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Leichtathletik-EM in Berlin
König Arthurs späte Krönung

Dem König gehört die Bühne: Arthur Abele bejubelt seine Goldmedaille im Zehnkampf.
Dem König gehört die Bühne: Arthur Abele bejubelt seine Goldmedaille im Zehnkampf. FOTO: dpa / Michael Kappeler
Berlin. Der 32-jährige Abele ist Zehnkampf-Europameister. Und alle gönnen dem leidgeprüften Ulmer diesen Coup. sid

Die Pappkrone war irgendwann von König Arthurs Haupt verschwunden, das Gefühlschaos aber geblieben. „Es ist einfach nur unbeschreiblich“, sagte der neue Zehnkampf-Europameister Arthur Abele am Morgen nach seinem Goldcoup im Berliner Olympiastadion: „Ja, Wahnsinn. Schitte, ich könnte schon wieder losheulen...“ Das tat er dann auch. Und die Tränen des Modellathleten, der zuvor so oft gescheitert war, ließen wie an den beiden Tagen zuvor niemanden kalt.

„Der Traum von vielen Jahren ist in Erfüllung gegangen. Vor zehn Jahren wäre es schon an der Zeit gewesen. Jetzt hat es endlich funktioniert, und ich bin überglücklich“, sagte der 32 Jahre alte Ulmer, der nach einer schier endlosen Serie von Rückschlägen endlich sein Leichtathletik-Märchen geschrieben hat.

„Haben sie ein wenig Zeit?“, entgegnete Abele auf die Bitte, seine Verletzungshistorie zu schildern: „Da sind schon einige heftige Dinge dabei gewesen. Das Highlight war wohl der Achillessehnenriss 2015.“ Wo andere drei Mal die Spikes an den Nagel gehängt hätten, machte Abele achselzuckend immer weiter: „Die Message ist, einfach nie aufzugeben, wenn man einen Traum hat.“ Und weil er diese Einstellung mit soviel Leidenschaft verkörperte, gönnte dem Schwaben in Berlin auch jeder, dass er seinen großen Tag so richtig auskostete.



„Bei den abschließenden 1500 Meter, so anstrengend sie auch waren, habe ich jeden Schritt genossen“, sagte Abele, der schon beim Zieleinlauf von Weinkrämpfen geschüttelt.

Seine Insignien – die goldene Pappkrone, die das EM-Maskottchen Berlino Europas neuem König der Athleten aufgesetzt hatte, und den Umhang in Schwarz-Rot-Gold – wollte Abele über Stunden hinweg nicht ablegen. So stolz war er. Robert Hartings Abschied hin, Christina Schwanitz’ Silbermedaille nach Babypause her – es war sein Abend.

„Die Emotionen waren so groß, weil das Jahr so unfassbar hart war“, sagte Abele: „Von Dezember bis Januar hatte ich eine Gesichtslähmung, danach Achillessehnenprobleme bis März.“ Zum ersten Qualifikations-Meeting in Götzis/Österreich erhielt er nicht einmal eine Einladung.

Es ist eine spezielle Geschichte, dass ausgerechnet danach für Abele, der so viel Pech hatte und von 2008 bis 2013 keinen einzigen Zehnkampf beendete, nun alles zusammenpasste. Die etatmäßige dritte Kraft rückte zur deutschen Nummer eins auf, als Vizeweltmeister Rico Freimuth und der WM-Dritte Kai Kazmirek für Berlin ausfielen.

Dann verabschiedeten sich bei der EM Weltmeister Kevin Mayer aus Frankreich (drei Fehlversuche im Weitsprung) und Europas Jahresbester Maicel Uibo aus Estland (verletzt beim Stabhochsprung).

„Es ist alles super aufgegangen“, meinte Abele, der nebenbei die Zeit fand, den 20 Jahre alten Mainzer Niklas Kaul zu Platz vier zu treiben. „Der Junge ist schon unfassbar abgezockt“, sagte Abele. Bis der Kronprinz an König Arthurs Stelle rückt, soll es aber noch dauern. „Bis Tokio 2020 will ich weitermachen“, sagte Abele.

Zehnkampf Arthur Abele Foto: Sven Hoppe/dpa
Zehnkampf Arthur Abele Foto: Sven Hoppe/dpa FOTO: dpa / Sven Hoppe