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106. Tour de France
Sky-Erbe Ineos: Ohne Froome und ohne Pfiffe durch die Tour

Brüssel. Das Team Sky heißt jetzt Ineos und muss bei der Tour de France auf Chris Froome verzichten. An den Verhältnissen hat sich aber nichts geändert. sid

Kein Sky-Logo, kein Chris Froome – keine Pfiffe: Das mächtigste Team des Radsports, das jetzt Ineos heißt, hat sich in Brüssel unter höflichem Beifall den Fans der Tour de France präsentiert. Doch auch wenn sich der Volkszorn, der das Team sonst mit voller Wucht trifft, verflüchtigt hat – geändert hat sich nichts am Konzept, mit viel Geld und gnadenlosen Methoden maximalen Erfolg zu suchen.

„Man muss sich nur das Budget angucken. Wir haben vielleicht ein Drittel von Ineos. Das ist, als wenn Bayern München gegen Erzgebirge Aue spielt. Man kann schon sagen, dass Geld Radrennen gewinnt“, sagte der deutsche Profi Rick Zabel, dessen Katusha-Team selbst nicht zu den armen Schluckern gehört. Die Mannschaft von Teamchef Dave Brailsford spielt auch unter dem neuen Geldgeber in einer anderen Liga – mit einem Budget von geschätzten 40 Millionen Euro. Sportlich mit dem Luxus, bei der am Samstag beginnenden Tour sowohl in Geraint Thomas den Titelverteidiger als auch in Egan Bernal die Topfavoriten aufbieten zu können.

Vor allem an Froome hatte sich der Fan-Furor entzündet. Vor der Tour 2018 hatte die Asthmamittel-Affäre um den viermaligen Champion ihren Höhepunkt gefunden, der Brite wurde trotz eines positiven Tests vom Dopingvorwurf freigesprochen. Der Zorn gipfelte während der Rundfahrt in der körperlichen Attacke eines Zuschauers gegen Froome.



Auf dem Grand Place von Brüssel wurde Ineos nun am Donnerstag als letztes Team von den Zuschauern eher beiläufig empfangen, der amtierende Tour-Champion Thomas wurde respektvoll beklatscht. Thomas hatte bei der Vorjahres-Tour seinen Kapitän Froome entthront – für sein Team ein kleiner Glücksfall: Der kumpelige Waliser ist ein ganz anderer Typ als der so kühle Froome, dem oft misstraut wurde. Auch Bernal, das kolumbianische Wunderkind, präsentierte sich in Brüssel volksnah, freundlich, smart, höflich. „Um ehrlich zu sein, denke ich nicht über das Gelbe Trikot nach. Die Tour ist so ein großes Rennen, vor dem ich viel Respekt habe. Und ich bin erst 22“, sagte Bernal. Seine Ambitionen wolle er dem Teamerfolg unterordnen.

Ineos könnte 2019 eine Tour ohne Nebengeräusche erwarten. Was aber, wenn eine breite Öffentlichkeit sich daran stößt, dass der seit Mai namensgebende Chemiemulti Ineos, unter anderem einer der weltgrößten Plastikproduzenten, kein Sponsor zum Liebhaben ist?