| 21:17 Uhr

Leichtathletik-DM in Nürnberg
Robert Harting: Letzte Ausfahrt Nürnberg

Für Robert Harting ist die DM in Nürnberg mehr als nur ein Schaulaufen vor der Europameisterschaft. Er muss das EM-Ticket erst noch lösen.
Für Robert Harting ist die DM in Nürnberg mehr als nur ein Schaulaufen vor der Europameisterschaft. Er muss das EM-Ticket erst noch lösen. FOTO: dpa / Bernd Thissen
Nürnberg. Schafft Diskus-Olympiasieger Robert Harting bei der DM in Nürnberg noch die Qualifikation für die Heim-EM? 

  Für die meisten Spitzenleichtathleten sind die 118. deutschen Meisterschaften in Nürnberg (20.-22. Juli) nur noch letzter Härtetest und Generalprobe für die Heim-EM in Berlin. Schließlich sind schon 80 Athleten für die europäischen Titelkämpfe nominiert. Weitere 30 bis 40 Asse und Talente sollen dazu kommen, um das größte EM-Aufgebot seit 2000 an den Start zu schicken. Ausgerechnet einer der größten deutschen Leichtathleten muss am Ende seiner Karriere um die letzte Europameisterschafts-Teilnahme zittern: Robert Harting.

Der 33 Jahre alte Diskus-Olympiasieger aus Berlin muss wohl schon den elften Meistertitel holen, um bei der EM ein letztes Mal in den Ring steigen zu können. Bisher liegt er in der Bestenliste mit 65,13 Meter nur auf Platz fünf. Um ein EM-Ticket zu holen, müsste er zumindest den Olympia-Dritten Daniel Jasinski (Wattenscheid/66,59 Meter) noch vom dritten Rang verdrängen. Oder siegen, da der deutsche Meister unabhängig von der Weite automatisch nominiert wird.

„Ich zweifle überhaupt nicht daran, dass ich mich qualifiziere. Das ist in meinem Kopf einfach kein Szenario“, meinte Harting, der sich dafür eine schmerzende Sehne im rechten Knie „totspritzen“ ließ. „Robert Harting ist Robert Harting – mit viel Erfahrung und Motivation“, sagte Idriss Gonschinska, Cheftrainer des Deutschen Leichtathletik-Verbandes.



So spannend wird es in anderen Disziplinen nicht zugehen, wobei im Speerwurf immerhin Weltmeister Johannes Vetter mit einer „adäquaten Leistungsdarstellung“ nachweisen muss, was er nach Verletzungssorgen drauf hat – obwohl er mit 92,70 Meter die Nummer eins auf der Welt ist vor seinen deutschen Rivalen Andreas Hofmann (92,06) und Thomas Röhler (91,78).

Allerdings müssen auch die schon nominierten Athleten zeigen, was sie kurz vor der Heim-EM zu leisten vermögen. „Ich glaube, dass man 14 Tage vor einem internationalen Event die Form haben muss“, sagte Gonschinska. Steigerungen seien danach „mehr auf mentaler Ebene“ und weniger durch „klassisches Aufbautraining“ zu erreichen.“

Auch der Verbandschef erwartet im Max-Morlock-Stadion gute Leistungen. „Man muss schon zeigen, was man drauf hat und ein gewisses Level haben“, sagte der Präsident des Deutschen Leichthletikverbands, Jürgen Kessing. „Nürnberg ist in der Tat die Generalprobe für die EM.“

Sie soll aber auch Talenten des DLV wie Claudine Vita (Diskus), Konstanze Klosterhalfen (5000 Meter) oder Bo Kanda Lita Baehre (Stabhoch) die Chance bieten, sich fit für die Zukunft zu machen. „Für junge Athleten macht es Sinn, dass sie früh internationale Luft schnuppern“, meinte Kessing. „Denn 2019 gibt es schon die WM in Doha und 2020 die Olympischen Spiele in Tokio.“

 Hauptdarsteller des auf den Nürnberger Hauptmarkt ausgetragenen Titelkampfes im Kugelstoßen ist heute Abend neben Christina Schwanitz auch David Storl. Der 27 Jahre alte Leipziger hat nach einer Formkrise 2017 mit zuletzt 21,62 Meter bewiesen, dass große Weiten und die EM-Titelverteidigung möglich sind.