| 23:18 Uhr

Darmstädterin steht in Runde zwei
Petkovic dreht in Paris die Uhr zurück

Paris. Tennisprofi überrascht bei French Open mit Sieg gegen gesetzte Französin Mladenovic. Kohlschreiber und Gojowczyk raus.

Ein großer Auftritt auf einer großen Bühne: Andrea Petkovic hat bei den French Open mit einer kämpferisch wie spielerisch furiosen Leistung die zweite Runde erreicht und damit am zweiten Turniertag für ein echtes Ausrufezeichen aus deutscher Sicht gesorgt. Auf dem Court Suzanne Lenglen siegte die 30-Jährige gegen die französische Lokalmatadorin Kristina Mladenovic mit

7:6 (12:10) und 6:2.

„Ich hab nur gedacht: ‚Andrea, konzentrier dich auf jeden Punkt und hör auf zu denken‘“, sagte Petkovic im Eurosport-Interview: „Ich zittere noch, ich bin so aufgeregt. Ich bin gerade komplett drüber. Jetzt genieße ich erstmal mein Leben.“ In der zweiten Runde trifft sie auf Johanna Larsson (Schweden) oder Bethanie Mattek-Sands (USA).



Für Philipp Kohlschreiber und Peter Gojowczyk war das Grand-Slam-Turnier derweil bereits nach der ersten Partie beendet. Kohlschreiber unterlag gegen den Kroaten Borna Coric, der Münchner Gojowczyk gab verletzt auf. Dazu kassierten Tatjana Maria (Bad Saulgau) und Laura Siegemund (Metzingen) Erstrundenpleiten. Von sieben der 15 deutschen Starter, die bereits im Einsatz waren, hatte nur Hoffnungsträger Alexander Zverev die zweite Runde erreicht.

Dort steht nun auch Petkovic, die sich eigentlich auf ihrer Abschiedstour befindet. Zumindest musste man diesen Eindruck in den vergangenen Monaten zunehmend gewinnen. An ihr einstiges sportliches Niveau kommt die auf Nummer 107 der Weltrangliste abgerutschte Darmstädterin schon länger nicht mehr heran. Stattdessen widmet sie sich mit zunehmendem Eifer journalistischen Projekten, wie etwa ihrer regelmäßigen Kolumne für die „Süddeutsche Zeitung“.

Gestern jedoch drehte Petkovic die Uhren zurück. Im packenden Tiebreak des ersten Durchgangs, in dem sie beim Stand von 3:6 gleich drei Satzbälle in Serie abwehrte, zeigte sie eine Klasse aus fast vergessenen Tagen. Im zweiten Durchgang machte sie dann sogar regelrecht kurzen Prozess mit der an Nummer 29 gesetzten Mladenovic. Wer Favoritin und wer Außenseiterin ist, war für die Zuschauer nicht nur aufgrund der identischen Outfits beider Spielerinnen kaum mehr zu erkennen.

Dagegen hatte Kohlschreiber (34) beim 3:6, 6:3, 3:6, 4:6 gegen den 13 Jahre jüngeren Coric nur phasenweise zu seinem Spiel gefunden. Der Augsburger Routinier scheiterte damit bei seinem 14. Start in Paris zum dritten Mal in Folge an seiner Auftakthürde.

Gojowczyk, als Nummer 43 der Welt derzeit Deutschlands drittbester Tennisspieler, zahlte derweil den Preis für seine Finalteilnahme am Samstag beim ATP-Turnier in Genf. „Ich habe schon im Endspiel in Genf meinen Körper generell gespürt“, sagte Gojowczyk, der gegen den Briten Cameron Norrie nach nur 41 Minuten beim Stand von 1:6, 0:2 aufgrund einer Verletzung an der rechten Hüfte aufgeben musste: „Die Enttäuschung ist sehr groß, denn ich war gut drauf.“

Mitfavorit Alexander Zverev konnte nach seinem mühelosen Auftaktsieg gegen den Litauer Ricardas Berankis (6:1, 6:1, 6:2) derweil in Ruhe auf seinen nächsten Gegner warten. Es wurde der serbische Weltranglisten-60. Dusan Lajovic, der Jiri Vesely aus Tschechien mit 6:3, 6:1, 6:3 keine Chance ließ. Der an Position zwei gesetzte Zverev ist klarer Favorit, obwohl sich auch Lajovic in guter Sandplatzform präsentiert.