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Großer Preis von Singapur steht an
Jetzt muss Vettel die Aufholjagd starten

Der Druck auf Sebastian Vettel ist in den letzten Wochen gewaltig gewachsen. Nur noch sechs Rennen bleiben in dieser Saison. Sein Rückstand auf Platz eins beträgt 30 Punkte.
Der Druck auf Sebastian Vettel ist in den letzten Wochen gewaltig gewachsen. Nur noch sechs Rennen bleiben in dieser Saison. Sein Rückstand auf Platz eins beträgt 30 Punkte. FOTO: dpa / Zsolt Czegledi
Singapur. Der Ferrari-Pilot steht im Kampf um den WM-Titel beim 15. Saisonrennen der Formel 1 in Singapur unter Druck. Er muss liefern. sid

Vielleicht steht dieser wichtige Grand Prix in der Nacht von Singapur ja unter einem guten Stern für Sebastian Vettel. Vor fast auf den Tag genau zehn Jahren feierte er seinen ersten Sieg überhaupt in der Formel 1, seine außergewöhnliche Karriere nahm Fahrt auf – an diesem Sonntag (14.10 Uhr/RTL) braucht Vettel nun unbedingt einen Erfolg, um den Endspurt zum ersten WM-Titel mit Ferrari zu starten.

„Ich bin selbst mein größter Gegner“, sagt Vettel: „Ich muss mich auf meine Leistung konzentrieren. Wenn die stimmt, dann können mir die anderen nichts anhaben.“ Das hat bislang allerdings zu selten geklappt. 30 Punkte beträgt sein Rückstand vor dem 15. von 21 Rennen auf Weltmeister Lewis Hamilton im Mercedes, und in den vergangenen Monaten setzte es ziemlich viele Enttäuschungen für Vettel.

Vielleicht lohnt gerade deshalb ein Blick zurück für den Jubilar. Am 14. September 2008 stieg Vettel in Monza in einem schwierigen Regenrennen zum damals jüngsten Grand-Prix-Sieger der Geschichte auf, gewann seitdem 51 weitere WM-Läufe und holte vier Titel. Und trotzdem gibt es immer noch Zweifler, die seine WM-Triumphe vor allem mit dem damals so starken Red-Bull-Boliden begründen, die Vettel wahre Ausnahmeklasse absprechen. Zu viele Fehler, unter Druck zu anfällig – und leider liefert die aktuelle Saison mehr als genug Belege für eben diese Theorie.



Unter anderem in Baku, Le Castellet, Hockenheim und Monza ließ Vettel wichtige Punkte durch Unfälle oder Ausritte liegen, mal waren es offensichtliche Fehler, mal war viel Pech dabei. Unter dem Strich bleibt, dass Ferrari die WM ziemlich deutlich anführen könnte.

Trotz allem ist aber nichts verloren. Das Auto ist schnell genug, um noch aus eigener Kraft den Titel zu gewinnen. Er muss nun den Anfang in Singapur machen, denn größer darf der Rückstand nicht mehr werden. Auf den ersten Blick spricht alles für Ferrari. Vier Mal hat Vettel in Singapur schon gewonnen, das ist Rekord. Und der kantige Stadtkurs war schon zu Zeiten, als Mercedes noch das klar beste Auto im Feld hatte, eine „Ferrari-Strecke“.

Die Silberpfeile sind deshalb nicht mit den besten Gefühlen angereist. „Singapur weist Eigenschaften auf, mit denen wir in der Vergangenheit zu kämpfen hatten“, sagt Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff. Durch die „kurzen Geraden, die langsamen, engen Kurven und die wellige Streckenoberfläche“ sei es eine der „kniffligsten Strecken“ im Kalender der Formel 1.

Hamilton wirkt dennoch entspannt, der WM-Spitzenreiter ruht in sich. Ganz nebenbei hat er vor wenigen Tagen in Shanghai seine erste eigene Modekollektion vorgestellt, das sei eine Ablenkung vom Renn­alltag, aber keine störende. „Ich habe trotzdem jeden Moment über den Rennsport nachgedacht“, sagt er, „und darüber, wie ich diesen Titel gewinnen kann“.

Als Favorit geht aber Vettel in dieses Wochenende, und doch wirkt das Unterfangen trotz aller Motivation wacklig. Dazu trägt vielleicht auch die Erinnerung an das vergangene Jahr bei, als Vettel und sein Teamkollege Kimi Räikkönen schon am Start kollidierten – für den Deutschen war es der Anfang vom Ende im Kampf um die WM.