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Boxen
Klitschko hat Boxen „nicht geliebt“

Wladimir Klitschko hat das Schwergewichts-Boxen jahrelang geprägt und beherrscht. Seine Karriere hat er im August 2017 beendet.
Wladimir Klitschko hat das Schwergewichts-Boxen jahrelang geprägt und beherrscht. Seine Karriere hat er im August 2017 beendet. FOTO: dpa / Andy Rain
Berlin. Der frühere Schwergewichts-Weltmeister gibt offene Einblicke in seine Karriere. dpa

Mit bemerkenswerter Offenheit blickt der ehemalige Schwergewichts-Weltmeister Wladimir Klitschko auf seine erfolgreiche Karriere zurück. Den Boxsport, sagte der inzwischen 42-Jährige dem Internetportal t-online.de, habe er lediglich als Mittel zum Zweck betrachtet und nicht aus Leidenschaft betrieben. „Ich bin kein geborener Boxer“, sagte der Ukrainer: „Ich war in der Sowjetunion damals in einer Art Käfig. Reisen war unmöglich, außer wenn du Politiker warst – oder Sportler. Mein Bruder Vitali war schon durch das Kickboxen viel gereist, und ich habe erkannt: Der Sport, das Boxen, ist mein Weg, diesen Käfig zu verlassen.“

Seinen fünf Jahre älteren Bruder bezeichnete Klitschko als geborenen Kämpfer: „Er war immer im Kampfsport aktiv, machte Karate, Kickboxen und Boxen. Er war derjenige, der dafür geschaffen wurde, von Geburt an. Ich wurde dazu gemacht.“ Erst durch die Zusammenarbeit mit der Trainer-Legende Emanuel Steward habe sich seine Einstellung geändert: „Er hat mir die Liebe zum Box-Sport vermittelt, weil er mir zeigte, dass es um mehr geht als nur um Draufhauen.“

Die Niederlagen gegen Corrie Sanders und Lamon Brewster in den Jahren 2003 und 2004 bezeichnete Wladimir Klitschko als Tiefpunkte seiner Karriere. „Ich war der Champion – und dann kamen plötzlich zwei Niederlagen innerhalb eines Jahres. Ich war der Loser der Klitschko-Brüder. Die Zeiten waren brutal schwer. Mein eigener Bruder sagte mir: Du musst mit dem Boxen aufhören.“ Nach den Niederlagen feierte Wladimir Klitschko jedoch noch zahlreiche Siege. Seine Karriere beendete er im August 2017, nachdem er zuvor seine Titel gegen den Briten Anthony Joshua abgeben musste.



Den Sportler-Ruhestand hat er nach eigener Aussage unterschätzt. „Ich habe gedacht: Wenn ich mit dem Sport fertig bin, werde ich mehr Freizeit haben. Genau das Gegenteil ist der Fall.“ Noch immer trainiert der 42-Jährige jeden Tag, absolviert alle zwei Wochen sechs Runden Sparring. Auf die Frage nach einer Rückkehr sagte Wladimir Klitschko, der 64 seiner 69 Profikämpfe gewonnen hat: „Wenn ich in den Ring zurückkomme, dann nur für einen wohltätigen Zweck.“