| 23:41 Uhr

Fußball-WM in Russland
Mandzukic lässt ganz Kroatien träumen

Moskau. Ex-Bayern-Stürmer schießt sein Land mit dem 2:1-Siegtreffer gegen England in der Verlängerung ins WM-Finale gegen Frankreich.

Dank eines späten Tores von Mario Mandzukic greift Kroatien erstmals nach dem WM-Pokal und hat dem Mutterland des Fußballs eine ganz bittere Halbfinal-Niederlage zugefügt. Der frühere Münchner traf gestern Abend in der 109. Minute für den WM-Dritten von 1998, der sich mit 2:1 (1:1, 0:1) nach Verlängerung gegen England durchsetzte. Im Endspiel am Sonntag wartet nun der 98er-Weltmeister Frankreich. Für das Team von Gareth Southgate platzte der Traum vom Endspiel 52 Jahre nach dem Triumph von Wembley gegen Deutschland. Vor 78 011 Zuschauern im Luschniki-Stadion in Moskau brachte Kieran Trippier (5.) England am Mittwoch per Freistoß in Führung, Ivan Perisic (68.) glich für die Mannschaft von Trainer Zlatko Dalic aus.

England erwischte einen Traumstart, und wie so oft bei dieser WM ebnete eine Standardsituation den Weg zum Glück. Luka Modric hatte Dele Alli gut 20 Meter vor dem Tor in zentraler Position gefoult, und Trippier nutzte das eiskalt. Der Außenbahnspieler schlenzte den Freistoß rechts oben ins Eck, Kroatiens zuletzt so starker Torhüter Danijel Subasic schaute nur hinterher. Im Londoner Hyde-Park warfen Zehntausende entfesselte Fans beim Public Viewing ihre Becher in die Luft und feierten den Treffer mit einer kollektiven Bierdusche. Es war Englands zwölftes Tor beim Turnier in Russland – das neunte nach einem ruhenden Ball.

Die frühe Führung gab den Three Lions zusätzliche Sicherheit. Bei den Kroaten lief nicht viel zusammen. Das Aufbauspiel war langsam, die Pässe kamen häufig ungenau. Ein Distanzschuss des früheren Dortmunders und Wolfsburgers Perisic, der sein Ziel um einen halben Meter verfehlte, war alles, was das Team von Trainer Dalic in der Anfangsphase zu bieten hatte (19.). Kapitän und Spielmacher Luka Modric tat sich gegen Bewacher Alli schwer.



Die englischen Offensivspieler machten es besser. Immer wieder hängten sie ihre Gegenspieler ab und hätten sich nach einer halben Stunde fast mit dem zweiten Treffer belohnt. Alli steckte super durch auf Harry Kane, doch der WM-Toptorschütze scheiterte zunächst freistehend an Subasic und dann am Pfosten. Zwar pfiff der türkische Schiedsrichter Cüneyt Cakir anschließend Abseits, hätte seine Entscheidung bei einem Tor mit Hilfe des Videoassistenten jedoch wohl zurückgenommen. Kroatien bekam keinen Zugriff, in den entscheidenden Situationen war die Mannschaft von Southgate zunächst immer einen Tick schneller. Jesse Lingard verzog aus aussichtsreicher Position (36.) – England hätte zur Pause auch schon 2:0 oder 3:0 führen können.

Nach dem Seitenwechsel probierte Kroatien mehr und näherte sich dem englischen Tor an. Torhüter Jordan Pickford bekam aber weiterhin erstmal nicht viel zu tun. Das letzte Zuspiel der Kroaten kam noch nicht an. Einen strammen Perisic-Schuss blockte Kyle Walker in höchster Not ab (65.). Drei Minuten später ließ sich der Verteidiger überraschen: Sime Vrsaljko flankte ins Zentrum, von hinten stürmte Perisic heran und bugsierte den hohen Ball vor Walker ins Tor.

Plötzlich war Kroatien hellwach, England verunsichert. Perisic hatte das 2:1 auf dem Fuß, traf jedoch nur den Pfosten. Der frühere Münchner Mandzukic scheiterte an Pickford (83.). So musste Kroatien zum dritten Mal nacheinander in die Verlängerung. Vrsaljko rettete nach einem Kopfball des englischen Abwehrspielers John Stones für seinen schon geschlagenen Torwart (99.) auf der Linie, auf der Gegenseite war Pickford gegen Mandzukic zur Stelle (105.+2). Wenig später war er dann machtlos, nachdem Perisic auf Mandzukic vorgelegt hatte und der 32-Jährige zum frenetisch bejubelten Sieg traf.