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Tour de France
Viel Frust, wenig Ertrag: Kaum Licht, viel Schatten bei deutschen Radstars

Letztes Jahr gewann Marcel Kittel bei der Tour de France fünf Etappen. Diesmal fiel er aus dem Zeitlimit und wurde ausgeschlossen.
Letztes Jahr gewann Marcel Kittel bei der Tour de France fünf Etappen. Diesmal fiel er aus dem Zeitlimit und wurde ausgeschlossen. FOTO: dpa / David Stockman
Paris. Die 105. Tour de France war für das Gros der deutschen Radstars eine Enttäuschung. An die Erfolge der vergangenen Jahre konnten Marcel Kittel und Co. nicht anknüpfen.

Nur ein Etappensieg, Stürze, verletzte Ehre - und ein paar Lichtblicke: Die mit großen Erwartungen gestarteten deutschen Radprofis haben bei der 105. Tour de France zum Teil herbe Enttäuschungen erlebt und die Frankreich-Rundfahrt mit dem schlechtesten Ergebnis seit acht Jahren abgeschlossen. John Degenkolb verhinderte mit seinem Tageserfolg eine Nullrunde wie 2010, als es letztmals keinen einzigen deutschen Etappensieg gegeben hatte. Am Sonntag verpasste er den Triumph auf dem Pariser Prachtboulevard Champs Elysees nur knapp.

„Wir waren die letzten Jahre auch immer ein bisschen verwöhnt“, sagte Sunweb-Fahrer Simon Geschke. Allen voran die deutschen Top-Sprinter Marcel Kittel und Andre Greipel schoben Frust. Mit ihren Erfolgen hatten sie der Tour in der jüngeren Vergangenheit regelmäßig einen schwarz-rot-goldenen Anstrich verpasst. Nun blieben beide sieglos – und sorgten auch abseits der erfolglosen Etappenjagd für Negativschlagzeilen.

„Es ist hart und enttäuschend“, sagte Kittel. Der 30-Jährige hatte die Tour 2017 mit fünf Tageserfolgen geprägt. Ein Jahr später ragte der deutsche Rekordetappensieger erneut heraus, wenn auch ganz anders als geplant. Nach fehlenden Siegen in der sprinterfreundlichen ersten Woche fiel sein Sportlicher Leiter Dimitri Konyschew in einem Zeitungsinterview öffentlichkeitswirksam über Kittel her, warf ihm unter anderem „Egoismus“ vor.



Kurz darauf fiel Kittel auf der schweren Alpenetappe nach La Rosiere aus dem Zeitlimit. Das Debakel war perfekt. „Es lief nicht alles rund dieses Jahr“, sagte Kittel. Auch wenn er mehrfach ein Bekenntnis zum Team Katusha-Alpecin abgab, dürfte diese Große Schleife nicht folgenlos bleiben. Ob Kittel im kommenden Jahr noch für den Schweizer Rennstall mit russischen Wurzeln fährt, könnte von der Aufarbeitung des Tour-Fiaskos abhängen.

Auch Greipel musste die Heimreise lange vor der Zielankunft in Paris antreten, nachdem er auf dem Weg nach L‘Alpe d‘Huez wie auch sein Helfer Marcel Sieberg vorzeitig ausgestiegen war. Der 36-jährige Greipel, der sich nach acht Jahren bei Lotto-Soudal ein neues Team suchen muss, war in den Sprints immerhin präsenter als Kittel. Eine Twitter-Attacke auf seinen französischen Sprint-Rivalen Arnaud Demare warf allerdings ein schlechtes Licht auf Greipel.

Glücklos verlief das Rennen für Kittels Teamkollegen Rick Zabel, der gemeinsam mit Greipel ausstieg, sowie für Tony Martin. Der viermalige Zeitfahr-Weltmeister erlitt bei einem Sturz auf der 8. Etappe eine Wirbelfraktur. Den Start bei der Straßenrad-WM in Innsbruck (23. bis 30. September) will Martin dennoch nicht ausschließen.

Die Tour war aber längst nicht für alle deutschen Fahrer zum Vergessen. Klassiker-Jäger Degenkolb erfüllte sich mit dem Sieg auf der Roubaix-Etappe einen Karrieretraum. „Es war eine super Tour, ich bin happy, dass es endlich geklappt hat“, sagte Degenkolb dem SID zu seiner persönlichen Bilanz: „Die besonders harten Bergetappen haben unseren Sprintern nicht in die Karten gespielt.“

Nikias Arndt machte beim Team Sunweb ebenso einen guten Job wie Teamkollege Geschke, der als zumeist letzter Berghelfer an der Seite des niederländischen Gesamtzweiten Tom Dumoulin glänzte. Geschke war als 25. der Gesamtwertung auch bester Deutscher. „Ich bin noch nie so eine gute Tour gefahren“, sagte der Berliner.

Auch die anderen deutschen Profis verdienten sich für ihre Helferdienste viel Lob. Marcus Burghardt schuftete beim deutschen Team Bora-hansgrohe für Weltmeister Peter Sagan (Slowakei), der zum sechsten Mal das Grüne Trikot gewann. Unauffällig, aber überaus wertvoll agierte Paul Martens beim Team LottoNL-Jumbo, das auch dank seiner Hilfe in Primoz Roglic (Slowenien/4.) und Steven Kruijswijk (Niederlande/5.) zwei Fahrer in den Top 5 platzierte.