| 21:51 Uhr

Triumph in Wimbledon
Kerber steigt auf zur Tennis-Legende

Angelique Kerber küsst ihre Siegerschale. Die Kielerin gewinnt das „Turnier der Turniere“ und erfüllt sich den „Traum der Träume“. Sie ist die erste deutsche Tennisspielerin seit Steffi Graf 1996, die in Wimbledon gewonnen hat.
Angelique Kerber küsst ihre Siegerschale. Die Kielerin gewinnt das „Turnier der Turniere“ und erfüllt sich den „Traum der Träume“. Sie ist die erste deutsche Tennisspielerin seit Steffi Graf 1996, die in Wimbledon gewonnen hat. FOTO: dpa / Jonathan Brady
Wimbledon. Die 30-Jährige triumphiert in Wimbledon und steht jetzt auf einer Stufe mit Steffi Graf, Boris Becker und Michael Stich.

Nach Angelique Kerbers Sturm auf den Olymp stellte Boris Becker gleich einen Bauantrag für sein altes „Wohnzimmer“ auf dem Centre Court von Wimbledon. „Vielleicht sollten wir es etwas vergrößern“, schrieb die deutsche Tennis-Ikone bei Twitter. Schließlich müssten er, Steffi Graf und Michael Stich es ja nun mit der neuen Wimbledonsiegerin aus Kiel teilen. Es könnte also ein wenig eng werden an diesem fast mythisch verklärten Ort im Süden von London.

Von allen Seiten erreichten Kerber nach ihrem Finalerfolg gegen Serena Williams die Glückwünsche und Gratulationen. Als sie mit dem silbernen Siegerpokal in den Händen und einem funkelnden Strahlen in den Augen durch die Räume des altehrwürdigen „All England Lawn Tennis Club“ schritt, warteten dort bereits die britischen Herzoginnen Meghan und Kate sowie Thomas Bach, der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel sendete umgehend eine Grußbotschaft und gratulierte zu einer „begeisternden Leistung“.

Durch ihren Triumph beim ältesten und wichtigsten Turnier der Welt ist Kerber in den elitären Kreis der deutschen Tennis-Legenden aufgerückt. Ihr 6:3, 6:3-Sieg gegen die große Serena Williams gehört nun zu den wichtigen Momenten der deutschen Sport-Historie. Becker und Graf rangieren zwar weiter in einer eigenen Liga, doch auch Kerber ist nun eine der wichtigen Figuren ihres Sports. Mit den Australian Open, den US Open (beide 2016) und nun Wimbledon hat sie drei der vier Grand-Slam-Titel gewonnen. Sie ist die herausragende deutsche Spielerin ihrer Generation.



Der Sieg vom Samstag sticht bei alledem jedoch noch einmal kilometerweit heraus. Wimbledon sei das „Turnier der Turniere“, hier zu gewinnen „der Traum der Träume“, befand Kerber. Als kleines Kind hatte sie im heimischen Wohnzimmer gebannt vor dem Fernseher die großen Siege ihres Idols Steffi Graf verfolgt. Am Samstag durfte sie selbst den Pokal küssen und in die Höhe stemmen. „Wimbledon war immer das Turnier, das ich unbedingt gewinnen wollte“, sagte sie: „Ich habe meinen Lebenstraum erreicht.“

Nachdem auch der letzte Return der 23-maligen Grand-Slam-Gewinnerin Williams im Netz gelandet war, war Kerber wie vom Blitz getroffen auf den „heiligen Rasen“ des Centre Courts gesunken. Erst auf die Knie, dann auf den Rücken. Sofort schossen ihr die Freudentränen in die Augen. „Ich weiß auch nicht, irgendwie lande ich jedes Mal auf dem Boden“, scherzte sie später.

Im Spiel zuvor hatte sie diese noch unterdrückt. Sie sei sehr angespannt gewesen, berichtete sie hinterher, habe aber versucht, „die Nervosität loszulassen“. Immer, wenn die Emotionen in ihr hochzukochen drohten, atmete Kerber tief durch, führte kleine Selbstgespräche. Es funktionierte. Fehler machte fast nur Williams. Kerber spielte „Kerber-Tennis“: Rennen, Kämpfen und in den richtigen Momenten aus der Defensive heraus attackieren. Nach 65 überraschend einseitigen Minuten war die Kielerin am Ziel.

Den anschließenden Marathon mit über 30 TV-Interviews und Pressekonferenzen absolvierte sie in einer Trance des Glücks. Nach dem ausgefallenen WM-Sommer durch das frühe Aus der Fußball-Nationalmannschaft hat sie ein Kapitel Sport-Geschichte geschrieben. „Ich weiß, dass Deutschland mitgefiebert hat“, sagte sie: „Das hat mir sehr geholfen.“ Kerber hat mit ihren Siegen dafür gesorgt, dass Tennis überhaupt wieder auf der Karte der deutschen Sportlandschaft aufgetaucht ist. Auch darum gehört sie nun zum Kreis der Größten.

Angelique Kerber sackt nach dem Matchball zusammen.
Angelique Kerber sackt nach dem Matchball zusammen. FOTO: dpa / Nic Bothma
Serena Williams kniet niedergeschlagen auf dem Boden.
Serena Williams kniet niedergeschlagen auf dem Boden. FOTO: dpa / ---