| 22:17 Uhr

Hockey-WM
Hockey-Frauen: Selbstbewusste Favoriten

Die deutschen Hockey-Damen wollen ein tolles WM-Turnier heute mit dem Einzig in das Halbfinale fortsetzen.
Die deutschen Hockey-Damen wollen ein tolles WM-Turnier heute mit dem Einzig in das Halbfinale fortsetzen. FOTO: dpa / Andreas Gebert
London. Im WM-Viertelfinale in London trifft Deutschland heute auf Spanien. In der Gruppenphase wurden die Iberer mit 3:1 bezwungen.

Beim Training seiner „Danas“ schnappte sich Hockey-Bundestrainer Xavier Reckinger kurzerhand ein paar Bälle und lieferte zusammen mit Co-Trainer Florian Keller eine zirkusreife Jonglier-Einlage ab. Vor dem WM-Viertelfinale in London ist die Stimmung bei Reckinger und den deutschen Spielerinnen gelöst. „Wir sind der Favorit. Damit haben wir aber auch kein Problem“, sagte der 34 Jahre alte Coach dem sid.

Mit viel Selbstvertrauen geht seine Mannschaft in den Kampf um das Halbfinalticket am Mittwoch (19 Uhr/DAZN) gegen Spanien – die erste WM-Medaille seit 20 Jahren scheint in Reichweite. „Wir haben den mentalen und den physischen Vorteil auf unserer Seite“, sagt Reckinger vor dem zweiten Duell mit den Südeuropäerinnen binnen fünf Tagen

Das Team des Belgiers schlug Spanien schon in der Gruppenphase mit 3:1 und ließ bislang ohnehin in drei Spielen in der Vorrunde keine Punkte liegen. Zudem mussten sich die Südeuropäerinnen als Drittplatzierter der Gruppe C noch in einem Überkreuz-Duell mit Belgien, Zweiter der Gruppe D, für die Runde der letzten Acht qualifizieren. Dabei wirkte Spanien müde und löste nach einer torlosen regulären Spielzeit nur mühsam im Penaltyschießen das Viertelfinalticket (3:2).



Die Deutschen hatten hingegen drei Tage Pause. Als einzige Mannschaft, die ein zentrales Hotel mit Blick auf die Tower Bridge bezogen hat, konnte das Team „mental zur Ruhe kommen“. Jetzt heißt es aber wieder: Schalter umlegen und auf „Hockey fokussieren“, so Reckinger.

Das gelang Kapitänin Janne Müller-Wieland und Co. bisher hervorragend. Der Olympia-Dritte lieferte neben Rekordweltmeister Niederlande die bisher überzeugendste Leistung an der Themse ab. So wuchs Deutschland nach dem Pflichtsieg zum Auftakt gegen Südafrika (3:1) beim 3:2 über Topfavorit Argentinien stellenweise über sich hinaus und überzeugte auch gegen Spanien mit Kampfgeist, Engagement und individueller Klasse.

Das starke Kollektiv aus jungen, aber bereits turniererfahrenen Spielerinnen lässt Hoffnungen auf die erste Medaille nach WM-Bronze 1998 aufkommen – sogar der erste WM-Titel seit 1981 scheint im Bereich des Möglichen. Doch zunächst muss die Auswahl des Deutschen Hockey-Bundes (DHB) die Hürde Viertelfinale nehmen.

Die Zahlen sprechen dabei für den Weltranglistensechsten. Die letzte Medaille für Spanien bei einem großen Turnier liegt bereits 15 Jahre zurück (EM-Silber 2003). Bei Weltmeisterschaften ging man bislang leer aus. Dennoch ist der Olympiasieger von 1992 immer ein unangenehmer Gegner: quirlige Spielerinnen, die aggressiv verteidigen und auf schnelles Konterspiel setzen.

Und wenngleich die „Danas“ die technisch versierte Konkurrenz beim ersten Aufeinandertreffen in England zu bändigen wussten, ein bisschen Vorsicht sei trotzdem geboten. „Es ist ein Knock-out-Spiel, es wird mehr Emotionen geben. Da wird die Energie ganz entscheidend sein. Spanien wird wahrscheinlich frei aufspielen“, so Reckinger.

Außerdem sei bei diesem Turnier schon „so viel Komisches“ passiert: Nach enttäuschender Leistung erreichte Olympiasieger England in seiner Gruppe nur mühsam das Achtelfinale, während Underdog Irland den Gruppensieg feierte. Reckinger bleibt dennoch zuversichtlich: „Wir haben unseren Plan und kennen den Gegner, unsere Vorbereitung steht.“