| 21:13 Uhr

Ironman-WM auf Hawaii
Der Titelverteidiger setzt neue Maßstäbe

Patrick Lange reißt nach 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen im Ziel des Ironman die Arme hoch. Erstmals unterbot ein Athlet die Acht-Stunden-Marke auf Hawaii.
Patrick Lange reißt nach 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen im Ziel des Ironman die Arme hoch. Erstmals unterbot ein Athlet die Acht-Stunden-Marke auf Hawaii. FOTO: AP / Marco Garcia
Kailua. Patrick Lange hat zum zweiten Mal die Ironman-WM auf Hawaii gewonnen – und dabei eine beeindruckende Fabelzeit in die Ergebnislisten gebrannt. Die gebürtige Bayreutherin Anne Haug debütierte als starke Dritte. sid

Der Sturm in die Geschichtsbücher war plötzlich Nebensache. Als Patrick Lange nach der Tortur durch das Südsee-Paradies seine Traumfrau Julia erblickte, nahm er ein allerletztes Mal an diesem Tag sein Herz in die Hand und stellte kniend die Frage aller Fragen. „Sie hat Ja gesagt“, stammelte der alte und neue Ironman-Weltmeister nach dem perfekten Ende seines „intensivsten und schönsten Tages aller Zeiten“. Mit einer Fabelzeit von 7:52:39 Stunden hatte der 32-Jährige auf Hawaii zunächst den härtesten Triathlon der Welt als erster Mensch unter acht Stunden beendet und vor Bart Aernouts (Belgien) und David McNamee (Großbritannien) gesiegt. 3,8 Kilometer legte er dabei schwimmend, 180 Kilometer auf dem Rad und 42,195 Kilometer zu Fuß zurück, ehe er im Zielbereich mit letzter Kraft um die Hand seiner Lebensgefährtin anhielt.

„Es hat sich richtig angefühlt, denn sie ist die Liebe meines Lebens. Ich wusste es von der ersten Sekunde an“, schwärmte Lange über seine künftige Ehefrau, deren Vater er aufgrund der Spontaneität gar nicht hatte um Erlaubnis fragen können. „Das werde ich dann wohl noch nachholen müssen“, sagte Lange grinsend. Dass der Schwiegervater in spe noch sein Veto gegen die gemeinsame Zukunft einlegen wird, ist allerdings sehr unwahrscheinlich. Schließlich verriet Lange, dass sein historischer Sieg nur dank der Unterstützung der Lieb­sten aus der Familie möglich wurde. „Alle haben an mich geglaubt und zu mir gehalten“, sagte der Champion bewegt: „Meine Familie, meine Freunde und natürlich meine Verlobte.“

Die vor allem emotionale Hilfe beim Weg zurück auf den Triathlon-Thron war auch notwendig, denn Lange hatte bis zu diesem Samstag keine allzu gute Saison erlebt. Die direkten Duelle gegen den zweimaligen Hawaii-Sieger Jan Frodeno, der diesmal wegen einer Stressfraktur in der Hüfte nicht teilnehmen konnte, verlor Lange deutlich. Zudem ging die Generalprobe für das wichtigste Rennen des Jahres mächtig in die Hose.



Für Lange waren das die Folgen des Erfolgs. „Mit meinem Sieg im Vorjahr hat sich alles verändert, ich wurde von allen Seiten gejagt“, erklärte der Darmstädter, von dem seither nur noch Siege erwartet worden waren: „Ich funktioniere allerdings nur gut, wenn ich keinen Druck habe.“ Auch deshalb sagte er sich vor der 40. Austragung im Ironman-Mekka, dass „ich einfach nur unter die Top Zehn kommen will“. Spätestens nach dem für seine Verhältnisse vorzüglichen Rad­abschnitt, den er auch aufgrund der ausbleibenden Winde so gut wie nie zuvor bewältigte, nahm der erneute Triumph konkrete Formen an. „Die Inselgöttin hat uns einen extrem guten Tag geschenkt“, sagte Lange, dessen guter Kumpel Andreas Dreitz auf dem Rad als Lokomotive fungierte und das Tempo hochhielt. Auf der Laufstrecke zog Lange dann unwiderstehlich an der Konkurrenz vorbei.

Ein großartiges Hawaii-Debüt feierte Anne Haug. Die 35 Jahre alte gebürtige Bayreutherin musste sich nur der Schweizerin Daniela Ryf bei deren viertem Triumph nacheinander und der Britin Lucy Charles geschlagen geben. Haug, die nach zwei Olympia-Teilnahmen erst 2017 auf die längeren Triathlon-Distanzen gewechselt ist, kam nach 8:41:58 Stunden in Kailua-Kona ins Ziel. Sie sorgte damit für die erste Medaille einer Deutschen seit Sandra Wallenhorst vor zehn Jahren. „Hart, sehr sehr hart war es“, sagte Haug, „ich freue mich nur noch auf ein Sofa, ein bisschen Schlaf, eine Cola und Pizza.“

Siegerin Ryf sprach vom wahnsinnigsten Sieg, den sie je erlebt habe. Zwei Minuten vor dem Startschuss war die 31-Jährige nämlich von einer Feuerqualle im Armbereich attackiert worden, was sie beim Schwimmen extrem behinderte. „Vielleicht hat mir das einen extra Adrenalinschub gegeben“, kommentierte sie.

Anne Haug feierte ein starkes Debüt auf Hawaii und schaffte als Dritte den Sprung aufs Podium.
Anne Haug feierte ein starkes Debüt auf Hawaii und schaffte als Dritte den Sprung aufs Podium. FOTO: AP / Marco Garcia