| 22:14 Uhr

Fußball-WM in Russland
Hochgeschwindigkeit gegen Abwehrbeton

Benjamin Pavard traf am Samstag im Achtelfinale gegen Argentiniens Routinier Angel di Maria (rechts) mit diesem schönen Schuss zum wichtigen 2:2. Der Noch-Stuttgarter soll ab 2019 bei Bayern spielen.
Benjamin Pavard traf am Samstag im Achtelfinale gegen Argentiniens Routinier Angel di Maria (rechts) mit diesem schönen Schuss zum wichtigen 2:2. Der Noch-Stuttgarter soll ab 2019 bei Bayern spielen. FOTO: dpa / Petter Arvidson
Nischni Nowgorod. Offensivstarke Franzosen treffen im WM-Viertelfinale auf Defensivkünstler aus Uruguay. Juwel Pavard wohl zu Bayern.

Im ersten Viertelfinale dieser Fußball-Weltmeisterschaft kommt es am heutigen Freitag (16 Uhr/ZDF) zwischen Uruguay und Frankreich zu einem echten Härtetest für die Equipe Tricolore. Beim furiosen 4:3 im Achtelfinale gegen Argentinien hatte der vor Talent nur so strotzende Angriff der Franzosen erstmals in Russland sein riesiges Potenzial gezeigt. Allen voran Kylian Mbappé, der mit seinem Doppelpack auf den Spuren des großen Pele wandelte.

Jetzt kommt es für den unglaublich schnellen 19-jährigen Mbappé und Stürmer Antoine Griezmann aber darauf an, nicht an der Abwehrmauer der „Urus“ zu zerschellen. Griezmanns Teamkollege bei Atlético Madrid, Jose Gimenez, und Kapitän Diego Godin bilden das Herzstück der knochenharten Defensive, an denen der Hochgeschwindigkeitsfußball der offensiven Feingeister zerschellen soll. Schon so manch gefeierter Offensivkünstler wie zuletzt Weltfußballer Cristiano Ronaldo hat sich an der eklig zu bespielenden Abwehr der Celeste die Zähne ausgebissen. Die dürfte diesmal noch defensiver spielen.

Bei den Franzosen ist unterdessen Abwehrspieler Benjamin Pavard zum neuen Liebling aufgestiegen. Das 22-Jährige Juwel vom VfB Stuttgart ist auf dem Transfermarkt heiß begehrt. Allerdings soll seine Zukunft bereits besiegelt sein. So soll der FC Bayern die zahlungskräftige Konkurrenz aus England und Spanien ausgestochen und über einen Wechsel des heiß begehrten Pavard für Sommer 2019 bereits eine Einigung mit dem VfB erzielt haben. Dies will der kicker von einem Eingeweihten erfahren haben.



Demnach sollen die Bayern mit dem VfB nach dem letzten Ligaspiel der vergangenen Saison bereits „alles geregelt“ haben. Dass Pavard, der in seinem bis 2021 laufenden Vertrag eine Ausstiegsklausel für 2019 in Höhe von 35 Millionen Euro verankert hat, bei der WM derart famos durchstartet, war zu diesem Zeitpunkt nicht abzusehen gewesen.

Einen Wechsel von „Benji“, den er als „Herzstück unserer Mannschaft“ bezeichnet, schließt VfB-Sportchef Michael Reschke in der laufenden Transferperiode bislang (noch) aus: „Wir verzichten gerne auf sehr viel Geld, wenn er dafür noch ein weiteres Jahr bei uns spielt.“ Man wolle „Benjamin auch emotional“ von dieser Lösung überzeugen.

Das könnte ein schwieriges Unterfangen werden. Nicht, weil es Pavard zuzutrauen ist, einen Wechsel à la Ousmane Dembélé oder Pierre-Emerick Aubameyang zu erzwingen. Aber Pavard, der erst im vergangenen November sein Debüt für die Equipe Tricolore gegeben hat, spürt in Russland, dass die WM-Bühne keineswegs zu groß für ihn ist. Dass er einen Giganten wie Lionel Messi auf seiner Abwehrseite in Schach halten kann. Zudem hat er das wohl schönste Tor dieses Turniers geschossen.

Der Rechtsverteidiger, der in Stuttgart im Abwehrzentrum glänzt, hatte schon vor der WM mit einem Wechsel geliebäugelt. „Ich will Champions League spielen, ganz klar“, sagte er: „Wenn ich verspreche, dass ich in Stuttgart bleibe und es dann nicht tue, werden mich die Fans auf dieser Welt nicht mehr mögen.“ Erstaunlich vernünftige Sätze eines jungen Mannes, dessen Aufstieg so rasant verläuft. „Er kommt aus dem Nichts“, sagte Stürmerstar Antoine Griezmann über den überraschend für die WM nominierten Kollegen.

Weil Djibril Sidibe, der eigentlich für Frankreich die rechte Seite beackert, nach einer Verletzung lange ausfiel, tüftelte Nationaltrainer Didier Deschamps den Plan mit Pavard aus – und der ging auf. Auch gegen Uruguay ist der Noch-Stuttgarter gesetzt. Deschamps habe ihm gesagt, „dass ich ihn an Lilian Thuram erinnert habe“, berichtete Pavard: „Ich hoffe, ich kann es ihm gleichtun.“ Thuram hatte vor Pavard das letzte Tor eines französischen Verteidigers bei einer WM (1998) erzielt – und wurde Weltmeister.