| 23:13 Uhr

Behindertensport
Para-Leichtathleten wollen die „EM-Flamme am Lodern halten“

Markus Rehm ist einer der Topathleten im deutschen Team.
Markus Rehm ist einer der Topathleten im deutschen Team. FOTO: dpa / Kay Nietfeld
Berlin. Die kontinentalen Titelkämpfe in Berlin starten heute. Die 40 deutschen Athleten wollen begeistern und Medaillen gewinnen. sid

Sportliche Höchstleistungen, deutsche Medaillengewinner und eine stimmungsvolle Atmosphäre: Die Leichtathletik-EM in Berlin war ein voller Erfolg – und geht heute in die Verlängerung. Eine Woche nach dem Ende der überaus gelungenen Titelkämpfe ziehen die deutschen Behindertensportler bei den Para-Leichtathletik-Europameisterschaften in der deutschen Hauptstadt nach.

Acht deutsche Paralympics-Sieger und Weltmeister kämpfen im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark im Berliner Osten um Rekorde und Medaillen. „Die Vorfreude ist riesig“, sagt Friedhelm Julius Beucher, Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS), geradezu euphorisiert: „In Berlin versammeln sich die Top-Para-Leichtathleten Europas, die auch in der Welt in vielen Disziplinen den Ton angeben. Wer da nicht mitfiebert, dem schlägt das Herz nicht für den Sport.“

Rund 600 Athletinnen und Athleten aus 40 Nationen haben sich angekündigt. An sieben Tagen werden in 182 Wettbewerben die Medaillen vergeben. Der DBS schickt ein 40-köpfiges Team ins Rennen, das in Johannes Floors, Irmgard Bensusan, Heinrich Popow oder Markus Rehm reich an prominenten Startern ist. Eine Zielvorgabe gibt es für die deutschen Athleten nicht, Medaillen sind aber dennoch fest eingeplant. „In den Disziplinen Stoß, Wurf und Lauf schaue ich ziemlich selbstbewusst auf die vorderen Podestplätze. Was die Jungs und Mädchen im Vorfeld abgeliefert haben, das ist beachtlich“, sagt Beucher.



Auch Bundestrainer Willi Gernemann ist zuversichtlich. „Das Ziel sind Bestleistungen zum Saisonhöhepunkt, darauf ist das Training ausgerichtet. Wenn das gelingt, werden einige automatisch in den Kampf um die EM-Medaillen eingreifen“, sagt Gernemann, für den die EM auch eine Standortbestimmung auf dem Weg zu den Paralympischen Spielen 2020 in Tokio ist.

Der DBS hofft derweil, dass die Behindertensportler von der positiven Resonanz der vorherigen Titelkämpfe im Olympiastadion profitieren werden. „Wir haben schon Beispiele, die zeigen, wie paralympische Ereignisse nach olympischen Ereignissen einen Schub mitnehmen. Ich hoffe, dass wir die Flamme am Lodern halten“, sagt Beucher, der mit Blick auf die in Hamburg stattfindende Rollstuhl-Basketball-WM von einem „Para-Sommer, wie man ihn sich nicht besser vorstellen kann“, spricht.

Ihren Beitrag dazu wollen ab heute die deutschen Leichtathleten leisten. Dass sich das Berliner Publikum auf Top-Leistungen einstellen kann, bewiesen Irmgard Bensusan (200 Meter), Niko Kappel (Kugelstoßen), Birgit Kober (Kugelstoßen) und Markus Rehm (Weitsprung), die in dieser Saison bereits Weltrekorde aufgestellt haben. „Wir hoffen auf viele Zuschauer und eine tolle Stimmung im Stadion“, sagt Gernemann.

Begleitet werden die Wettkämpfe auch von den öffentlich-rechtlichen TV-Sendern ARD und ZDF, die täglich per Livestream im Internet mit deutschem Kommentar die Abendsessions übertragen. Alle Wettbewerbe sind auch über die Online-Auftritte des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC) zu verfolgen.