| 21:56 Uhr

Schwimm-EM in Glasgow
Hoffen auf den goldenen Montag

Philip Heintz (links) ist selbstbewusst, Franziska Hentke (rechts) hadert mit sich. Heute sollen die beiden Vorzeigeschwimmer Gold bei der EM in Glasgow gewinnen.
Philip Heintz (links) ist selbstbewusst, Franziska Hentke (rechts) hadert mit sich. Heute sollen die beiden Vorzeigeschwimmer Gold bei der EM in Glasgow gewinnen. FOTO: dpa / Klaus-Dietmar Gabbert
Glasgow. Die deutschen Vorzeigeschwimmer Philip Heintz und Franziska Hentke greifen heute bei der EM in Glasgow nach den Medaillen. sid

Die deutschen Vorschwimmer Philip Heintz und Franziska Hentke gehen in ihren Wettkämpfen als Europas Jahresbeste an den Start, in den Finals heute Abend soll dann auf der Anzeigetafel die „1“ hinter ihren Namen aufleuchten. Das war auch schon bei der deutschen Meisterschaft vor zwei Wochen in Berlin der Fall – aber die Zeit, die neben der Zahl erschien, schmeckte beiden gar nicht.

Während Heintz trotzdem selbstbewusst nach Glasgow reiste, grübelte Titelverteidigerin Hentke. Und das, obwohl mit Weltmeisterin Mireia Belmonte (Spanien) ihre größte Konkurrentin krankheitsbedingt fehlt. „Vielleicht liegt es auch an mir selbst“, sagte die Vize-Weltmeisterin. Auf den Grund, dass der zeitliche Abstand zwischen ihrem Höhentrainingslager in der Sierra Nevada und der DM zu kurz war, wollte Hentke es nicht alleine schieben, dass sie in Berlin über 200 Meter Schmetterling fast vier Sekunden langsamer war als bei ihrem deutschen Rekord. „Franziska macht sich selbst zu viel Druck“, sagt ihr Heimtrainer Bernd Berkhahn: „Wir müssen sehen, dass sie bis zur EM ihr Selbstvertrauen wiederfindet.“

Nach den ersten Trainingseinheiten im EM-Becken klang Hentke schon wieder viel angriffslustiger. „Ich weiß, dass ich schnell schwimmen kann“, sagte die 29-Jährige: „Ich werde mich durch das holprige Jahr nicht runterziehen lassen.“ Gestern qualifizierte sie sich dann auch problemlos als Halbfinalsiegerin für das Finale heute Abend.



Vertrauen gibt ihr auch, dass ihr Heimtrainer, der seine Differenzen mit Bundestrainer Henning Lambertz ausgeräumt hat, nun auch offiziell im Trainerteam des Deutschen Schwimmverbandes dabei ist. Lambertz vertraut auf Berkhahn, dass er „die Franzi auf den Punkt fit macht“. Viel mehr als hoffen kann er nicht, Athleten und Heimtrainer haben in diesem Jahr mehr Eigenverantwortung als sonst.

Lambertz hat den Qualifikationsmodus so verändert, dass seine Schwimmer die harten Normen in einem Zeitrahmen von drei Monaten erfüllen können und nicht mehr nur bei den deutschen Meisterschaften. Am alten Modus hatte sich bei der WM im Vorjahr ein öffentlicher Zank zwischen Lambertz und dem Olympia-Sechsten Heintz entfacht, mittlerweile bezeichnen beide ihr Verhältnis als gut und professionell. „Wir wollen nicht nur Ja-Sager haben, die ohne Wenn und Aber jedem nach dem Mund reden“, sagt Lambertz. Anders als vor der WM musste Heintz diesmal bei der DM nicht voll durchziehen, sondern er konnte mit Vollbart an den Start gehen und Körner für die EM sparen. Doch auch er blieb über 200 Meter Lagen fünf Sekunden über seiner Bestzeit. Gestern gewann Heintz sein Halbfinale und steht heute im Finale.

Der Vize-Europameister von 2014 will in Glasgow seinen deutschen Rekord (1:55,76 Minuten) brechen, „dann gehe ich davon aus, dass eine Medaille dabei rumspringt – hoffentlich die Goldmedaille“. Vor allem aber möchte er zwei Jahre später in Tokio aufs Treppchen: „Jeder will natürlich mal bei Olympischen Spielen eine Medaille holen.“ Bei der EM soll es heute Gold sein – sowohl für den selbstbewussten Heintz als auch für die grübelnde Hentke.