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Supercup
Real gerät ohne Ronaldo aus dem Takt

Enttäuscht schreitet Toni Kroos im Lilleküla Stadion an der Siegertrophäe für den Supercup-Gewinner vorbei. Bei seiner Elf Real Madrid läuft es ohne Superstar Cristiano Ronaldo vor dem Saisonstart in der Primera División noch nicht rund.
Enttäuscht schreitet Toni Kroos im Lilleküla Stadion an der Siegertrophäe für den Supercup-Gewinner vorbei. Bei seiner Elf Real Madrid läuft es ohne Superstar Cristiano Ronaldo vor dem Saisonstart in der Primera División noch nicht rund. FOTO: dpa / Marius Becker
Tallinn/Köln. Real Madrid verlor das erste Spiel ohne den abgewanderten Star. Die Supercup-Niederlage (2:4) gegen Stadtrivale Atletico schmerzt.

Das „weiße Ballett“ muss ohne seinen Superstar wieder tanzen lernen: Während Cristiano Ronaldo trifft und trifft, die Juventus-Fans ausgelassen jubeln können, gucken die Anhänger von Real Madrid in die Röhre. Bei der 2:4-Pleite nach Verlängerung im europäischen Supercup-Duell in Tallinn gegen den Stadtrivalen Atletico wurde die Lücke, die CR7 hinterlassen hat, offensichtlich. Die Königlichen gerieten aus dem Takt.

„Natürlich haben wir Cristiano vermisst, aber das ist jetzt Vergangenheit“, sagte Reals Mittelfeld-Ass Casemiro: „Jedes Team würde ihn vermissen.“ Der Weltfußballer ging derweil am Mittwochvormittag in einem Testspiel höchst erfolgreich für Juve auf Torejagd, am Abend hätte Real seine Qualitäten als Goalgetter gut gebrauchen können.

Der königliche Neustart ohne den 33-jährigen Portugiesen und Erfolgstrainer Zinedine Zidane ging dementsprechend in die Hose. Erstmals seit 18 Jahren verlor Real damit ein internationales Finale. 450 Tore erzielte Ronaldo in 438 Spielen für die Königlichen, die Frage nach einem Ersatz stellt sich für Neu-Trainer Julen Lopetegui nicht: „Ich glaube nicht, dass sich die Transferpolitik des Klubs ändert, abhängig davon, ob wir dieses Spiel jetzt gewonnen haben oder nicht.“



Neymar, Eden Hazard oder Robert Lewandowski waren immer wieder im Gespräch, doch die Real-Verantwortlichen setzen lieber auf Talente wie Marco Asensio, Neuzugang Vinicius Junior oder Borja Mayoral. Die Transferpolitik der Königlichen beruht derzeit auf dem Prinzip Zurückhaltung. Keine verrückten Transfersummen, Konstanz ist das oberste Credo.

Mit Erfolg, drei Champions-League-Titel in Serie sprechen für sich – aber immer mit CR7. Doch diese Beständigkeit wurde jetzt mit den Abgängen von Ronaldo und Erfolgscoach Zidane gebrochen. Im laufenden Transferfenster ist der belgische WM-Torhüter Thibaut Courtois bis dato die einzige prominente Verstärkung.

Der 26-Jährige war gegen seinen Ex-Klub angeblich wegen Problemen mit der Spielgenehmigung noch nicht im Einsatz. Der bisherige Stammtorhüter Keylor Navas lieferte aber nicht viele Argumente, um seine Position behalten zu dürfen. Denn es dauerte nur 49 Sekunden, bis Atletico jubeln durfte.

Der Nationaltorhüter von Costa Rica sah bei einem Schuss aus spitzem Winkel von Diego Costa nicht gut aus, es war das schnellste Tor der Supercup-Geschichte. Und der wohl schnellste Schock, den ein Trainer bei seinem Debüt erleben kann.

Lopetegui sah, wie seine Mannschaft dann über weite Strecken das bessere Team war, das Spiel zunächst drehte, es aber letztlich wieder aus der Hand gab. „Wir waren vielleicht zu sicher, sie haben den Sieg verdient“, sagte der 51-jährige Spanier. Individuelle Fehler in der Verteidigung könnten zwar passieren, sollten aber verhindert werden, fügte er hinzu.

Lopetegui hat ein großes Ziel vor Augen: „Wir müssen unsere Köpfe erheben und wissen, dass die Liga, der für mich wichtigste Wettbewerb der Saison, am Sonntag beginnt.“ Nur zwei Ligatitel in den letzten zehn Jahren stehen für Real zu Buche, Erzrivale FC Barcelona krönte sich in diesem Zeitraum bereits siebenmal zum Meister.

Ein 4:2-Sieg gegen den Stadtrivalen Real Madrid! Lucas Hernandez, Antonie Griezmann und Thomas Lemar (von links) bejubeln Atleticos Supercup-Triumph.
Ein 4:2-Sieg gegen den Stadtrivalen Real Madrid! Lucas Hernandez, Antonie Griezmann und Thomas Lemar (von links) bejubeln Atleticos Supercup-Triumph. FOTO: dpa / Marius Becker