.

Den Switch vom Trainingspartner und Teamkollegen zum Gegner können Boll und Ovtcharov, die jüngst auch in der Weltrangliste ihre Plätze zwei und drei tauschten, inzwischen geradezu automatisch vollziehen. „Wir haben ja mittlerweile sehr oft auf anderen Seiten des Tisches gestanden. Wir kennen das und können gut damit umgehen“, meint Rekordeuropameister Boll zur immer wieder „speziellen Situation“. Erst kürzlich machten beide über den Dächern von Düsseldorf zusammen Werbeaufnahmen für einen gemeinsamen Sponsor (Arag).

Auch Weltcupsieger Ovtcharov sieht keine Probleme in der direkten Konfrontation mit seinem einstigen Vorbild: „Natürlich spielen wir lieber gegen andere, aber wenn es sich nicht vermeiden lässt, ist es eben unser Beruf und unsere Leidenschaft. Jeder gibt dann sein Maximum, aber im Anschluss ist dann alles wieder gut.“



Das Maximum verlangen und brauchen ihre Mannschaften auch von den Vizeweltmeistern. Dabei ist mindestens fraglich, ob für Boll und Ovtcharov momentan 100 Prozent überhaupt möglich sind: Boll plagte sich bei der WM in der Vorwoche in Schweden vorübergehend mit Rückenbeschwerden, und Ovtcharov laboriert an einer hartnäckigen Entzündung am Oberschenkel-Hals.

Immerhin gab Boll vor Teil eins der Neuauflage des Vorjahresfinales (Rückspiel am 18. Mai/Freitag) Entwarnung. „Mir geht es gut, mein Ischias ist wieder okay“, sagte der deutsche Rekordmeister.

Ovtcharov hingegen, der wegen seiner Verletzung bei der WM praktisch nur die Rückhand wie gewohnt spielen konnte und im WM-Finale gegen China (0:3) sogar nur zuschauen konnte, sehnt das Saisonende herbei: „Ich versuche noch, die Champions-League-Endspiele so ähnlich zu bestreiten wie die Matches bei der WM. Danach muss ich das in Ruhe auskurieren.“

Ovtcharovs Leid kann Düsseldorfs Freud werden. Ohne den Weltranglistenzweiten in Topform scheint Orenburg im vierten Königsklassen-Finalduell beider Teams für den deutschen Branchenführer anders als vor Jahresfrist und 2015 wenigstens angreifbar. Zumal ein Ausfall des Prestigeduells zwischen Boll und Ovtcharov nicht ausgeschlossen scheint, wenn die Russen ihren deutschen Star wie Bundestrainer Jörg Roßkopf bei der WM lediglich für ein Spiel an Nummer drei aufstellen.

Von solchen Spekulationen unabhängig jedoch schätzt Düsseldorfs Manager Andreas Preuß vor dem „Familientreffen“ die Chancen der Rheinländer auf ihren fünften Triumph in der Königsklasse als begrenzt ein: „Orenburg ist trotz Timo klarer Favorit.“ Wie der unweit der Düsseldorfer Halle wohnende Ovtcharov trugen einst auch Orenburgs weitere Asse Wladimir Samsonow (Weißrussland) und Jun Mizutani (Japan) das Borussia-Trikot.

Auch Boll, der für einen Erfolg seines Teams im Normalfall mit zwei Punkten eine Bank sein müsste, leitet aus Ovtcharovs Problemen keinen Vorteil ab: „Auch wenn ‚Dima‘ nicht vollkommen fit ist: Er kennt jeden von uns genau und weiß, was passiert. Deswegen ist er für uns weiter gefährlich.“