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106. Tour de France
„Gorilla“ Greipel macht sich keine falschen Hoffnungen

 André Greipel mischte bei den Sprintetappen der Tour oft vorne mit.  Foto: Frey/dpa
André Greipel mischte bei den Sprintetappen der Tour oft vorne mit. Foto: Frey/dpa FOTO: dpa / Thomas Frey
Brüssel. Der einstige deutsche Topsprinter hat nicht die Form der Vorjahre – und die Konkurrenz ist bärenstark. sid

Auf den Etappenplan der 106. Tour de France hat Andre Greipel nur einen flüchtigen Blick geworfen. Doch was ihn beim Auftakt am Samstag in Brüssel erwartet, weiß der deutsche Radprofi, der wegen seiner beeindruckenden Physis auch „Gorilla“ genannt wird, ganz genau. Ein Sprinter, einer wie er, wird im Ziel der ersten Etappe das Gelbe Trikot überstreifen dürfen. „Solche Chancen hat man nicht oft“, sagte Greipel und schob das große „Aber“ schnell hinter: „Von einem Sieg möchte ich momentan nicht reden. Ich bin da ziemlich
realistisch.“

Über Jahre dominierten Greipel und der andere deutsche Top-Sprinter Marcel Kittel die Massenankünfte bei der Frankreich-Rundfahrt, gemeinsam bringen sie es auf 25Tageserfolge seit 2011. Auch John Degenkolb mischte stets vorne mit. Bei der Tour 2019 kommt es nun zur Zäsur: Die Ära der deutschen Sprint-Dominanz auf Frankreichs Straßen ist voraussichtlich (vorerst) vorbei. Der Trend hatte sich schon im Vorjahr angedeutet, als Degenkolb den einzigen deutschen Etappensieg holte – im Sprint einer dreiköpfigen Fluchtgruppe. Ein Jahr später stehen die Vorzeichen sogar noch viel schlechter.

Für Degenkolb war im Aufgebot des Teams Trek-Segafredo wegen der Klassement-Hoffnungen des Australiers Richie Porte kein Platz. Und Greipel fährt seit dem Wechsel zum französischen Zweitdivisionär Arkea-Samsic seiner Bestform hinterher. Außerdem klagte er zuletzt zudem über körperliche Probleme. Kittel, 2017 mit fünf Etappensiegen noch der Überflieger und lange Anwärter auf den Gewinn des Grünen Trikots, steht gar vor einer ungewissen Zukunft als Radprofi. 14 Etappensiege hat er auf dem Konto, zweimal (2013, 2014) gewann er sogar den Auftakt und übernahm vorübergehend das Gelbe Trikot. Nach einem anhaltenden sportlichen Tief löste er im Mai allerdings seinen Vertrag beim Team Katusha-Alpecin auf. Wie es mit dem 31-Jährigen weitergeht, ist noch völlig offen.



Zuletzt waren Gerüchte aufgekommen, wonach sich Kittel in Gesprächen mit dem Team Jumbo-Visma befände, der Mannschaft von Tony Martin. „Wir haben drüber gesprochen. Aber Marcel ist noch in der Findungsphase“, sagte Martin. Fest steht: Kittel wird das wichtigste Radrennen der Welt in diesem Jahr im TV verfolgen.

Dass er Greipel jubeln sehen wird, gilt als unwahrscheinlich. Der 36-Jährige hat nicht die Form der Vorjahre, zudem muss er auf einen Sprintzug verzichten. Auch an Konkurrenz mangelt es nicht. Der Italiener Elia Viviani (Deceuninck-Quick Step), der dreimalige Weltmeister Peter Sagan (Slowakei/Bora-hansgrohe), Dylan Groenewegen (Niederlande/Jumbo-Visma) oder der Australier Caleb Ewan, Greipels Nachfolger bei Lotto-Soudal, sind stärker einzuschätzen.