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Fußball-WM in Russland
„Prince Harry“ verzückt das Mutterland

 Harry Kane schreit seine Freude heraus. Kurz vor dem Ende der Partie gegen Tunesien erzielt der Kapitän den Siegtreffer für England zum 2:1.
Harry Kane schreit seine Freude heraus. Kurz vor dem Ende der Partie gegen Tunesien erzielt der Kapitän den Siegtreffer für England zum 2:1. FOTO: dpa / Andreas Gebert
Wolgograd. Kapitän Kane gibt England den Glauben an eine erfolgreiche WM zurück.

Harry Kane war sich der Bedeutung des bislang wichtigsten Tores seiner Karriere bewusst. „Aus diesem Stoff sind Träume gemacht“, sagte der englische Kapitän nach seinem Last-Minute-Siegtreffer zum 2:1 (1:1) gegen Tunesien. Er lächelte vielsagend. Nicht nur, dass der 24-Jährige mit seinem Doppelpack dem Fußball-Mutterland nach den teilweise blamablen Turnierauftritten der Vergangenheit ein bisschen Hoffnung und Stolz zurückgab. Kane bewies auch, dass er auf der ganz großen Bühne mit den besten Stürmern der Welt mithalten kann.

„Ich freue mich für ihn persönlich sehr. Er kann Grenzen überwinden“, sagte Teammanager Gareth Southgate: „Wenn er nicht trifft, sitze ich aber hier und muss Fragen beantworten, ob er in Turnieren Tore schießen kann.“ Denn in der Heimat schwangen zuvor immer wieder Zweifel mit, ob Kane seine starken Leistungen nicht nur bei Tottenham Hotspur in der Liga zeigen könne, sondern auch, wenn es um Titel mit der Nationalmannschaft geht. Immer wieder wurde darauf hingewiesen, dass er vor zwei Jahren bei der Europameisterschaft nicht getroffen hatte.

Doch seit dem Montagabend in Wolgograd ist klar: Kane kann. Das bewies er eindrucksvoll. Drei Torschüsse, zwei Tore. Schon nach einem Einsatz habe er doppelt so viele WM-Tore wie Wayne Rooney erzielt, wurde aus der Heimat etwas hämisch in Richtung des Ex-Kapitäns kommentiert. Und: Der letzte englische Spieler, der bei einer WM einen Doppelpack erzielte, war Sturm-Idol Gary Lineker. Das war 1990.



Persönliche Erfolge sind für Kane aber nur ein Aspekt, vor allem im Nationaltrikot. Immer wieder hatte er betont, welche Ehre es sei, das Team als Kapitän zu führen. Wie wichtig es sei, dass die Menschen wieder stolz auf England sein können. „Das Größte für ihn wird der Stolz sein, sein Land zum Sieg zu führen“, sagte Southgate. Er hatte damit nicht Unrecht. „Was für ein Gefühl, England bei der WM zum Sieg zu schießen. Ich habe es genossen“, sagte Kane.

Nicht nur er, sondern das gesamte Land: Kane brachte die Hoffnung zurück. „England sieht Licht am Ende des Tunnels. Es gibt auch glückliche Turniermomente für England“, schrieb der Guardian. Immerhin lag der letzte Sieg Englands bei einer WM acht Jahre zurück. „Es war ein kostbarer Vorgeschmack auf die neuen Dinge, auf die wir hoffen“, schrieb die Sun.

Denn das nach dem peinlichen Aus im EM-Achtelfinale gegen Island runderneuerte Team zeigte gegen Tunesien, warum es eines der spannendsten der WM ist. „Prince Harry“ (Daily Mail) und das „neue“ England begeisterten mit ihrem Offensivspiel, es mangelte nur an der Chancenauswertung, sonst wäre das Spiel nach einer Viertelstunde entschieden gewesen.

Es wurde gegen Tunesien aber auch klar, warum die WM vielleicht noch etwas zu früh für das englische Team kommen könnte. Als sich die Tunesier in der Defensive stabilisierten und die Räume verengten, fehlten die Ideen, die Erfahrung. Aber: Die Engländer behielten Geduld, ließen sich auch vom umstrittenen Elfmeter nicht aus der Ruhe bringen – und hatten ja noch Kane. „Ich will mich in einem großen Turnier beweisen. Der einzige Weg besteht darin, auf einer großen Bühne in einem großen Moment Leistung zu bringen“, sagte Kane. Das wird man auf der Insel gerne hören.