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Rusada wieder in Wada aufgenommen
Russland kehrt in den Schoß des Weltsports zurück

Victoria/Seychellen. Die Welt-Anti-Doping-Agentur steht nach der Begnadigung Russlands vor einer Zerreißprobe und Glaubwürdigkeitskrise. Das Wada-Exekutivkomitee entschied am gestriegen Donnerstag auf den Seychellen mit 9:2 Stimmen bei einer Enthaltung, dass die russische Agentur Rusada nach dreijähriger Sperre wieder regelkonform ist. dpa

Die Rückkehr der Sportgroßmacht in den Weltsport wurde aber mit der Bedingung verknüpft, der Wada bis spätestens zum 30. Juni 2019 den Zugang zum Moskauer Analyselabor und den dortigen Doping-Daten und -Proben zu gewähren.

Diese Einschränkung konnte die heftige Empörung über den auf der sportpolitischen Ebene eingefädelten Beschluss nicht dämpfen. „Die Entscheidung der Wada, die russische Anti-Doping Agentur zum jetzigen Zeitpunkt als regelkonform arbeitend, einzustufen, ist ein herber Rückschlag für uns“, sagte Andrea Gotzmann, Vorstandschefin der deutschen Anti-Doping-Agentur. „Die Entscheidung setzt ein falsches Signal. Das Vertrauen in die Wada ist massiv erschüttert.“

Scharfe Kritik kam auch von deutschen Sportpolitikern. Für die Sportausschussvorsitzende des Bundestages, Dagmar Freitag (SPD), sind „die schlimmsten Befürchtungen eingetreten.“ Ihre FDP-Kollegin Britta Dassler sieht einen weiteren Verlust der Glaubwürdigkeit der Wada durch dieses Votum. „Es ist schade, dass die Welt-Anti-Doping-Agentur vor Russland eingeknickt ist“, sagte sie. Der Anti-Doping-Experte Fritz Sörgel sieht den Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees als Drahtzieher der nun beschlossenen Rückkehr Russlands auf die Weltbühne. „Thomas Bach hatte einen Masterplan, in dem vorgegeben war, wie man es in dieser Sache gut sein lässt“, sagte er.



Die russische Regierung begrüßte die Wiederzulassung. „Russland bekräftigt seine Treue zum Prinzip des sauberen Sports“, sagte die für Sport zuständige Vizeregierungschefin Olga Golodez. Rusada-Generaldirektor Juri Ganus appellierte, keine weiteren Skandale zuzulassen: „Die Sportler müssen sich anstrengen und ehrlich siegen.“ Für den amerikanischen Chef der Agentur Usada, Travis Tygart, ist es dagegen „ein vernichtender Schlag für die sauberen Athleten der Welt“.