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NBA
„Verstörend und herzzerreißend“

„Man kann nichts verharmlosen, es ist entsetzlich“: Mark Cuban, Besitzer der Dallas Mavericks, zeigte sich schockiert darüber, dass sich die Vorwürfe über sexuelle Belästigung in seinem Club bewahrheitet haben.
„Man kann nichts verharmlosen, es ist entsetzlich“: Mark Cuban, Besitzer der Dallas Mavericks, zeigte sich schockiert darüber, dass sich die Vorwürfe über sexuelle Belästigung in seinem Club bewahrheitet haben. FOTO: picture alliance / dpa / Cj Gunther
Dallas/Hamburg. Sexuelle Belästigung und vergiftete Atmosphäre am Arbeitsplatz: Die Anschuldigungen gegen die Dallas Mavericks haben sich in einer Untersuchung bestätigt. Besitzer Mark Cuban ist entsetzt und bittet öffentlich um Entschuldigung.

Mark Cuban redete mit leiser Stimme, fast im Flüsterton. Der Besitzer der Dallas Mavericks, dunkler Anzug und weißes Hemd, schüttelte immer wieder den Kopf, er presste die Lippen zusammen. Cuban rang nach Fassung. „Man kann nichts verharmlosen. Es ist entsetzlich“, sagte der milliardenschwere Unternehmer. Und: „Ich trage die Verantwortung.“

Der Auftritt von Dirk Nowitzkis Klubboss beim TV-Sender ESPN schlug in den Vereinigten Staaten hohe Wellen. Der Anlass war bitterernst. Über Jahre hat es im Backoffice des Meisters von 2011 ein völlig vergiftetes Arbeitsklima gegeben. Mitarbeiterinnen wurden Opfer sexueller Belästigung, zu diesem Ergebnis kam nun eine unabhängige Kommission der nordamerikanischen Basketball-Profiliga NBA nach siebenmonatiger Untersuchung.

„Die Ergebnisse der unabhängigen Untersuchung sind verstörend und herzzerreißend. Kein Angestellter innerhalb der NBA und in der Gesellschaft sollte in so einem Klima arbeiten“, sagte NBA-Boss Adam Silver. Die Kommission hatte zuvor 215 frühere und aktuelle Angestellte der Mavericks befragt und 1,6 Millionen Dokumente, inklusive Emails, gesichtet. Das Ergebnis war erschütternd. Anschuldigungen wurden vor allem gegen den bis 2015 in Dallas aktiven Mavs-Präsidenten – und Geschäftsführer Terdema Ussery sowie gegen Ticket-Manager Chris Hyde und Mavericks-Berichterstatter Earl Sneed erhoben.



Cuban, der ausdrücklich vom Verdacht ausgenommen wurde, entschuldigte sich in aller Form bei den Opfern. Er zahlte als erste Maßnahme zehn Millionen Dollar an Organisationen, die sich für die Rechte betroffener Frauen einsetzen. Die maximale Strafe seitens der NBA hätte 2,5 Millionen betragen. „Wenn mir jemand so etwas aus einer anderen Firma zeigen würde, würde ich sagen, dass man keinen größeren Fehler machen kann“, sagte Cuban, der sich nach eigenen Angaben zu lange zu wenig um die Mitarbeiter in den Büros der Mavs gekümmert hat. Er habe von der Schwere der Missstände nichts gewusst.

Verstörende Details verschlugen ihm im ESPN-Interview fast die Sprache: Einem Mitarbeiter, der wegen des Konsums von Pornofilmen am Arbeitsplatz seinen Schreibtisch hatte umstellen müssen, soll nach der Mittagspause ein benutztes Kondom aus der Hosentasche gefallen sein, es gab körperliche Annäherungen und Gewalt. Nah dran war der 60 Jahre alte Cuban laut eigener Angaben aber nur beim Team um Nowitzki, das mit den Vorwürfen nichts zu tun hat.

Der deutsche Starspieler hatte sich schon nach dem ersten Bericht der Sports Illustrated im Februar entsetzt gezeigt. „Ich war angewidert, als ich den Artikel gelesen habe – so wie jeder“, sagte Nowitzki, der im Oktober in seine 21. Saison im Trikot der Texaner geht: „Ich war schockiert, dass in unserer Franchise, in meiner Franchise, solche Sachen passiert sind.“ Es breche ihm das Herz.

Die Mavs sind schwer getroffen und stehen unter genauer Kontrolle der Liga-Führung. Damit künftig eine gesunde Arbeitskultur herrscht, wurde der Klub, für den in Nationalspieler Maximilian Kleber ein zweiter deutscher Profi spielt, zu einer Reihe von Maßnahmen angehalten. Der Anteil an Frauen in der Belegschaft soll künftig erhöht werden, regelmäßige, anonyme Umfragen sollen mögliche Fehltritte deutlich schneller aufdecken.

Cuban wird sein mangelnder Durchblick noch lange beschäftigen. Die Missstände hätten ihn in der Rückschau direkt angesprungen, sagte er: „Ich habe sie nicht gesehen.“

Schwere Zeiten für den Klub des deutschen Basketball-Stars Dirk Nowitzki.
Schwere Zeiten für den Klub des deutschen Basketball-Stars Dirk Nowitzki. FOTO: dpa / Lukas Schulze