| 22:51 Uhr

Formel 1 auf dem Hockenheimring
Vettel will den Heimfluch besiegen

Sebastian Vettel geht über die Rennstrecke am Hockenheimring. Vor der eigenen Haustür hat der Ferrari-Pilot bislang viele Enttäuschungen erlebt – und noch nicht gewonnen.
Sebastian Vettel geht über die Rennstrecke am Hockenheimring. Vor der eigenen Haustür hat der Ferrari-Pilot bislang viele Enttäuschungen erlebt – und noch nicht gewonnen. FOTO: dpa / Jan Woitas
Hockenheim. Der Ferrari-Pilot hat auf dem Hockenheimring noch nie gewonnen. Das soll sich an diesem Sonntag ändern. Von Walter Koster

Er kam, sah und siegte – im „Feindesland“, im Hamilton-Reich Silverstone. Mit diesem Triumph reist Sebastian Vettel mit stolz geschwellter Brust und viel Rückenwind zu seinem Heimrennen nach Hockenheim, knapp 50 Kilometer von seiner Geburtsstadt Heppenheim entfernt. Jetzt will der Ferrari-Star bei seinem sechsten Auftritt in der Kurpfalz endlich den weißen Fleck auf der Formel-1-Weltkarte tilgen. Auf 21 Rennstrecken hat Vettel seine bisher 51 Grand-Prix-Siege eingefahren. Der Hockenheimring scheint Seuche und Fluch gleichzeitig zu sein. Beides will er an diesem Sonntag (15.10 Uhr/RTL) besiegen.

Platz drei war 2010 im Red Bull trotz Pole Position und schnellster Rennrunde das beste Ergebnis vor Vettels „Haustür“ – hinter Sieger Fernando Alonso und Felipe Massa (beide Ferrari). Seinen einzigen Sieg bei einem Großen Preis von Deutschland fuhr Vettel 2013 auf dem Nürburgring ein, dem bisher letzten Rennen in der Eifel. Michael Schumacher ist mit vier Siegen (1995 Benetton, 2002, 2004, 2006 alle Ferrari) der Hockenheim-König.

„Ich denke, in Hockenheim kann ich vor heimischem Publikum um den Sieg kämpfen. Er wäre hier speziell und würde mir mehr bedeuten als 25 Punkte“, lautet der Wunsch von Vettel. „Die vielen Fans mit hoffentlich roten Flaggen sind eine zusätzliche Motivation. Und dadurch, dass so viele Freunde und die Familie da sein werden, ist es etwas ganz Besonderes. Es kribbelt jedenfalls“, beschreibt Vettel seine Gefühlslage. Mit einem Vorsprung von acht Punkten auf Mercedes-Erzrivale Lewis Hamilton (171:163) ist er zu diesem elften Saisonlauf ins badische Motodrom gekommen. Bei zehn noch ausstehenden Rennen ist das nur eine Nichtigkeit. Zum ersten Mal aber kommt Vettel mit Ferrari als Favorit in das Spargelstädtchen.



Das Weltmeister-Team Mercedes ist nach dem Doppelausfall in Österreich und „nur“ Platz zwei von Hamilton bei seinem Heimspiel auf der Insel leicht angeschlagen. „Trotz guter Arbeit haben wir nicht genügend Siege in diesem Jahr geholt. Wir sind ein paar Mal gestolpert“, merkt WM-Titelverteidiger Hamilton kritisch an: „Wir müssen wieder gewinnen.“

An der Spitze der WM tobt weiterhin das Duell zwischen den Roten und den Silbernen. Gleich fünf Mal wechselte bisher die Führung zwischen Vettel und Hamilton. Nach Siegen steht es 4:3 für Ferrari. „Im Moment klappt alles sehr gut. Nur dürfen wir uns nicht in Sicherheit wiegen und ablenken lassen“, betont Vettel: „Die Meisterschaft ist derzeit sehr eng, aber auch noch sehr lang, und Lewis und Mercedes sind sehr stark. Man darf auch Red Bull nicht abschreiben.“

Die roten Renner, selten so zuverlässig, scheinen aktuell keine Schwächen zu haben. Ferrari hat nur einen Ausfall zu verzeichnen (Mercedes zwei). Vettel ist der einzige der 20 Piloten, der in allen zehn Rennen die Zielflagge sah. Doch durch Fahrfehler beider Piloten, Vettel und Kimi Räikkönen, durch falsche Strategie-Entscheidungen und auch Pech hat das Team wichtige Punkte liegen lassen. Auch bei Mercedes lief nicht alles rund. Mit ihrer Strategie lagen sie bisweilen ebenfalls daneben. Und bei den Starts haperte es. Doch trotz der Probleme ist der deutsche Werks-Rennstall das Team, das es in Hockenheim zu schlagen gilt. „Obwohl wir in den drei letzten Rennen nicht die maximale Punktezahl herausgeholt haben, hatten wir immer das schnellste Auto“, bilanziert Mercedes-Sportchef Toto Wolff.

Vettel darf sich rühmen, mit seiner Ferrari-Göttin „Loria“ das mit Abstand beste Auto zu haben, das ihm sein Rennstall bislang auf die Räder gestellt hat. Der beste Ferrari gegen das schnellste Auto. Nebenbei: Mercedes dominierte die beiden letzten Hockenheim-Rennen, Nico Rosberg 2014 und Hamilton 2016.

Vor der möglichen Abschiedsvorstellung heißt es 2018: Kann Mercedes nach einem Durchhänger die WM-Führung in der Fahrer- und Konstrukteurs-Wertung im „Auswärtsspiel“ zurückerobern? Oder gelingt es Vettel, mit seinem ersten Sieg im „Heimspiel“ seine Führung auszubauen? Die Alpha-Tiere werden sich weiter regelmäßig die Führung entreißen. „Und ich erwarte nicht, dass sich daran etwas ändern wird“, ist Sportchef Wolff überzeugt.