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Kritik an der Fallsucht
Legenden ätzen gegen Neymar

Lothar Matthäus und andere Fußball-Legenden kritisieren den brasilianischen Star Neymar.
Lothar Matthäus und andere Fußball-Legenden kritisieren den brasilianischen Star Neymar. FOTO: dpa / Britta Pedersen
Moskau. Die Debatte um zunehmende Theatralik spaltet die Fußballwelt.

Die Ex-Weltmeister Lothar Matthäus und Ronaldo standen nur wenige Meter voneinander entfernt – ihre Meinungen über die kontroverse Neymar-Debatte hätten aber nicht unterschiedlicher sein können. Während der Brasilianer seinen Landsmann gegen die weltweite Kritik verteidigte, legte Matthäus mit „Schauspielerei“-Vorwürfen nach.

„Er hat es nicht nötig, er ist ein exzellenter Spieler. Aber das gehört sich nicht. Man spottet ja auch über ihn – und das zurecht“, sagte Matthäus am Mittwoch. Neymars nächster an Theatralik kaum zu überbietender Auftritt beim 2:0-Erfolg im Achtelfinale gegen Mexiko spaltet die Meinungen bei den sogenannten Fußball-Legenden. „Ich denke, die Schiedsrichter schützen ihn nicht genug“, meinte Ronaldo.

In den ersten beiden Gruppenspielen war Neymar durch schauspielerische Einlagen aufgefallen. Im dritten Spiel steigerte er sich fußballerisch, gegen Mexiko machte er dann sein bisher bestes Spiel. In Erinnerung aber bleibt mal wieder eine andere Szene: Der Mexikaner Miguel Layun war ihm leicht auf den Knöchel getreten, das hätte Rot geben können, aber der Blick des Schiedsrichters haftete auf Neymar. Dieser drehte und wälzte sich derart heftig auf dem Boden, dass man das baldige Ende seiner Karriere hätte vermuten können.



Er habe gedacht, „er kommt auf eine Trage, wird ins Krankenhaus gebracht, und wir sehen ihn nie wieder“, sagte Dänemarks früherer Weltklasse-Keeper Peter Schmeichel im TV-Sender Russia Today. „Ich wünschte, dieser Spieler hätte nicht mitgespielt. Weil es so ärgerlich ist, mit anzusehen, wie er Bestrafungen für andere Spieler provoziert.“ Nur Ronaldo hält eisern zu seinem Landsmann.

„Im Fußball gibt es viele Ansichten und Interpretationen“, sagte der 41-Jährige am Mittwoch. „Ich stimme mit keiner dieser Meinungen überein.“ Neymar sei ein sehr intelligenter Spieler, der sich vor harten Tacklings zu schützen versuche. Schon als Neymar beim 2:0 gegen Costa Rica mit einer Schwalbe einen Elfmeter hatte schinden wollen, war Ronaldo anschließend einer von ganz wenigen gewesen, die in der hauchzarten Berührung seines Gegenspielers Grund genug sahen, einen Strafstoß zu rechtfertigen.

Eine andere Legende des Weltfußballs nimmt die ganze Debatte mit Humor. Nachdem der Franzose Eric Cantona Neymars Frisur aus dem ersten Spiel der Seleção mit Spaghetti verglichen hatte, ging er zuletzt auch auf die Theatralik des Superstars ein. In einem weiteren Internetvideo gab der 52-Jährige einem gelben Rollkoffer den Namen Neymar: Den müsse man nur leicht berühren, trotzdem drehe er sich dann wie wild.