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Pferdesport
Springreiter-Idol Winkler ist tot

Auch 1975 waren Hans Günter Winkler und sein Wunderpferd Halla ein Herz und eine Seele.
Auch 1975 waren Hans Günter Winkler und sein Wunderpferd Halla ein Herz und eine Seele. FOTO: dpa / Horst Ossinger
Warendorf. Der erfolgreichste deutsche Springreiter Hans Günter Winkler starb mit 91 Jahren.

Deutschlands Springreiter-Idol Hans Günter Winkler ist tot. Wie die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) gestern bestätigte, verstarb der fünfmalige Olympiasieger in der Nacht zu Montag kurz vor seinem 92. Geburtstag. Nach einem plötzlichen Herzstillstand sei er zuvor in ein Krankenhaus eingeliefert worden.

Legendär ist bis heute sein Ritt zu Olympiagold auf der Wunderstute Halla 1956. Damals schrieb Winkler deutsche und olympische Sportgeschichte. Alles kam an diesem 17. Juni 1956 zusammen, bei den Reiterspielen von Stockholm. Nationenpreis, erster Umlauf, bei der Landung nach dem letzten der 13 Hindernisse schreit Winkler auf, ein Muskel in der linken Leiste ist gerissen, die Schmerzen rauben ihm fast den Verstand. Aber der zweite Umlauf steht an, es geht um Olympiagold für Deutschland, und deshalb ist es für Winkler keine Frage, ob er reitet. Er lässt sich in den Sattel heben, Medikamente und eine ganze Kanne Kaffee haben sein Bewusstsein vernebelt, doch Halla weiß, was zu tun ist. Unbeeindruckt trägt sie ihren Reiter über die Hindernisse, fehlerfrei, ohne Zögern. „Als ich sie brauchte, war sie für mich da“, sagte Winkler.

Durch seine fünf Gold- sowie jeweils einer Silber- und Bronzemedaille ist Winkler der erfolgreichste Springreiter in der Geschichte der Olympischen Spiele. 1960 in Rom, 1964 in Tokio und 1972 in München gelangen „HGW“ Wiederholungen seines Mannschaftserfolges von Stockholm. Zu den Erfolgen des gebürtigen Wuppertalers gehören außerdem die WM-Einzeltitel 1954 (Madrid) und 1955 (Aachen). Bei EM-Championaten stand der gelernte Bankkaufmann 1957 auf dem obersten Podest. Zwei Jahre später gelang ihm sein einziger Titelgewinn bei deutschen Meisterschaften. 1986 beendete Winkler seine einmalige Laufbahn beim CHIO in Aachen.



Für Bundestrainer Otto Becker ist der Tod der Reit-Legende „ein großer Verlust“. Olympiasieger Ludger Beerbaum bezeichnete Winkler als „große Reitsportpersönlichkeit, die den Pferdesport mitgeprägt hat“.