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Saisonfinale in Singapur beginnt
Kerber fühlt sich bereit für das große Finale

Damals ein Herz und eine Seele: Angelique Kerber jubelt nach ihrem Sieg in Wimbledon mit ihrem damaligen Trainer Wim Fissette.
Damals ein Herz und eine Seele: Angelique Kerber jubelt nach ihrem Sieg in Wimbledon mit ihrem damaligen Trainer Wim Fissette. FOTO: dpa / Steven Paston
Singapur. Wimbledonsiegerin ist zuversichtlich für das WTA-Finale – trotz der Trennung von Trainer Wim Fissette. sid

Angelique Kerber fiel zum Auftakt des Tennis-Spektakels in Singapur die wichtigste Aufgabe zu. Mit dem Selfie-Stick in der Hand lag es in ihrer Verantwortung, das ikonische Foto der acht weltbesten Spielerinnen des Jahres zu schießen. Keine leichte Aufgabe, doch Kerber lieferte. Sogar das Marina Bay Sands Hotel, eines der Wahrzeichen des Stadtstaats, fing sie ein.

Nach der Pause in ihrem Krisenjahr 2017 ist Kerber zurück im Kreis der WTA-Stars, die beim Saisonfinale in Singapur ab Sonntag den letzten großen Titel des Jahres ausspielen. Im roten Abendkleid genoss sie das Blitzlichtgewitter bei der Auslosung, vielleicht auch, weil sie (noch) keine nervigen Fragen zur Trennung von Erfolgstrainer Wim Fissette beantworten musste.

Die wahren Gründe für das Ende der Beziehung wird Kerber wohl auch bei ihrer Pressekonferenz an diesem Samstag nicht verraten. Laut Mitteilung ihres Managements hätten die „unterschiedlichen Auffassungen bezüglich der zukünftigen Ausrichtung“ zwischen Kerber und Fissette zur plötzlichen Entscheidung geführt. Sicher ist, dass das Vertrauen zwischen beiden Parteien nachhaltig gestört war.



Dabei waren die gebürtige Bremerin und der Belgier monatelang unzertrennlich und extrem erfolgreich. Fissette arbeitete mit Kerber an Details und brachte seinem oft zweifelnden Schützling das dringend benötigte Selbstvertrauen zurück. Alles gipfelte im Juli in Wimbledon, als Kerber 22 Jahre nach Steffi Graf den prestigeträchtigsten Titel gewann und sich damit einen Kindheitstraum erfüllte.

Graf ist auch beim Saisonfinale die letzte deutsche Siegerin, 1996 triumphierte sie in New York gegen die Schweizerin Martina Hingis. Kerber stand zumindest 2016 im Endspiel von Singapur, und auch in diesem Jahr ist sie zuversichtlich. Trotz der Trennung von Fissette und trotz der jüngsten Formschwäche – seit Wimbledon hat sie auf der WTA-Tour kein Viertelfinale mehr erreicht.

„Ich habe viel trainiert, ich bin bereit“, sagte sie nach der Auslosung im Luxushotel Marina Bay Sands. Sie wolle um den Titel mitspielen, kündigte Kerber an. Bereits in der Gruppenphase warten hohe Hürden auf die 30-Jährige, die in Abwesenheit der Weltranglistenersten Simona Halep (Rumänien) an Position eins gesetzt ist. In der Roten Gruppe trifft Kerber auf US-Open-Siegerin Naomi Osaka (Japan), French-Open-Finalistin Sloane Stephens (USA) und Debütantin Kiki Bertens (Niederlande). „Jedes einzelne Match wird hart“, sagte Kerber, die auch ohne Fissette natürlich nicht auf sich allein gestellt ist. Sparringspartner Andre Wiesler ist sportlich ihr erster Ansprechpartner.

Außerdem besitzt die dreimalige Grand-Slam-Siegerin längst genug Erfahrung, es ist schließlich bereits ihre fünfte Teilnahme beim WTA-Finale. Kerber ist wieder eine Führungsfigur unter den Stars der Frauentour. Das bewies sie auch mit dem Selfie-Stick in der Hand.

Der All England Lawn Tennis Club bricht in Wimbledon mit einer Tradition: Ab 2019 wird in allen Wettbewerben im entscheidenden Satz beim Stand von 12:12 ein Tiebreak gespielt.